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Wissenschaftliche Ergebnisse meiner ethnographischen Forschungsreise in den Südosten Deutsch-Ostafrikas ; mit 63 Bildertafeln, 1 Karte und einer Beilabge in Faarbendruck / von Karl Weule
Entstehung
Seite
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Der geschiedenen Frau, und ebenso natürlich dem Mann, ist es unbenommen, sich alsbald wieder zu verheiraten.- Der Mann nimmt sich so viel Frauen, wie er ernähren zu können glaubt, bringt aber als kluger Mann jede Frau in einer besondern Hütte unter. Trotzdem muß er, wie man mir sagte, seine Gunst genau regulieren. Stirbt ein Makua-Großer, so erbt sein Nachfolger, genau wie bei den Jao, alle Frauen und Kinder seines Vorgängers. Erbprinz ist, w er als Erster den Namen des Häuptlings bekommen hat; meist ist es der Schwestersohn.

Geburt (Kimakua: ntara).

Merkt die junge Makuafrau, daß sie nicht mehr menstruiert, so geht sie zu ihrer Mutter. Diese sieht sich die Brust ihrer Tochter an, gibt dieser aber keinen Aufschluß, sondern beruhigt sie mit dem Hinweis auf das Vorübergehen des Zustandes. Genau wie bei den Jao geht nun die Mutter wieder zur ehemaligen Lehrerin der jungen Frau; diese wird nochmals untersucht und dann einstweilen in Ruhe gelassen.

Nach drei Monaten wird der Schwangern der Kopf rasiert. So bleibt sie einen Monat, bis das Haar wieder gewachsen ist. Dann muß ihr Mann allein oder mit einer Verwandten zusammen im Pori ein Stück Rindenstoff herstellen. An diesem Tage kommen alle Weiber des Ortes zusammen zu Triller und Tanz. Die junge Frau sitzt in ihrer Hütte unbe­teiligt dabei. Erst jetzt wird ihr die Art ihres Zu­standes auseinandergesetzt:Du darfst jetzt mit kei­nem andern Mann verkehren", heißt es;Du darfst nicht mit einem andern auf einer Matte sitzen; Du darfst kein Ziegenfleisch essen, denn sonst bekommt Dein Kind die Krätze; kein Buschbockfleich, sonst wird es dauernd brechen; kein Zebrafleisch, sonst wird es dauernd an Durchfall leiden; kein Affenfleisch, sonst wird es albern; keine Eier, sonst wird es haar­los werden;" und so fort.

Der von dem Mann im Busch gefertigte Rinden­stoff wird von den alten Frauen in folgender Weise ver­wandt: man nimmt einen kleinen Topf, macht ein entsprechendes Loch in den Rindenstoff und preßt den Topf hindurch.So wird Dein Kind geboren werden", sagen sie jetzt zur jungen Frau;das tut weh, sei vorsichtig und tapfer". Der Rindenstoff aber wird aufbewahrt bis zur Geburt; dann wird das Kind auf ihn gelegt. Später dient er einem prosaischeren Zwecke, nämlich als Windel. An die langen Reden schließt sich das übliche Festessen, Trillern und Tan­zen ohne Ende.

Naht der jungen Frau die Stunde der Geburt, und fühlt sie die ersten Wehen, so legt sie sich

zu Haus rücklings auf eine Matte, die Beine gespreizt. Unter dem Kreuz wird ein Tuch hindurchgezogen, dessen Enden von helfenden Frauen gehalten werden und das angezogen und angehoben wird, sobald sich bei der Kreissenden Wehen einstellen. Ist die Geburt erfolgt, so wird die Nabelschnur nicht mit einem modernen Eisenmesser, sondern mit einem scharfen Hirsehalmsplitter abgeschnitten. Wir haben also hier wiederum den nicht seltenen Fall, daß sich gerade bei Vorgängen solcher Art wie die Geburt einer ist, die altertümlichsten Werkzeuge weit über ihre allgemeine Gebrauchszeit hinaus zu sakralen Zwecken erhalten. Die Nabelschnur wird nicht zugebunden, sondern trocknet ab; sie wird unter dem in jeder Hütte befindlichen großen Wassertopf vergraben. Diese Art des Fortschaffens wird strikt beobachtet; würde man die Nabelschnur wegwerfen, so würde das Kind unfehlbar krank werden. Auch die Nachgeburt wird sorgfältig vergraben, und zwar im Aschenhaufen neben der Hütte.

Bei dem Geburtsakt kommt die Nachgeburt oft erst nach vielen Stunden. Hat der Mann sich während der Schwangerschaft mit einer andern Frau ab­gegeben, so kommt sie überhaupt nicht, sondern die Kreissende stirbt in den Wehen.

Die Wöchnerin bleibt drei bis vier Tage daheim; dann wird das Kind rasiert und bekommt die auch bei den andern Völkern üblichen Wurzelamulette um die Fußknöchel, die Handgelenke, den Hals und den Leib. Es wird jeden Tag gewaschen und mas­siert. Während der Geburt darf der junge Vater nicht zugegen sein. Im Geburtshause wird während der vier Tage nach der Geburt nicht gekocht; ge­schähe das, so würde das Kind nicht sehen können; auch würden ihm die Zähne verfaulen.

Couvade ist im ganzen Lande unbekannt.

Bei den M a ko n d e wird die Nabelschnur über­haupt nicht abgeschnitten, sondern sie reißt ab, wenn das Kind den mütterlichen Schoß verläßt. Dann wird eine Schnur um sie herumgebunden. Ich habe selbst­verständlich begründete Zweifel an der Wahrheit dieser Darstellung geäußert, aber meine Gewährs­männer haben sie mir zwei-, drei- und noch mehrmal wiederholt. Will die Nachgeburt nicht kommen, so hilft man mit Medizin nach, die von der Kreissenden getrunken wird. Diese Medizin ist nach unserm Ge­schmack wohl das Abstoßendste, was die Mensch­heit je erfunden hat; verfolgt man indessen den Ge­dankengang ihrer Erfinder, so wird man diesen eine gewisse logische Denkfähigkeit nicht absprechen können.

Um die Medizin zu gewinnen, gehen die weisen Frauen in den Wald, dorthin, wo sie sicher