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Südamerika. Allgemeines. — Guayana.
schen Tropenprovinzen, findet man keine deutschen Siedlungen, uud wo im Ur- walde wie in Tovar (Venezuela) und Pozuzu (Peru), deutsche Ackerbaukolonien qeqründet worden sind, hat sich eine fortschreitende Entwicklung mcht daran anknüpfen können. Auch in den günstiger gelegenen Provinzen Argentiniens bestehen mehrere Kolonien mit sast ausschließlich deutschem Gepräge; aber das starke Zentrum des südamerikanischen Deutschtums bleibt doch Südbrasilien, und hier scheinen auch die Aussichten sür die Zukunft am günstigsten zu sein.
Ungleich nachhaltiger und wirksamer als auf dem Gebiete der Landwirtschaft und Kolonisation betätigt sich aber der deutsche Einfluß im Handel. Der Anteil der deutschen Arbeit ist hier in Wirklichkeit viel größer, als er nach der Statistik der Ein- und Aussuhr nach Herkunfts- und Bestimmungsländern erscheint, da auch ein Teil des Handels mit den nicht deutschen Ländern von deutschen Firmen besorgt wird; ja, ein so guter Kenner süd amerikanisch er Verhältnisse wie Sievers versichert uns, daß die deutsche Betätigung im Handel stärker als die jedes andern Landes, selbst der der Vereinigten Staaten überlegen sei, und anderseits Südamerika für Deutschlands Handel und Schiffahrt im ganzen größere Bedeutung besitze als Asien, Asrika und Australien.
I. Guayana.
Schon im siebzehnten Jahrhundert ist einmal der Plan ausgetaucht, eine deutsche Kolonie in Guayana zu begründen; im Jahre 1665 vermittelte der Kurfürst von Mainz, Philipp Franz v. Schönborn, Verhandlungen zwischen Frankreich und Bayern zur Gründung einer bayerischen Kolonie zwischen den Flüssen Approuague und Cachipour, die dann französisches Lehen werden sollte; sein Projekt hat aber nicht zu einem nennenswerten Ergebnis geführt.^)
Jetzt leben in dem zwischen England, Frankreich und Holland verteilten Lande nur wenige Deutsche, über deren Zahl nichts Gewisses angegeben werden kann.
Der Anteil Deutschlands am Handel Britisch - Guayanas ist nur gering, zumal der Verkehr deutscher Schiffe ganz ausgehört hat. Im Jahre 1903—04 belief sich die Einsuhr aus Deutschland auf 3173 Doll. (gegen 3265 Doll. in 1902-03), die Ausfuhr dorthin auf 3885 Doll. (gegen 468 Doll. in 1902—03, also eine nennenswerte Zunahme). Außerdem kommt alles, was von Deutschland eingeführt wird, über England und Hollands)
Auch in den Häfen Niederländisch - Guayanas verkehren gegenwärtig keine deutschen Schiffe/) so daß alle aus Deutschland stammenden Waren, weil sie auf fremden Schiffen eintreffen, als Einfuhr aus dem betreffenden fremden Lande in der Statistik aufgeführt werden. Der Anteil der deutschen Industrie an der Einsuhr steigt aber unverkennbar mit jedem Jahre. Eine deutsche Kommissionsfirma führt allein jährlich für mehr als eine Million Gulden Waren ein.^)
In Niederländisch - Guayana missioniert die Herrnhuter Brüdergemeine schon seit dem Jahre 1738. Im Lause der Zeit hat sie einen großen Teil der farbigen Bevölkerung christianisiert (1902: 29 294 Christen). 47 Missionare und 9 Missionsschwestern arbeiten aus 20 Stationen und 24 Außenstationen. ^-
^ , >Vgl. E. Jaeobi Ein bayrisches Kolonialunternehmen im 17. Jahrh., in: Beitr. z. Kolomalpol. u. Kolonmlnnrtsch. V (1903), S. 184 ff u 200 ff
Vgl. Dtschs. Handelsarchiv 1004, II, S. 437 u 1005 II S 487
^ dusche Schiffe mit 7032 Reg.-Tons an; 1901-02 nur
noch 4 Schiffe nnt 3828 Reg.-Tons.
Vgl. Dtschs. Handelsarchiv 1904, II, S. 678