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Wissenschaftliche Ergebnisse meiner ethnographischen Forschungsreise in den Südosten Deutsch-Ostafrikas ; mit 63 Bildertafeln, 1 Karte und einer Beilabge in Faarbendruck / von Karl Weule
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zwischen Mkululu und Susa unter einem Busch. Hät­ten mich nicht meine Leute darauf aufmerksam ge­macht, so wäre ich arglos vorübergegangen, umso- mehr, als ich an jenem Tage unter sehr starkem Fieber litt und mit mir allein genug zu tun hatte. Was man sah, war lediglich ein gewölbtes Stück Baumrinde, das nach einem Ende zu von ein paar senkrecht stehenden, anderen Rindenstücken begrenzt wurde. Ein Nach­graben verbot sich, nachdem ich die Bedeutung des Ganzen erfahren hatte, natürlich von selbst; nach meinen Erkundigungen war es das Grab eines totgeborenen Kindes. Dieses war in einen Rinden­zylinder von der Art der Hühnerställe, der Tauben­schläge und der Bienenstöcke, nur von kürzeren Ab­messungen, eingesargt, der Sarg dann etwas ge­neigt in die Erde vergraben worden, und zwar so, daß nur das eine Ende noch über die Erdoberfläche hinausragte. Mit der sonst immer wiederkehrenden Behauptung der Eingeborenen, nichts wäre den Jägern als Elefantendaua erwünschter als gerade Be­standteile von totgeborenen Kindern, steht diese doch immerhin recht sichtbare Art des Begräbnisses sicht­lich in Widerspruch, aber wer weiß auch, ob jenes einsame Grab nicht schon längst seines Inhaltes be­raubt war.

Stirbt eine Mutter im Kindbett oder bei der Geburt, so springen, wie bei den Jao, andere Mütter ein, um das Kind ihrerseits aufzuziehen. Zunächst sind natürlich die Verwandten zu diesem Liebeswerke verpflichtet.

An Aussatz oder sonstigen ekelhaften Krank­heiten Verstorbene werden nicht beerdigt, sondern in den Busch geworfen oder in einer schnell

improvisierten Hütte einfachster Konstruktion unter­gebracht. Als Grund für diese Art der Behand­lung gab man mir an:Graben wir diese Leute in die Erde, so kommt die Krankheit zu uns zurück; werfen wir sie aber einfach in den Busch oder lassen wir sie in der leichten Hütte an der Erdoberfläche, so kommt der Wind und jagt die Krankheit weg." Ob wir hier die ersten Anfänge einer bewußten oder unbewußten Hygiene vor uns haben, d. h. das Gefühl, daß infolge einer Beerdigung solcher Leichen eventuell das Quellwasser infiziert werden könnte, möchte ich einstweilen dahingestellt sein lassen.

H örige werden beerdigt, aber man macht ihnen kein mannstiefes oder noch tieferes Grab, sondern legt sie in eine flache Vertiefung, die man dann zu­schaufelt.

Eine ganz allgemeine Begleiterscheinung der Grä­ber auf dem Plateau sind Grabbäume. Ist ein Makonde gestorben und begraben, so haut man irgendwo einen jungen Kamuma-Baum und pflanzt ihn zu Häupten des Toten, also am Westende des Grabes, ein. Dort schlägt er dann von neuem aus und grünt. Bei neueren Gräbern ist dieses lebendige Totenmal stets jung und klein (s. Taf. 49 Abb. 2, wo ein frischeres Grab an der Straße von Newala nach Mahuta wiedergegeben ist); bei alten Gräbern ist der Baum meist von riesiger; alle anderen über­ragender Größe. Er allein erinnert dann noch an den schon vor Jahrzehnten Verblichenen. In der nähern Umgebung von Newala standen derartige große Grab­bäume an verschiedenen Stellen (Taf. 8. Abb. 1). An sie werden zuweilen Lappen geheftet.

Divination und Verwandtes.

Der Ntollo-Baum (Msollo der Wajao) ist auf dem Plateau selten; gleichwohl kommt er vor. An­geblich hat man ihn von unten heraufgeholt und angepflanzt. Er dient sowohl als Grabbaum, wie auch zu Kultzwecken; man opfert Mehl und Pombe unter ihm und bindet als weitere Opfergaben Zeugstreifen an ihn an. So gehört der Lappenbaum auch zum Kulturbilde des Plateaus.

Über den Verbleib der Seele waren die Makua etwas besser unterrichtet als die Jao: ,,Der Schatten (irungu) des Menschen geht zu Gott (iluku); Gott aber wohnt ,irimu', oben." Was der Schatten dort oben bei iluku macht, wußten meine Gelehrten allerdings nicht.

Eine sehr unheimliche Rolle spielt bei allen Völ­

kern meines Forschungsgebietes ein gewisses Ge­spenst; im Kimakua heißt es itondosha, im Kijao ndondosha. Hat ein Zauberer ein Kind getötet (ohne den Eingriff eines andern ist der Tod ja überhaupt undenkbar), so holt er es nach dem Volksglauben wieder aus dem Grabe heraus, macht es von neuem lebendig und schneidet ihm die Beine in den Knie­gelenken ab. Die abgeschnittenen Unterschenkel wer­den weggeworfen. Dann stellt der Zauberer das so verkürzte Kind irgendwo heimlich hin; man bringt ihm von allen Seiten Essen, Wasser und dergleichen. Geschieht das regelmäßig und in ausreichendem Maße, so vernimmt man von dem Gespenst nichts weiter, vergißt man seiner aber, so hört man es laut und unheimlich schreien. Auf dieses Gespenst