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Wissenschaftliche Ergebnisse meiner ethnographischen Forschungsreise in den Südosten Deutsch-Ostafrikas ; mit 63 Bildertafeln, 1 Karte und einer Beilabge in Faarbendruck / von Karl Weule
Entstehung
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Manipulationen rings um das Gefäß her umbewegen muß. Die einfache Topfscherbe, die anderswo als der Anfang der Töpferscheibe bezeichnet werden muß, er­leichtert beide Arbeiten ganz wesentlich, indem ein Drehen des werdenden Gefäßes auf dieser Unterlage sehr wohl möglich ist. Nicht durch Einstechen, son­dern durch Auftragen neuen Tones stellte die Töpferin bei den Wangoni von Ntschitschira ihre Ornamente her; die Arbeiterin nahm besonders fein geschlemmten und gereinigten Ton und formte daraus eine lange Walze von der'Dicke des kleinen Fingers, deren eines Ende zwischen "Daumen und Zeigefinger gehalten wurde. In dieser Haltung fuhr sie bei der Her­stellung horizontaler Ringe mit großer Geschwindig­keit und Sicherheit rings um das Gefäß herum, indem sie gleichzeitig dabei den Tonstreifen durch die Finger gleiten ließ, in genau derselben Weise wie ein ge­schickter Glaser den Kitt in die Fensterfuge streicht (Taf. 15 Abb. 6). Bei diesem Umfahren wurde der beabsichtigte Tonwulst rasch und glatt auf die Topf­peripherie aufgedrückt. In ganz analoger Weise wurden auch Zickzackmuster hergestellt, nur daß jetzt das Augenmaß bezüglich der Gleichmäßigkeit na­türlich mehr auf Kosten der Geschwindigkeit bean­sprucht werden mußte (Taf. 15 Abb. 7). Immerhin ging auch diese Arbeit recht schnell von .statten. Den Abschluß aller Vorbereitungen vor dem Brennen bildete ein letztes Polieren, Nachglätten und Prüfen der Wandstärke.

Der Brand selbst war überall der offene Feld­brand. Das durch mehrtägiges Trocknen schon recht widerstandsfähige Gefäß wurde in einen Scheiterhaufen eingebaut, der aus möglichst trockenem Holz, meist daumen- oder höchstens unter­armstarken Zweigen und recht trockenen Bambus­stäben, bestand. Das Gefäß ruhte auf einer dichten Unterlage solcher Hölzer, nicht auf der bloßen Erde. Das Einbauen in den Holzstoß wurde mit großer Sorgfalt und mit viel Überlegung ausgeführt; bei seinem Abschluß war vom Brennobjekt nichts mehr zu sehen. Die Entzündung des Holzstoßes erfolgte in allen von mir beobachteten Fällen an der der Wind­richtung abgekehrten Seite; erst wenn diese brannte, wurde auch die Luvseite angezündet. Bei dem sehr raschen Herunterbrennen des trockenen Holzes war ein stetes Nachlegen neuen Materials erforderlich. Auch hierbei ließ man große Vorsicht walten, um das Gefäß nicht zu verletzen oder gar zu zerstören. Eine weitere Sorge war sodann, nachdem der Holzstoß voll­kommen heruntergebrannt war, das gleichmäßige An­häufen der glühenden Kohlenmassen um das nun­mehr ebenfalls rotglühende Gefäß. Dieses Anhäufeln der Kohle, zugleich auch das Umdrehen des Topfes, der möglichst gleichmäßig erhitzt werden muß, ge­

schah mit einer derben Holzstange. (Taf. 15 Abb. 9 bis 11.)

Der ganze Prozeß des Brennens dauert nur den Brüchteil einer Stunde; die von mir vermerkten Zeiten schwanken zwischen 20 und 35 Minuten. Den Ab­schluß des Verfahrens bildet das Besprengen des noch heißen Gefäßes mit einer Flüssigkeit, die bei den Bewohnern von Massassi aus Wasser besteht, in dem die Blätter des Mchesobaumes, die aussehen wie Spinat, und außerdem die Rinde vom Mloondobaum eingeweicht und ausgezogen sind. Das Gefäß soll da­durch schwarz und gleichzeitig auch haltbarer ge­macht werden. Die Wangonifrauen von Ntschitschira nehmen zu dem gleichen Endzweck die mit Wasser angefeuchtete Rinde des Mtumbatibaumes (s. Taf. 15 Abb. 12).

Über die Töpferei der Wamuera habe ich leider keine Beobachtungen machen können; ich bedauere das um so lebhafter, als gerade sie über nicht nur se : hr große und stattliche, sondern vor allem sehr schön und geschmackvoll gestaltete und wundervoll ornamentierte Erzeugnisse der Keramik verfügen.

Flechtkunst.

Zu der Höhe, wie sie an der Suaheliküste an­getroffen wird, reicht die Flechtkunst bei den Völkern auf und am Rande des Makondeplateaus nirgends heran; im Gegenteil, sie geht nicht über die einfachsten Gebrauchsgegenstände hinaus. Unter diesen spielen Körbe von jeglicher Art, Form und Größe die Hauptrolle; selbst die Trinkgefäße für das Hirse- und Maisbier werden mit Vorliebe geflochten. Ausgeübt wird die Technik unterschiedslos von beiden Geschlechtern, vielleicht mit der Maßgabe, daß die Männer sich hier im Innern mit ihr mehr befassen als die Frauen; im Gegensatz zur Küste, wo die Her­stellung der zierlichen Mattenstreifen ganz ebenso zur Beschäftigung der weiblichen Hausbewohner gehört wie die Anfertigung von Handarbeiten bei unseren Frauen. So oft ich den Wunsch äußerte, die Technik zu studieren, erschienen stets nur Männer.

Meine Zeit reichte leider nicht aus, den Werde­gang aller Arten von Flechtwerken zu überwachen; für Korbwaren und dergleichen habe ich mich damit begnügen müssen, angefangene oder halbfertige Exemplare als Belegstücke mit nach Hause zu bringen. Über die Technik ihrer Herstellung steht mir einst­weilen noch kein Urteil zu. Ohne Zeitverlust stu­dierbar war hingegen die Herstellungsart der Matten, Feuerfächer und dergleichen. Für jene kommt fast ausschließlich das im Kimakonde uchindu genannte Material in Frage: Palmfiederblätter vom Rowuma und aus den Niederungen anderer Flüsse; zu sauberen Bündeln verschnürt sah ich sie von den Leuten zu