Druckschrift 
Wissenschaftliche Ergebnisse meiner ethnographischen Forschungsreise in den Südosten Deutsch-Ostafrikas ; mit 63 Bildertafeln, 1 Karte und einer Beilabge in Faarbendruck / von Karl Weule
Entstehung
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habe, breitet der Verfertiger das vom Stamm abgelöste Borkenstück auf einem glatten, möglichst astlosen Baumstamm aus. Dort weicht er die Rinde mit Wasser ein und fängt erst dann an zu hämmern.« Das Klopfinstrument ist ein äußerst praktischer Hammer, dessen Heft in seiner Form einigermaßen an das australische Raren erinnert, während der Schlagteil selbst ziemlich genau dieselbe konische Form hat wie die Rindenzeugschlägel in den Ländern am Ost­ufer des Tanganjika. Das Heft ist weiter nichts als ein der Länge nach halbierter Holz- oder Bambus­stab, zwischen dessen zwei Hälften der Hammer in höchst einfacher Weise eingeschnürt wird (Taf. 19 Abb. 1). Dergestalt ist der Hammer bei seinem kreis­förmigen Querschnitt vollkommen um sich selbst drehbar, was bei der Natur seiner Schlagfläche als durchaus wünschenswert erscheint. Diese Schlag­fläche ist, wie in allen Rindenstoffgebieten, gerieft, um dem Stoff eine bestimmte Struktur zu verleihen. Eine andere Hammerart ist einfacher; bei ihr steckt der Schlagteil mittels eines Loches auf einem normalen Hammerstiel (Taf. 19 Abb. 2). Beim Hämmern wird die Rinde von vornherein gleich mindestens doppelt gelegt, um ein Zerschlagen des zarten Materials möglichst zu vermeiden. Trotzdem kommt es noch häufiger als wünschenswert vor; selbst ein dreifaches Zusammenlegen verhütete in den von mir beobachteten Fällen das Entstehen von Fehlstellen nicht. Der Rindenstoff wird während des ganzen Verfahrens fortdauernd sehr naß gehalten; er wird auch wieder und wieder umgelegt, damit jede Stelle möglichst von beiden Seiten mit dem Hammer in Berührung' kommt. Zum Schluß faltet man ihn dann quer; es tritt ein zweiter Mann als Gehilfe hinzu. Jeder von ihnen faßt das Rinden- stoffstück an je ein Ende; beide wringen es, wie man ein Stück Wäsche auswringt, ziehen es dann lang aus und breiten es nach der anderen Dimension soweit es geht auseinander. Darauf wird der nunmehr fertige Stoff in die Sonne gelegt und getrocknet.

Bei den Makua von Newala habe ich 'den Prozeß wiederholt von seinen allerersten Anfängen an ver­folgen können (Taf. 18 Abb. laf). Im Kijao heißt der Rindenstoff liondo; bei den Makua heißt der bevor­zugte Baum nakoto. Das Verfahren beginnt mit dem Umringein des Baumes an zwei Stellen, die die Länge des gewünschten Stoffes bedeuten; mit dem Messer wird einmal unten, sodann weiter oben ein horizon­taler Schnitt rings um den Baum gemacht. Sodann hebt der Künstler die harte, äußere Borke des Baumes vorsichtig mit dem Messer ab, öffnet mit einem langen, senkrechten Schnitt den Zylinder auf dem Stamm selbst, klopft ebenso vorsichtig, wie er vorher das Ablösen der Borke vollführt hat, den ganzen Zylinder

mit dem Rücken seines Beiles ab, um ihn auf seiner Unterlage zu lockern und abziehbar zu machen, und fängt nun an, die Rinde durch sachtes, nach­haltiges Ziehen vom Baum abzulösen. Nach Voll­endung dieses, große Vorsicht erheischenden Werkes beginnt auf dem Knie des kauernden Mannes das eigentliche Präparieren des Rohstoffs mit dem Messer; ohne Ermüdung sitzt der Mann und putzt und be­freit sowohl Innen- wie Außenseite von überflüssigen Bestandteilen. Ist der gewünschte Endzustand er­reicht, so schneidet er die Enden des langen, schmalen Rohstoffes glatt und kann nunmehr zum Hämmern selbst übergehen. Dieses Schlagen der Rinde erfolgt in genau derselben Weise wie bei den Jao, aber, im Gegensatz zu jenen, ohne den Stoff naß zu machen. Dieser Trockenbehandlung verdankt das fertige Material zweifellos seine leuchtend bordeaux­rote Farbe, während der naß geschlagene Jaostoff ein stumpfes Fahlgelb aufweist. Ein Beweis für die immer noch bestehende Gebrauchsfähigkeit der unteren Extremitäten bei diesen Völkern war die Ge­schicklichkeit, mit der die Klopfer den Stoff am Schluß des Verfahrens zwischen ihre Zehen klemmten, um das Material allein und ohne. Hinzutreten eines Zweiten durch Wringen und Zerren geschmeidig zu machen.

Andere Techniken.

Bei der Bearbeitung von Tierfellen zu Schurzen, Taschen, Gürteln und sonstigen Gebrauchsgegen­ständen muß man unterscheiden, ob die Felle ihre Haare behalten oder zu einer Art Leder zugerichtet werden sollen. Leder in unserem Sinn, also che­misch behandelte, enthaarte Felle sind hier ebenso unbekannt wie im ganzen übrigen äquatorialen Afrika; die Kunst seiner Herstellung ist vielmehr bloß auf den Nordrand und den westlichen Sudan beschränkt. Will der Jao ein Fell unter Erhaltung des Haar-' pelzes präparieren, so spannt er den Balg mit der Haarseite nach unten mittels Pflöcke auf der Erde aus. Mit seinem Universalinstrument, dem Messer, kratzt er dann die dem Fell anhaftenden Fetzen von Fleisch und Bindegewebe ab und reibt es intensiv mit Fett ein. Ist das Fell sehr dick, so wird es zuvor zusammengerollt und systematisch durchgeklopft. Das Einreiben mit Fett erfolgt je nach der Notwendig­keit mehrfach. Den Schluß macht ein kräftiges Durch­kneten, Walken und Wringen mit den Händen. Das ist das ganze Verfahren.

Das andere Verfahren ist etwas komplizierter. Zunächst gräbt der schwarze Gerber ein Loch in die Erde; in dieses legt er das noch behaarte Fell entweder zwischen eine bestimmte Art von Blättern, j oder aber er bedeckt es dick mit Asche. Dann deckt

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