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Auf dem Makondeplateau. DieMakua undMakonde.
Die fünf Wochen meines Aufenthaltes zu Newala habe ich in der Weise für meine Forschungszwecke verwandt, daß ich zunächst wieder, wie schon vorher im Tieflande, zahlreiche kleinere Rundtouren unternahm, um mich mit der Einrichtung von Haus und Hof, Garten und Feld, kurz mit den äußeren Lebensumständen der Leute vertraut zu machen. Gleichzeitig suchte ich mir aber auch durch Heranziehung möglichst zahlreicher Gewährsmänner über den geistigen Kulturbesitz, die Sitten und Gebräuche, die soziale Gliederung, die Lieder und Gesänge und vieles Andere, was zu einem abgerundeten Völkerbilde gehört, Klarheit zu verschaffen. In gewissem Grade war Newala zu einem solch umfangreichen und schwierigen Unternehmen besonders gut geeignet, greifen doch hier alle in Frage kommenden Völkerschaften so innig ineinander über wie kaum anderswo im ganzen Südbezirk; anderseits läßt sich nicht leugnen, daß gerade dieses Durcheinander mir die Aufgabe sehr erschwerte, lag doch immerhin die Gefahr vor, daß die einzelnen Volkstümer sich bereits stark aneinander abgeschliffen hatten und daß mir als Kimakua dargestellt werden mochte, was vielleicht ursprünglich Kimakonde gewesen war. Aber mit solchen Möglichkeiten wird man in Gebieten von Mischbevölkerungen stets zu rechnen haben.
Die offizielle Schätzungszahl für die Makonde ist 83 732; zu dieser Zahl ist man auf Grund einer genauen Zählung der Hütten durch die einzelnen Jumben unter der Kontrolle der Akiden gelangt. Die Hüttenzahl betrug während der Zählperiode 1904/05: 20 933; als Durchschnittszahl der Bewohner hat man, wie auch bei den anderen Völkern dieses Gebietes, je 4 angenommen, was die Endzahl 83 732 ergibt. Auch diese Ziffer geht weit über die Schätzungen aller früheren Reisenden hinaus; sie aber aus diesem Grunde allein anzuzweifeln, wäre zum mindesten voreilig. Ich wiederhole es: man kann als Fremder viele Tage auf dem Makondeplateau marschieren, ohne mehr als den einen oder den anderen Weiler und ohne eine irgendwie bemerkenswerte Anzahl von Menschen zu sehen; die Leute wohnen eben zu sehr versteckt im dichten Busch, als daß der flüchtig Durchreisende auch nur annähernd den richtigen Begriff von der wahren Volksdichte bekäme. In dieser Hinsicht werden wir uns immer auf die Vor- und Mitarbeit der einheimischen, landeskundigen Beamtenschaft verlassen müssen. Daß diese die Bevölkerung überschätzen sollte, ist schon aus steuerpolitischen Gründen ausgeschlossen.
Im Gegensatz zu den Makonde, die in fast lückenloser Verbreitung den größten Teil des nach ihnen be
nannten Hochlandes einnehmen, indem sie nur an dessen Rändern mit Wangoni, Matambwe, Makua und Jao untermischt sind, wohnen die Makua sehr regellos über weite Teile des Südens zerstreut. Auf denselben Grundlagen wie sie soeben geschildert worden sind kommt die amtliche Schätzung für sie zu der Zahl 10 312. Diese an sich geringe Zahl hat auf deutschem Gebiet ihr Verbreitungszentrum in der Lukuledi- Niederung zwischen Njangao und Mtschekenje; darüber hinaus findet man dann einzelne kleine Makua- dörfer, doch auch einzelne Makuahütten oder Hüttengruppen überall in dem weiten Tiefland im Westen des Plateaus und auch auf dessen Westrande selbst.
Für die Unterschiede in Habitus und Hautfarbe gilt auch hier das früher für die Tiefebene Berichtete; die Stammeszugehörigkeit des einzelnen läßt sich nur sehr selten aus der Physiognomie und der Hautfarbe feststellen; höchstens kann man auch hier die Tendenz der Makua zu helleren, rötlich schimmernden Farbentönen hervorheben. Zwischen den Jao, den Makonde und den Matambwe habe ich hingegen kaum wesentliche Farbenunterschiede festzustellen vermocht; auch diese Bewohner des Hochlandes bewegten sich zwischen den Tönen 24 und 29 der v. Luschanschen Farbentafel. Nur in der allgemeinen Konstitution scheinen die Jao kräftiger und stämmiger zu sein; zwar gab es auch unter den Makonde manche sehnige und muskulöse Gestalt, aber solche Prachtfiguren wie sie unter den Elefantenjägern vonTschin- gulungulu und anderen Jaodörfern zu finden sind, waren doch verhältnismäßig selten. Ob die Lebenshaltung eine der Ursachen ist, oder ob man nach sonstigen Motiven zu suchen haben wird, entzieht sich meiner Beurteilung; leugnen läßt sich nicht, daß die Fleischzufuhr bei dem herrschenden Mangel an Großwild oben auf dem Plateau unzweifelhaft geringer sein muß als in den wildreichen Wäldern des Tieflandes. Stammestypen siehe auf den Tafeln 61, 62.
In die Zeit meines Plateauaufenthaltes fällt die Expedition zu den Wangoni im Bezirk von Ntschi- tschira; über ihre Ergebnisse soll weiter unten kurz berichtet werden. Von Ntschitschira bin ich dann für den Rest meiner Forschungsreise nach Mahuta zurückmarschiert, um in diesem zentral gelegenen Verwaltungssitz meine Makondestudien zu vollenden.
Über die Geschichte sowohl der Makua, wie der Makonde und der Matambwe habe ich nicht sehr viel und noch weniger Zuverlässiges in Erfahrung bringen können, trotzdem ich während meines ganzen Newala-Aufenthaltes die geistige Elite dieser Völkerschaften dauernd um mich versammelt
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