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Hunderten durchs Land getragen werden. In dem Flechtprozeß, auf den ich hier nicht näher eingehen will, interessiert am meisten der Umstand, daß jede Matte aus zahlreichen Einzelstreifen besteht, die nach ihrer Vollendung miteinander vereinigt, zusammengenäht werden. Das Mittel dazu ist eine simple Holznadel mit durchgestecktem Pflanzenfaden, die vom Flechter sehr geschickt und ohne die Streifenränder zu beschädigen durch deren beiderseitige Randmaschen gezogen wird (Taf. 17 Abb. 10). Die Arbeit wird ganz allgemein so sauber ausgeführt, daß es selbst dem Kenner schwer fällt, die Anwesenheit des Durchzugsfadens nachzuweisen.
Holzschnitzerei.
Da der Neger das künstliche Zusammenfügen verschiedener Holzteile zu einem Ganzen nicht kennt, ist er für alle seine aus Holz bestehenden Gebrauchsgegenstände auf die Herausgestaltung der gewünschten Formen mittels des Schnitzmessers angewiesen. Die Schnitzkunst ist denn auch geradezu ein Wahrzeichen der afrikanischen Kultur; den Beweis dafür erbringt jeder Blick in ein ethnographisches Museum. Im Gegensatz zu vielen Teilen West- und Zentralafrikas, wo, wie z. B. im Kongobecken, in Teilen Kameruns und in Benin, diese Schnitzkunst wahre Triumphe der Phantastik feiert, ist sie im Osten des Erdteils außerordentlich einfach und nüchtern. Der Ostafrikaner sieht mehr auf Zweckmäßigkeit als auf künstlerische oder phantastische Form. Dennoch ist es erstaunlich, wie der Neger auch diese einfachen Schnitzwerke mit Hilfe seines einzigen Instrumentes, seines Messers, zustande zu bringen weiß. Dieses Messer ist weder sehr zierlich, noch sehr handlich; dennoch dient es seinem Besitzer zu aller und jeder Betätigung, sei es im Hause, sei es auf dem Marsch oder in der Pflanzung. (Taf. 17 Abb. 7.)
Eine besondere Stellung unter den mannigfachen Schnitzwerken der hiesigen Gegend nehmen die Skulpturen ein, die den Menschen oder bestimmte Tiere darstellen, und die durch ihre Ausführung den Anspruch auf den Rang eines Kunstwerkes erheben. In ganz Ostafrika tritt die künstlerische Nachbildung der ganzen menschlichen Figur oder aber die Wiedergabe des menschlichen Gesichts in Gestalt der Maske nur ganz vereinzelt auf, ja, auf deutschem Gebiet ist die Maske ursprünglich sogar lediglich auf die Ma- konde und Matambwe beschränkt. Um so freudiger überrascht war ich daher, daß die bildende Kunst, wenn auch nicht bei den Jao, so doch bei ihren Nachbarn im allgemeinen in hoher Blüte stand. Bezeichnenderweise war in den Skulpturen stets nur die Frau wiedergegeben, niemals der Mann (Taf. 22 Abb. 1 bis 3). Das ist ein Vorkommnis, das auch bei anderen
Mitteilungen a. d. D. Schutzgebieten, Ergänzungsheft 1.
Naturvölkern beobachtet wird; hier am Rowuma ist es zunächst erklärlich durch den bloßen Hinweis auf das höchst abenteuerliche Äußere der Frau, die mit ihrer riesigen Lippenscheibe und den gewaltigen Ohrpflöcken förmlich zur künstlerischen Wiedergabe reizt. Auch die Ziernarbenbedeckung der Brust, des Bauches, der Arme, des Rückens, des Gesäßes und der Oberschenkel mag nicht wenig zu dieser Bevorzugung des weiblichen Geschlechts beitragen; mir wurde von den Künstlern, wenn ich sie nach dem Zweck der Figuren fragte, für jede von ihnen angegeben, sie hätten sie lediglich deswegen gemacht, um eben das merkwürdige Gesicht und die Art der Tätowierung zur Darstellung zu bringen. Welche Bewandtnis es mit diesen Frauenstatuen in Wirklichkeit hat, werden wir später bei der Behandlung der Ma- konde-Stammessage sehen. Ihre Bedeutung geht jenen Künstlern doch über die eines bloßen Modebildes hinaus, ja, sie sind, unbeschadet der mir gewordenen Erklärungen und Auskünfte, dennoch eine Art von Kultfiguren, indem sie die Urmutter des Stammes darstellen sollen. Vielleicht liegt bei der Aussage meiner Gewährsleute böser Wille vor, wahrscheinlicher aber doch bloße Unkenntnis der wahrhaften Bedeutung.
Tritt bei der Darstellung des menschlichen Körpers das Bestreben nach naturalistischer Wiedergabe ganz ersichtlich in den Vordergrund, so macht sich bei der Darstellung von Tieren die Neigung zum Stilisieren ziemlich allgemein bemerkbar, besonders überall da, wo das Schnitzwerk zugleich einem praktischen Zwecke dienen soll. Sehr gern werden die Sitzbänke und Schemel hier zu Lande in der Form stilisierter Tiere dargestellt; in früherer Zeit muß diese Art der Kunstbetätigung viel häufiger gewesen sein als gegenwärtig, wo mit den Wamuera die besten Schnitzer durch den Aufstand ganz ausgeschaltet sind. Nach meiner Erinnerung besitzt das Berliner Museum für Völkerkunde eine ganze Reihe derartiger Sitzgerätschaften in der Form von Leoparden und anderen Tieren. Einen solchen Schemel stellt Abb. 7 Taf. 22 dar.
Von der naturalistischen Tierdarstellung geben die Abbildungen 4 bis 6 auf Tafel 22 sowie 4 und 7 auf Tafel 23 ein paar Proben. Recht gut sind der Watvogel (wohl ein Storch), das Schwein und das Litotwe gearbeitet; den Vogel ntinondo kann ich nicht identifizieren; schlecht ist der Marabu. Ich bin der Ansicht, daß mein Gewährsmann mir eine falsche Deutung gegeben hat; sehr wahrscheinlich stellt diese Skulptur etwas ganz anderes dar als den lang- schnäbeligen Philosophen.
Ein außerordentlich häufiges Erzeugnis der Kleinkunst sind die Pulverbüchsen, die an keines Mannes
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