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Das Handwerkszeug der Schmiede ist heute schon sehr europäisiert; vom alten Steinamboß war ebensowenig noch etwas zu sehen wie vom Steinhammer; beide waren durch eiserne Geräte ersetzt; auch die Zange hatte europäische Form (Taf. 20 Abb. la—d). Die Geschicklichkeit der Handwerker ist dabei außerordentlich groß, wie es fast jedes eiserne Gerät der Eingebornen beweist. Viele Messerklingen sind so elegant geschmiedet, daß mancher deutsche Dorfschmied sich wohl fragen würde, ob er die Arbeit ebenso gut würde ausführen können. Die Eisengeräte auf Taf. 17 (Abb. 3—9) führen einige einheimische Schmiedeerzeugnisse vor. Technisch und künstlerisch am höchsten stehen die beiden Messer. Dieses Gerät ist der Stolz jedes Eingebornen ; auf seine Ausstattung legt er demnach auch den höchsten Wert. Bei 6a ist das Heft mit Zinnintarsia ausgelegt; ganz wie die Nasenpflöcke und auch vom selben Fundi; nicht vom Schmied selbst. Also Arbeitsteilung ganz wie bei uns!
Weit urwüchsiger und damit auch interessanter war der Vorgang beim Gelbguß. Das Material ist natürlich europäischer Herkunft, aber alles übrige echt afrikanisch. So ziemlich der einzige Endzweck dieses Handwerks ist die Herstellung der massiven, dicken Messingringe, die von den wohlhabenderen Frauen über den Knöcheln und an den Unterarmen getragen werden. Einzelne dieser Frauen, wie Chem- brasiao und manche andere in Massassi, in Tschin- gulungulu, im Lukuledital und auf dem Makonde- plateau, trugen an den bezeichneten Körperstellen je einen ganzen Satz dieses in seiner Wuchtigkeit und mit seinem Glänze zwar barbarischen, in seinem Kontrast gegen die braune Haut aber durchaus nicht unschönen Schmuckstücks. (Siehe Taf. 21 Abb. 6, auch die Frauenporträts auf den Tafeln 2, 3, 4, 5 usw.). Zum Schmelzen bedient sich der Meister kleiner Tontiegel, die je die Masse gerade eines Ringes fassen. In ihnen bringt er das Messing über einem offenen, durch Blasebälge belebten Feuer zum Schmelzen (Taf. 20 Abb. 2). Als Gußform dient ihm entweder ein senkrecht in die
Erde geführtes, kreisrundes Loch oder ein senkrecht gestelltes, in seinem obern Knoten durchbohrtes Bambusrohr. In beiden Fällen bekommt er kreisrunde, walzenförmige Messingstangen von dem Durchmesser der betreffenden Höhlung. Um die Ringform herzustellen, hat er sie auf einem Amboß nur einfach krumm zu klopfen. Will er, wie das 1906 Mode war, halbrunde Ringe erzeugen, die dem Arm oder dem Bein der Trägerin mit der innern, flachen Seite besser anliegen als die ganz runden Ringe, so spaltet er, um die nötige Gußform zu bekommen, einen Bambus der Länge nach auf, befestigt die halbierte Stange mit dem Hohlraum nach oben mittels einiger Haken auf der Erde und gießt nun sein flüssiges Metall einfach in den Hohlraum zwischen zwei Inter- nodien. Auch jetzt braucht er die Stange bloß noch krumm zu klopfen, um die Ringform zu erzeugen. Das endgültige Zusammenlegen der beiden Ringenden muß naturgemäß am Körper der Trägerin selbst erfolgen; nach meinen Erkundigungen soll es kalt geschehen.
Eine weitere Technik hatte ich in Tschin- gulungulu Gelegenheit zu beobachten. Ein Mann häufte über ein Häufchen Schneckenhäuser, die er im Pori gesammelt hatte, und über Muschelschalen, die von der Küste stammten, trockenes Holz, entzündete dieses und unterhielt dann durch unausgesetztes, rasches Fächeln mit einem alten, großen, flachen Korbe, der ihm in diesem Falle den gewohnten Feuerfächer ersetzte, ein sehr lebhaftes Feuer. Als nach kurzer Zeit die Schalen rotglühend waren, holte der Mann sie mittels einer improvisierten, aus einem einfach zangenförmig zusammengebogenen Holzstabe rasch hergestellten Klemmvorrichtung aus der Glut heraus und warf sie in kaltes Wasser. Aus diesem wanderten sie, nachdem sie ausgekühlt und in Stücke zerschlagen waren, in eine Bambusbüchse von der Art, wie sie im ganzen Süden von Deutsch-Ostafrika gern als Tabakbehälter benutzt werden. Der Kalk bildet eine Zutat zum Tabak; er löscht sich in seinem Behälter von selbst, zerfällt zu einem feinen Pulver und wird in Verbindung mit dem Tabak gekaut.
Politische, rechtliche i
Wohl auf keinem Gebiet macht sich die Berührung der Binnenvölker mit der Küste und der europäischen Kultur so stark und tiefgreifend geltend wie in bezug auf das innere politische und gesellschaftliche Gefüge der einzelnen Stämme und ihrer Untergruppen; durch die politische Aufteilung des gesamten Erdteils sind ferner natürlich auch die Rechtsverhältnisse in bestimmtester Weise beeinflußt
soziale Verhältnisse.
worden. Aus alledem ergibt sich, daß die Forschung hier mehr auf die Verhältnisse der Vergangenheit als die der Gegenwart gerichtet sein mußte; ihr Gang ist erklärlicherweise dadurch nicht gerade erleichtert worden.
Unter dem Druck der durch die Einwanderung der Wangoni in das Gebiet nördlich vom oberen Rowuma geschaffenen Verhältnisse sind besonders die