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Gürtel fehlen (Taf. 25 Abb. 18 bis 20). Der eigentliche Behälter ist bei diesen Gegenständen entweder ein durch einen natürlichen Knoten unten geschlossenes Stück Bambus, oder aber ein aus dem Vollen gearbeiteter Holzzylinder, oder ein Stück Tierhorn und dergl. Dieser Teil ist fast immer ganz kunstlos; nicht aber der Deckel. Bei dessen Ausgestaltung lassen die Verfertiger nicht nur ihrer Phantasie alle Zügel schießen, sondern sie entwickeln auch sehr viel Geschmack. Über die Bedeutung der reichen Ornamentik dieser Büchsendeckel war nicht viel zu erfahren; in den meisten Fällen wurde eine bestimmte Bedeutung überhaupt geleugnet, in anderen sollten die verschiedenen Figuren der Deckeloberfläche die Stammesmerkmale der betreffenden Völkerschaft wiedergeben. Es wird gut sein, sich allen derartigen Angaben gegenüber sehr vorsichtig zu verhalten. Eine Musterauswahl solcher Deckelornamente siehe Taf. 25 Abb. 3 bis 16.
Neben den Pulverbüchsen spielen im Kulturbesitz der erwachsenen Männer die „Mtete" (Plural Mitete) genannte Art von Medizin- und Schnupftabakbehältern eine bedeutende Rolle (Taf. 24 Abb. 1 bis 14, Taf. 23 Abb. 1 bis 5). Nach allen Aussagen sind sie kein Erzeugnis Deutsch-Ostafrikas, sondern Arbeiten der Mawia auf dem benachbarten portugiesischen Gebiete jenseit des Rowuma. Diese Mitete verkörpern nun zweifellos den höchsten Grad ostafrikanischer Kleinkunst überhaupt. Auch bei ihnen ist der eigentliche Behälter stets ganz schmucklos; entweder ist er ein Stückchen Bambus- oder Holzrohr, oder aber gar eine europäische Patronenhülse. Doch wie sticht der Oberteil des Gefäßes davon ab! Man kann hier zwei Klassen von Bildwerken unterscheiden: die Darstellung des Menschen und die der einheimischen Tierwelt. In jener Klasse werden stets die Mawia selbst dargestellt mit ihrem Übermaß von Gesichtsziernarben; mit ihrem wilden Ohrschmuck und mit ihrer Frisur, die in Gestalt eines dicken Zopfes in kühnem Bogen entweder nach hinten in den Nacken oder seitwärts nach der Schulter strebt (Taf. 23 Abb. 2 und 3, Taf. 24 Abb. 3 und 10). Aus den Tierdarstellungen hinwiederum könnte ein Zoolog einen großen Teil der Fauna dieses Gebietes herauslesen ; in der Tat ist von den größeren Vierfüßlern und Vögeln kaum einer ausgelassen. Doch weit häufiger als alle anderen zusammengenommen gelangt der Kopf eines Tieres zur Darstellung, der allerdings zur Nachbildung ebenso stark anreizen muß wie der Körper der Frau oder der Kopf der Mawiamänner. Es ist das Litotwe, ein etwa kaninchengroßes Tier mit einem unendlich langen Rüssel, der seinem Träger ein höchst drolliges Aussehen verleiht (Taf. 35 Abb. 5). Von allen Tieren wird sein Kopf stets noch am natura
listischsten wiedergegeben, wohingegen die anderen, die Affen, Vögel, Löwen, Leoparden, die verschiedenen Antilopenarten usw. meist mehr oder minder stilisiert zur Darstellung gebracht worden sind (Taf. 23 Abb. 4, 5; Taf. 24 Abb. 1, 2, 4, 5, 7, 9, 11, 12, 14).
Daß die Kunst der Herstellung solcher Gegenstände naturgemäß nicht mehr der Gemeinbesitz aller ist, leuchtet ohne weiteres ein; in Wirklichkeit sind wohl nur wenige berufen, auch hier das Höchste zu leisten.
Weberei.
Von dieser Technik besteht, wie ich bereits erwähnt habe, heute nichts mehr als der spärliche Rest der Kunst des Fadenspulens, und auch diese Technik habe ich nur bei zwei alten Männern studieren können. Der eine war ein zittriger Greis im Dorf Mkululu, der andere der alte Medulla in Mtschauru. Der Hergang war bej beiden übereinstimmend folgender: 1. Entkernen der rohen Baumwolle. 2. Schlagen derselben mit einem spitzen Stock, um sie zu lockern. Dabei entsteht eine Art großer, lockerer, zarter, weißer Platte. 3. Langsames und bedächtiges Auszupfen der Baumwolle zum rohen Faden. 4. Verbindung dieses rohen Fadens mit dem Spindelfaden und Drehen der Spindel in der Rechten. Die linke Hand wird bei dieser Manipulation in weitem Abstand gehalten. (Taf. 8 Abb. 3). 5. Wirbeln der Spindel auf dem rechten Oberschenkel, um dem Faden den nötigen Drall zu verleihen. 6. Aufwickeln des fertigen Fadens auf die Spindel selbst. Dann beginnt das Verfahren mit frischer Baumwolle von neuem. Die Spindel (Taf. 21 Abb. 3) weicht in der Form nicht von der Normalspindel der Menschheit ab; den Wirbel bildet der Abschnitt eines entkörnten Maiskolbens.
Rinden stoff.
Die Herstellung von Rindenstoffen erfolgt noch immer häufig, da er zwar nur noch unter bestimmten Umständen als Kleidung, ganz allgemein aber als Packmaterial Verwendung findet. Wohl infolge dieser Beschränkung wird auf die Eleganz des Erzeugnisses nicht das Gewicht gelegt wie z. B. in Uganda und Ussoga, sondern mehr auf Derbheit und Dauerhaftigkeit gesehen; anderseits mag auch das zur Verfügung stehende Rohmaterial sich nicht so gut zur Herstellung der Stoffe eignen wie das am Victoria Njansa benutzte. Zur Herstellung der Stoffe scheinen mehrere Baumrindenarten geeignet zu sein, doch wird bei den Jao mit Vorliebe dieselbe Mchengarinde benutzt, die auch zur Herstellung der Schnüre und Stricke dient. Bei dem Verfahren, wie ich es bei den Jao mehrfach beobachtet