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Wissenschaftliche Ergebnisse meiner ethnographischen Forschungsreise in den Südosten Deutsch-Ostafrikas ; mit 63 Bildertafeln, 1 Karte und einer Beilabge in Faarbendruck / von Karl Weule
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umgelegten Amulette bestimmte, ihre Zahl und den Anbringungsort vorschreibende Regeln. Es müssen acht verschiedene Wurzeln sein, die paarweise zu vier Amuletten vereinigt werden. Zwei davon kommen an einer Schnur vorn auf den Leib, zwei auf den Rücken, zwei an den Hals, zwei auf den Nacken. Nach demselben Gewährsmann geht die Mutter mit dem Neugebornen am dritten Tage zum erstenmal an die Luft; es gilt, das Kind dem Volke zu zeigen, das es natürlich gebührend lobt.

Über die Behandlung totgeborner Kinder bei den Jao konnte ich nichts Belangreiches erfahren; wie überall im Gebiet sind Stücke von ihnen ein sehr gesuchtes Zaubermittel; vor allem nützen sie auf der Elefantenjagd. Der Gedankengang ist der: Das Kind hat niemand erzürnt, da es ja tot geboren ist; folg­lich wird auch der verfolgte Elefant nicht zornig werden.

Stirbt die Frau bei der Geburt, das Kind aber bleibt am Leben, so legt man es nicht, wie es anders­wo geschieht, mit der Mutter ins Grab, sondern über­gibt es einer andern Frau zum Stillen.

Mißgeburten werden erdrosselt oder durch Zu­decken erstickt. Damit nicht im Einklang fand ich indessen gerade bei Matola verhältnismäßig zahlreiche Individuen mit Klumpfüßen oder sonstigen Ge­brechen. Ob diese angeboren oder aber erst später durch Sandflöhe u. dgl. erworben waren, konnte ich nicht feststellen.

Begräbnis.

Die Gebräuche beim Begräbnis habe ich nur in einem einzelnen Falle mit eigenen Augen studieren können; doch stimmen die mir gemachten, vielfachen Aussagen mit meinen eigenen Beobachtungen so gut überein, daß man alles zusammen als zuverlässig be­trachten kann. Stirbt ein Großer, ein Häuptling oder einer seiner Verwandten, so müssen sich alle über­lebenden Verwandten des Verblichenen mit Öl ein­schmieren und den Kopf rasieren, Männer, Frauen und Kinder. Ein Mann, der morgens gestorben ist, wird noch abends begraben. Dabei sind viele Leute zugegen; es werden Ziegen geschlachtet und viele sonstige Speisen zubereitet; und alles wird verzehrt. Die Verwandten heulen; als Trauerzeichen binden sie sich eine Schnur mit weißen Perlen um den Hals, im Gegensatz zu den Makua, wo dasselbe Halsband aus Palmblattstreifen geflochten ist. Es heißt Lasa.

Das Grab hat die Form eines Rechtecks wie bei uns; es ist Übermannstief und Übermannslang. Unten setzt es sich in einer schmäleren Vertiefung fort, die in der Mitte des Bodens für den mensch­lichen Leichnam noch besonders ausgehoben wird. Die Leiche selbst behält, das Zeug, in dem der Ver­

blichene gestorben ist, auch im Grabe an, doch wird sie heute außerdem auch noch in weißen, ungebrauch­ten Kattun, die Sanda der Küstenleute, eingenäht. Als Unterlage bekommt die Leiche in die Vertiefung eine Matte; auf diese wird sie selbst gelegt; über sie aber werden dann so viele Matten und Kattunstoffe ge­häuft, wie es der Besitzstand der Familie zuläßt. Das Einlegen in die untere Vertiefung wird besorgt durch einen Mann zu Häupten und einen zu Füßen. Über den eigentlichen Leichenraum werden nach er­folgtem Hineinlegen Querstäbe gelegt, die man dick mit Gras überdeckt; den Abschluß bildet eine derbe Matte aus Bambusgeflecht. Haben die beiden Männer das Grab verlassen, so wird sein Hohlraum ausgefüllt, die überschüssige Erde aber zu einem flachen Grabhügel aufgewölbt. Über das Ganze stellt man ein Schutzdach aus Pfählen, Baumstämmen und Gras (Taf. 63 Abb. 1); an diesem Schutzdach befestigt man Zeugstoffe, die dem Verstorbenen gehört haben, und setzt schließlich neben den Grabhügel ein großes Tongefäß. In früheren Zeiten wurde hierin dem Toten Pombe geopfert; heute haben sich die Sitten etwas verschlechtert; man darf es nicht mehr wagen Pombe zu opfern, sondern ist sogar genötigt, den Boden des Gefäßes zu durchlöchern, damit dieses nicht selbst auch noch entwendet wird. Die bei den Makonde und Makua üblichen, stattlichen Bäume zu Fläupten des Toten sind mir bei Jaogräbern nicht aufgefallen. Es ist möglich, daß ich sie übersehen habe; viel­leicht aber gibt es die Einrichtung nicht bei diesem Volke.

An natürliche Ursachen des Todes wird auch heute im allgemeinen noch nicht geglaubt, es wird vielmehr stets Verzauberung oder Einwirkung anderer, besonders der Frauen, angenommen. Wie bei allen Bantuvölkern, so kann auch hier der Me­dizinmann durch seine Mittel ersehen, wer schuld an dem Tode ist. Als Medizin selbst dient für diesen Fall das Chissangu, mit dem wir uns noch später zu beschäftigen haben werden. Um ganz sicher zu gehen, ziehen die Verwandten des Verstorbenen mög­lichst mehrere Medizinfundi zu Rate. Einigen sich alle diese Doktoren auf einen Verdächtigen, so wird zunächst das Mavi-Ordal versucht. Dieses Mavi ist die Wurzel eines Baumes, die auf einem Stein zerrieben und einem Huhn oder einem Hunde eingegeben wird. Alle Anwesenden klopfen nun auf Bretter oder neuer­dings auf Blech und rufen:Hast Du unsern Ver­wandten getötet, so soll das Huhn (bzw. der Hund) sterben zum Zeichen des Beweises; bricht das Tier aber das Mavi aus, so bist Du unschuldig und bleibst leben." Stirbt nun das Huhn, so sagt man zu dem Schuldigen: ,,Du hast den X getötet; gib Deine Zaubermedizin her." Der oder die Schuldige leugnet