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Wissenschaftliche Ergebnisse meiner ethnographischen Forschungsreise in den Südosten Deutsch-Ostafrikas ; mit 63 Bildertafeln, 1 Karte und einer Beilabge in Faarbendruck / von Karl Weule
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Hunderten durchs Land getragen werden. In dem Flechtprozeß, auf den ich hier nicht näher eingehen will, interessiert am meisten der Umstand, daß jede Matte aus zahlreichen Einzelstreifen besteht, die nach ihrer Vollendung miteinander vereinigt, zusammen­genäht werden. Das Mittel dazu ist eine simple Holz­nadel mit durchgestecktem Pflanzenfaden, die vom Flechter sehr geschickt und ohne die Streifenränder zu beschädigen durch deren beiderseitige Randmaschen gezogen wird (Taf. 17 Abb. 10). Die Arbeit wird ganz allgemein so sauber ausgeführt, daß es selbst dem Kenner schwer fällt, die Anwesenheit des Durch­zugsfadens nachzuweisen.

Holzschnitzerei.

Da der Neger das künstliche Zusammenfügen verschiedener Holzteile zu einem Ganzen nicht kennt, ist er für alle seine aus Holz bestehenden Gebrauchs­gegenstände auf die Herausgestaltung der ge­wünschten Formen mittels des Schnitzmessers an­gewiesen. Die Schnitzkunst ist denn auch geradezu ein Wahrzeichen der afrikanischen Kultur; den Be­weis dafür erbringt jeder Blick in ein ethnographisches Museum. Im Gegensatz zu vielen Teilen West- und Zentralafrikas, wo, wie z. B. im Kongobecken, in Teilen Kameruns und in Benin, diese Schnitzkunst wahre Triumphe der Phantastik feiert, ist sie im Osten des Erdteils außerordentlich einfach und nüchtern. Der Ostafrikaner sieht mehr auf Zweckmäßigkeit als auf künstlerische oder phantastische Form. Dennoch ist es erstaunlich, wie der Neger auch diese einfachen Schnitzwerke mit Hilfe seines einzigen Instrumentes, seines Messers, zustande zu bringen weiß. Dieses Messer ist weder sehr zierlich, noch sehr handlich; dennoch dient es seinem Besitzer zu aller und jeder Betätigung, sei es im Hause, sei es auf dem Marsch oder in der Pflanzung. (Taf. 17 Abb. 7.)

Eine besondere Stellung unter den mannigfachen Schnitzwerken der hiesigen Gegend nehmen die Skulpturen ein, die den Menschen oder bestimmte Tiere darstellen, und die durch ihre Ausführung den Anspruch auf den Rang eines Kunstwerkes erheben. In ganz Ostafrika tritt die künstlerische Nachbildung der ganzen menschlichen Figur oder aber die Wieder­gabe des menschlichen Gesichts in Gestalt der Maske nur ganz vereinzelt auf, ja, auf deutschem Gebiet ist die Maske ursprünglich sogar lediglich auf die Ma- konde und Matambwe beschränkt. Um so freudiger überrascht war ich daher, daß die bildende Kunst, wenn auch nicht bei den Jao, so doch bei ihren Nach­barn im allgemeinen in hoher Blüte stand. Bezeich­nenderweise war in den Skulpturen stets nur die Frau wiedergegeben, niemals der Mann (Taf. 22 Abb. 1 bis 3). Das ist ein Vorkommnis, das auch bei anderen

Mitteilungen a. d. D. Schutzgebieten, Ergänzungsheft 1.

Naturvölkern beobachtet wird; hier am Rowuma ist es zunächst erklärlich durch den bloßen Hinweis auf das höchst abenteuerliche Äußere der Frau, die mit ihrer riesigen Lippenscheibe und den gewaltigen Ohr­pflöcken förmlich zur künstlerischen Wiedergabe reizt. Auch die Ziernarbenbedeckung der Brust, des Bauches, der Arme, des Rückens, des Gesäßes und der Oberschenkel mag nicht wenig zu dieser Be­vorzugung des weiblichen Geschlechts beitragen; mir wurde von den Künstlern, wenn ich sie nach dem Zweck der Figuren fragte, für jede von ihnen ange­geben, sie hätten sie lediglich deswegen gemacht, um eben das merkwürdige Gesicht und die Art der Täto­wierung zur Darstellung zu bringen. Welche Be­wandtnis es mit diesen Frauenstatuen in Wirklichkeit hat, werden wir später bei der Behandlung der Ma- konde-Stammessage sehen. Ihre Bedeutung geht jenen Künstlern doch über die eines bloßen Mode­bildes hinaus, ja, sie sind, unbeschadet der mir ge­wordenen Erklärungen und Auskünfte, dennoch eine Art von Kultfiguren, indem sie die Urmutter des Stammes darstellen sollen. Vielleicht liegt bei der Aussage meiner Gewährsleute böser Wille vor, wahr­scheinlicher aber doch bloße Unkenntnis der wahr­haften Bedeutung.

Tritt bei der Darstellung des menschlichen Körpers das Bestreben nach naturalistischer Wieder­gabe ganz ersichtlich in den Vordergrund, so macht sich bei der Darstellung von Tieren die Neigung zum Stilisieren ziemlich allgemein bemerkbar, be­sonders überall da, wo das Schnitzwerk zugleich einem praktischen Zwecke dienen soll. Sehr gern werden die Sitzbänke und Schemel hier zu Lande in der Form stilisierter Tiere dargestellt; in früherer Zeit muß diese Art der Kunstbetätigung viel häufiger gewesen sein als gegenwärtig, wo mit den Wamuera die besten Schnitzer durch den Aufstand ganz aus­geschaltet sind. Nach meiner Erinnerung besitzt das Berliner Museum für Völkerkunde eine ganze Reihe derartiger Sitzgerätschaften in der Form von Leo­parden und anderen Tieren. Einen solchen Schemel stellt Abb. 7 Taf. 22 dar.

Von der naturalistischen Tierdarstellung geben die Abbildungen 4 bis 6 auf Tafel 22 sowie 4 und 7 auf Tafel 23 ein paar Proben. Recht gut sind der Watvogel (wohl ein Storch), das Schwein und das Litotwe gearbeitet; den Vogel ntinondo kann ich nicht identifizieren; schlecht ist der Marabu. Ich bin der Ansicht, daß mein Gewährsmann mir eine falsche Deutung gegeben hat; sehr wahrscheinlich stellt diese Skulptur etwas ganz anderes dar als den lang- schnäbeligen Philosophen.

Ein außerordentlich häufiges Erzeugnis der Klein­kunst sind die Pulverbüchsen, die an keines Mannes

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