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ihnen beteuerte, es sei wirkliches, gutes Geld, dann nahmen sie auch diese Münzen. Konservativ ist der Neger genau wie wir selbst; wie auch wir in bestimmten Zusammenhängen noch immer gern mit dem guten, alten Taler rechnen, von Mietstalern sprechen usw., so hatte sich auch der Eingeborne noch gar nicht an den Heller gewöhnt. Wunderlich genug nimmt sich in seiner afrikanischen Umgebung zum mindesten dieser Name aus; es kehrte sich im Grunde genommen auch kein Mensch an ihn, sondern jede Preisforderung wurde, sobald sie nicht in Sumnis, halben oder ganzen Rupien erfolgte, durchweg in Pesa gestellt; ich hatte dann stets das Vergnügen, die Forderung in Heller umrechnen zu müssen. Für Eier wird sich, soweit ich die Sachlage übersehen kann, dieser Gebrauch auch noch lange erhalten.
Über die Wertmesser einer frühern Zeit mit reiner Naturalwirtschaft war es nicht leicht Aufschluß zu erlangen; das Wenige, was ich erfahren habe, ist das Folgende. Die Rolle der großen Münze hat der Sklave oder die Sklavin gespielt; ihm gleichgestellt
an Wert war ein Stück Stoff von bestimmter Länge oder 4 Hackenblätter (lijera). Wollte man seinen Wert mittels Getreide (z.!B. Hirse) erreichen, so mußte man ein normales Vorratshaus von etwa 8 Makalalä (das likalala ist eine große Korbschale, die oben rund, unten quadratisch ist) Inhalt zahlen. Dem Sklaven gleichgesetzt an Wert war außerdem das Steinschloßgewehr. Salz ist heute verhältnismäßig billig, früher ist es teurer gewesen; legte man zu einem chisapo, dem langen, bordeauxroten Rindenstoff schlauch voll Salz, noch eine Hacke, so bekam man für beides schon einen Sklaven. Dieses Salz war entweder Küstensalz von Küwa Kiwindje, oder aber es wurde, wie das ja noch heute in ziemlich großem Maßstabe bei Massassi geschieht, aus Pflanzenasche und Erde ausgelaugt. Elfenbein ist seit langer Zeit zur Küste gebracht worden; man tauschte dafür Zeug ein, für das man im Innern Sklaven erhandelte. Dieser lukrative Handel erklärt die ungeheuer große Zahl der Sklaven, die im vorigen Jahrhundert küstenwärts transportiert worden sind. Für Zeug im Werte von 8 bis 10 Rupien bekam man einen Sklaven.
Technik.
Ob es bei den Naturvölkern der Gegenwart überhaupt noch das gibt, Was der Leipziger Nationalökonom Bücher geschlossene Hauswirtschaft nennt, ist fraglich; bei den Völkerschaften im Südosten von Deutsch-Ostafrika ist sie sicherlich nirgends mehr vorhanden; oder doch höchstens nur mit einer starken Einschränkung. Die Insassen eines Hauswesens sind vielleicht noch fähig und imstande, alle .ihre Bedürfnisse zu befriedigen, sie ziehen es aber vor, gewisse Gebrauchsgegenstände von anderen käuflich zu beziehen, weil diese Gebrauchsgegenstände praktischer, besser und vielleicht auch schöner sind als die von ihnen selbst hergestellten. Das gilt sogar auch von der Töpferei, die bei den Naturvölkern von allen Techniken sonst am längsten ein Gemeingut jeder Wirtschaft ist. Auch heute noch sind sicherlich die meisten, vielleicht sogar alle Frauen des Rowuma- gebietes imstande, ihren eigenen Bedarf an keramischen Produkten selbst herzustellen; sie tun es aber nicht, sondern verlassen sich zumeist auf den Handelsverkehr, der ihnen mit anderen Gütern auch die Tongefäße besonders bevorzugter Industriezentren, wenn man so sagen darf, ins Haus bringt. Ich konnte sicher sein, in der Traglast eines großen Teils der mir begegnenden Wanderer stets einen oder mehrere Töpfe bestimmter Art zu finden.
Meist rührten sie aus der Gegend von Njangao her, wo Graphit ansteht, der von den spekulativen Eingesessenen zum Polieren ihrer Tongefäße benutzt wird. Diese bekommen dadurch ein glänzend schwarzes, elegantes Äußere und gehen deswegen weit ins Land. Doch auch aus anderen Ortschaften des Gebietes fand nach Aussage meiner Gewährsleute eine Ausfuhr selbst bis auf große Entfernungen statt.
Wieweit innerhalb des Hauses oder aber des Stammes die Arbeitsteilung geht, ist auf Grund eines so kurzen Aufenthaltes, wie er mir in jenem Gebiet beschieden war, nur schwer zu bestimmen. Vorhanden ist sie ganz allgemein in der Richtung, daß den weiblichen Familienmitgliedern die Sorge für die Küche und den Haushalt obliegt; eine männliche Person habe ich bei der Mehlbereitung nur in einem einzigen Fall gesehen, und auch hier schien mir das Einspringen dieses Mannes auch nicht einmal ein ganz freiwilliges, sondern durch meine Anwesenheit verursachtes zu sein. Dafür liegt dem Manne ganz allgemein die Feldarbeit und der Rohbau des Hauses ob, d. h. die Herstellung des Gerüstes und des Daches, sowie das Ausfüllen der Wände mit Termiten- erdstücken. Seltsamerweise soll das Glattstreichen dieser Wände mit Ton oder Lehm wieder ausschließlich Frauenarbeit sein. Im Tiefland sah man an den