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so ruft er die Verwandten seiner Frau und seine eigenen zusammen und stellt die Frau in das richtige Licht. „Wer'sie heiraten will", spricht er, „möge es tun; ich gehe weg und suche mir ein anderes Weib." Dann wird das noch vorhandene Essen redlich unter Mann und Frau aufgeteilt; der Mann geht zu seinen Angehörigen, die Frau zu den ihrigen. Etwa vorhandene Kinder verbleiben unter allen Umständen der Mutter. Kinderlosigkeit führt in der Regel zur Verstoßung des Mannes; die betreffenden Frauen sollen skrupellos einen nach dem anderen wählen, indem sie sich selbst stets für fruchtbar halten. Eine bestimmte Wartezeit nach erfolgter Trennung der Ehe ist nach meinen Erkundigungen nicht nötig; auch Witwen können sich recht bald wieder verheiraten.
Geburt und Tod.
Bei der Geburt liegt die Kreissende in Rückenlage auf einer Matte, die innerhalb der Hütte auf dem Boden ausgebreitet ist. Die älteren Kinder und der Hausherr werden unter allen Umständen entfernt; anwesend sind hingegen eine Anzahl älterer Frauen des Dorfes, darunter stets eine nahe Verwandte des Mannes. Nach den mir gewordenen Mitteilungen ist diese eine Art Protokollantin über die Aussagen der Kreissenden in bezug auf etwa gepflogenen anderweitigen Verkehr. In der Tat besteht die Haupttätigkeit der Wehmütter darin, die in den Wehen liegende Frau einem sehr strengen Examen zu unterziehen. „Wieviel Männer hast Du gehabt, drei oder vier oder noch mehr? Dein Kind wird nicht eher kommen, als bis Du den rechten Vater genannt hast; auch stirbst Du, wenn Du nicht sagst, wieviel Männer Du gehabt hast." Das sind Redewendungen von der Art, wie sie auf die junge Frau von allen Seiten herniederregnen. Mechanische Hilfe läßt man ihr nicht angedeihen; die Kreissende wälzt sich unter dem physischen und moralischen Ansturm in den Wehen, heult und schreit. Schließlich geht auch das vorüber.
Die Nabelschnur wird von einer alten Frau abgeschnitten. Von altertümlichen Instrumenten, wie wir sie bei den Makua kennen lernen werden, ist mir von den Jao nichts berichtet worden. Meist mag der Schnitt wohl ungeschickt gemacht werden, denn der Nabelbruch, der ja so vielerorts zum afrikanischen Schönheitsideal geworden ist, kommt auch hier sehr häufig vor. Nachgeburt und Nabelschnur werden vergraben, möglichst ohne daß es jemand sieht. Beide sind sehr gesuchte Elefantenmedizinen, so daß die Männer sich mit allen Mitteln in ihren Besitz zu setzen suchen. Auch zu sonstigen Zaubermitteln bilden sie die wirksamsten Bestandteile.
Das Neugeborne wird gewaschen und darauf in
ein Tuch oder ein Stück Rindenstoff gewickelt. Dabei salbt man seine Ohren 'mit Öl, damit es hören soll. Die Brust bekom'mt es sofort nach dem Waschen. Die Zunge wird ihm mittels eines Rasiermessers gelöst.
Die Wöchnerin behält zunächst ihr Lager bei, geht aber in kein eigentliches Wochenbett, sondern steht bereits nach ein bis zwei Tagen, ja manchmal noch am selben Tage wieder auf.
Mädchen werden gern gesehen, weniger aus direkt materiellen, mammonistischen Gesichtspunkten heraus, als weil sie schon in ihren jungen Jahren der Mutter eine willkommene Hilfe im Haushalt sind, während nach ihrer Verheiratung ja ihr Ehemann der Schwiegermutter alle schwere Arbeit abnehmen wird.
Auch Zwillinge werden freudig begrüßt. Sie werden stets ganz gleich gekleidet. Als Grund gibt man an, daß eins der Kinder sterben würde, wenn es anders gekleidet sei als das andere.
Kindsmord soll vorkommen. Die Gründe sind dieselben wie auf den Fidji-Inseln: um wieder lieben zu können. Meist behelfen sich die Mädchen und Frauen jedoch mit der Abtreibung der Leibesfrucht. Mittel dazu sind zumeist Pflanzensäfte; doch auch mechanische Eingriffe werden nicht verschmäht. Das Hauptmedikament ist die Wurzel einer kleinen Pflanze mit kleinen Blättern und roten Blüten. Ein zwiegeteiltes Rhizom darf man nicht nehmen, sondern nur eins von der Form und der Größe des kleinen Fingers. Um dieses wickelt man die Rinde einer bestimmten Baumart und legt beides zusammen von morgens bis abends in Wasser. Am Abend trinkt man das Wasser, worauf eine halbe Stunde später der Abortus erfolgt, angeblich ohne Schmerzen und auch ohne schädliche Folgen. Nach einer andern, wohl zuverlässigeren Auskunft wirkt das Mittel erst nach sechs Stunden; auch soll es bei mehrfacher Wiederholung lebensgefährlich sein. Die Abtreibung gilt durchaus nicht als verwerflich. Leider habe ich trotz aller Bemühungen keins der Mittel bekommen können. Über die vom Aberglauben diktierten Vorbeugungsmaßregeln gegen unerwünschte Schwangerschaft s. S. 34.
Besondere Feste veranstaltet der junge Vater trotz seiner großen Freude nicht; ganz wie bei uns sind übrigens die Großmütter fast noch mehr über das Neugeborne erfreut als die Eltern.
Die Stillung der Kinder dauert, wie bei allen Negervölkern, außerordentlich lange; in der Regel bis zur nächsten Schwangerschaft. Oft sah ich wahre Riesen von Schlingeln noch an den mütterlichen Born zurückkehren.
Nach einer mir später gemachten, allem Anschein nach genauem Angabe bestehen über die auf S. 33 erwähnten, dem Kinde unmittelbar nach der Geburt