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Wissenschaftliche Ergebnisse meiner ethnographischen Forschungsreise in den Südosten Deutsch-Ostafrikas ; mit 63 Bildertafeln, 1 Karte und einer Beilabge in Faarbendruck / von Karl Weule
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bearbeitet dann mit seinen zw ei Stäben den Baß, der andere den Diskant. Die Reihenfolge der Tasten ist nicht beliebig; es dauerte vielmehr stets geraume Zeit, bis der oder die Musikanten mit dem Stimmen des Ganzen durch Verlegen der einzelnen Hölzer in Ord­nung waren.

Blasinstrumente sind Tierhörner und Bambus­flöten. Unter den letzteren geht aus dem Rahmen

des Kulturbesitzes der hiesigen Völker ganz heraus eine Pansflöte (Taf. 30 Abb. 1), die ich in einer Ma- kondehütte bei Newala in der Fußbodenasche fand. Sie ist das einzige Stück meiner Sammlung geblieben; ich kann also nicht sagen, ob dieses Instrument wirk­lich in das Rowumagebiet hineingehört, oder ob jenes Stück nur durch Zufall dorthin gelangt ist.

Politische und soziale Verhältnisse.

Werbung und Ehe.

Aus diesem umfangreichen Kapitel will ich meine Aufzeichnungen in der zwanglosen Folge bringen, wie ich sie auf dem Makondeplateau im Lauf der Zeit niedergeschrieben habe. Bei den zivilisierten Jao, die mit dem Kisuaheli zumeist auf vertrautem Fuß standen, waren die Nachrichten über die zahlreichen Punkte des Familienlebens nicht übermäßig schwer klar zu stellen; um so schwieriger aber war das hier oben, wo zu den Sprachschwierigkeiten auch noch die der mangelnden Zivilisation hinzutraten. Dennoch habe ich zuerst bei den Makua und Makonde in Newala einen Einblick in das exogamische Sippen­wesen der ganzen Völkergruppe des Südens gewinnen können; bei den Jao unten im Tiefland hatte ich immer von neuem nach derartigen Einrichtungen ge­fragt, ohne aber Verständnis zu finden. Das lag mehr an der Art meiner Fragestellung als an man­gelndem Intellekt der Leute selbst; bei Naturvölkern kommt gerade bei so abstrakten Dingen alles auf die Fragestellung an: man kann sie gar nicht konkret und elementar genug fassen. Im übrigen hat man durchaus kein Recht, verächtlich auf die Naturvölker herabzuschauen; würde ein Forscher bei uns einen Mann aus dem Volke fragen: ,,Sag einmal, kannst Du Deine Cousine heiraten?", so würde die Ant­wort sehr wahrscheinlich ein sehr verwundertes Warum denn nicht?" sein. Für seine wissenschaft­lichen Zwecke wäre dem Fragesteller damit schwerlich geholfen.

Ganz ähnlich wie um die alten sozialen Verhält­nisse der Stämme, war es auch um die Feststellung der Gebräuche bei der Werbung, der Eheschließung, der Geburt, dem Begräbnis usw. bestellt. Die Fähigkeit des Generalisierens war sichtlich nur bei ganz seltenenIntelligenzen" entwickelt; im all­gemeinen habe ich in dem monatelangen Zusammen­sitzen mit den Stammesgelehrten den Eindruck ge­wonnen, daß jeder immer nur einen ihm gerade im Gedächtnis haftenden Fall wiedergeben konnte.

Aus diesen Einzelberichten galt es dann, mit einiger Kritik die Regel festzustellen. Daß bei diesem Be­ginnen manche Schwierigkeit entsteht, derart, daß sich nicht jeder Fall in das Schema einfügt, ist er­klärlich; auch bei jenen einfachen Leuten ist das Leben schon vielgestaltig genug, um im Dasein des Einzelnen manchen Vorgang sich anders abspielen zu lassen als bei den Nachbarn.

Bei den Makonde ist der Gang der Wer­bung folgendermaßen. Liebt ein Jüngling ein Mäd­chen, so geht er zu seinem eignen Vater und spricht: Ich will die und die heiraten". Der Vater geht nun zu den Eltern des Mädchens und verhandelt mit ihnen. Sind die beiden Parteien einig, so bringt der Bräu­tigam ein Geschenk aus Stoffen und dergleichen für die Eltern der Braut. Dies Geschenk ist bindend.

Dies ist das einfachste Verfahren; bei kon­servativeren Volkselementen tritt nach meinem be­währten Gewährsmann Mponda noch eine kleine Kom­plikation ein: Hält der Vater des Jünglings um die Tochter an, so rufen deren Eltern den Bruder der Mutter herbei und fragen diesen um seine Zustim­mung. Willigt er ein, so geht das Brautgeschenk zwar an die Schwiegermutter, doch ist sie gehalten, es mit dem Bruder zu teilen.

Die Richtigkeit dieser Aussagen Mpondas ist mir von einer großen Anzahl alter Makondemänner be­stätigt worden; ohne die Zustimmung des Oheims mütterlicherseits ist also keine Ehe zu schließen; auch die Aufteilung des Geschenkes zwischen diesem Onkel und der Schwiegermutter wurde mir als Regel hin­gestellt. In früherer Zeit scheint das exogamische Ver­fahren noch strenger durchgeführt worden zu sein. Nach diesen Makonde-Gewährsmännern kehrte näm­lich der Makondeknabe nach seiner Beschneidung nicht in das Elternhaus zurück, sondern er verblieb bei seinem Onkel mütterlicherseits, in der Absicht, später in dessen Familie hinein zu heiraten. Er blieb selbst, wenn dieser noch gar keine Tochter besaß. Dann blieb er dort in der bestimmten Erwartung, noch