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Wissenschaftliche Ergebnisse meiner ethnographischen Forschungsreise in den Südosten Deutsch-Ostafrikas ; mit 63 Bildertafeln, 1 Karte und einer Beilabge in Faarbendruck / von Karl Weule
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spärlichen Wasserlöchern stets nur Frauen und Kin­der; später auf dem Makondeplateau teilten sich beide Geschlechter einträchtiglich in das zeitraubende und mühselige Geschäft des Wasserholens. Bei den dor­tigen Entfernungen das Wasser muß in allen Fällen vom untern Rande des Plateaus heraufgeholt werden ist diese Arbeitsteilung wohl verständlich.

Dem Studium der Technik in ihren verschiedenen Unterabteilungen habe ich, wo sich irgend die Ge­legenheit bot, einen großen Teil meiner Zeit ge­widmet; ich habe die einzelnen Phasen der Arbeiten mit dem photographischen Apparat, dem Zeichen- und dem Schreibstift festzuhalten versucht und habe möglichst auch die Zwischenstufen der einzelnen Er­zeugnisse gesammelt. Leider sind diese küstennahen Völker nicht mehr unberührt genug, um auclh noch in die interessantesten aller afrikanischen Techniken, die Webkunst und die Herstellung des Eisens, einen Einblick zu gewähren; gewebte Stoffe werden heute ausschließlich eingeführt, vermutlich auch alles Eisen. Von der Webkunst sollte nur noch ein einziger Web­stuhl zeugen; als sein Besitzer galt Medulla, ein alter Mann in der Ortschaft Mtschauru zwischen Tschingu- lungulu und Newala. Medulla zeigte mir einen ganzen Nachmittag lang die Technik des Faden­spulens; von seinem Webstuhl indessen und dem Weben selbst habe ich nichts zu sehen bekommen; aus dem einfachen Grunde wohl, weil dieser Web­stuhl nicht mehr existiert.

Töpferei.

Von der Einfuhr außerafrikanischer Erzeugnisse, wie er sonst schon für so viele Zweige des täglichen Lebens besteht, hat sich die einheimische Keramik glücklicherweise noch ganz frei gehalten; nicht ein­mal eiserne Töpfe, die an der Küste schon fast die Alleinherrschaft führen, treten im Binnenlande merk­bar hervor. Die Keramik ist in ihrem ganzen Um­fang Angelegenheit der Frau, vom Sammeln des Roh­materials bis zum Brennen des fertigen Gefäßes. Ich habe mir die Technik an möglichst vielen Örtlich­keiten vorführen lassen; merkwürdigerweise war ge­rade in der zivilisiertesten Gegend, nämlich bei Massassi, von den Anfängen der Töpferscheibe nicht das Mindeste bekannt, im Gegensatz zu den Jao von Tschingulungulu und den Makua, Makonde und Wan- goni des Makondeplateaus, bei denen eine alte Topf­scherbe die Dienste dieses technischen Hilfsmittels versah (Taf. 15 Abb. 6, 7). Das sonstige Instrumenta­rium war fast überall einander gleich und sehr einfach : ein Bambussplitter, ein entkörnter Maiskolben, ein glatter Kiesel, ein paar scharf zugeschliffene Stücke vom Flaschenkürbis, das war so ziemlich alles

(Taf. 16 Abb. 4). Auch der Hergang bei der Herstellung der Gefäße ist überall fast derselbe. Von der sonst bei Naturvölkern vielfach beliebten Methode, die Gefäßwand aus Einzelringen zusammenzusetzen, die man dann verstreicht, habe ich hier nichts be­merkt; ganz allgemein war vielmehr das Verfahren, den Topf oder die Schale aus dem vollen, kompakten Tonklumpen herauszukneten (s. Taf. 15 Abb. 1 bis 3). Die Rohform wurde auf diese Weise stets in sehr kurzer Zeit, man kann sagen in Minuten erzielt, so geschickt waren die Finger der Künstlerinnen. Mehr Mühe verursachte bei dem ungeschlemmten Material das Glätten der Innen- und der Außenfläche; hier traten zunächst der erwähnte Maiskolben und der Bambussplitter in Tätigkeit, mittels deren die grö­beren Steine aus der Wand herausgekratzt und diese vorläufig geglättet wurde (Taf. 15 Abb. 4, 5). Die weitere Politur der Wände erfolgte stets erst nach einem längern Trockenprozeß des Gefäßes, bei dem dieses nicht der prallen Sonne ausgesetzt, sondern in den Schatten gestellt wurde. Auch der Rand wurde endgültig erst am halbtrocknen Gefäß mittels eines scharfen Bambusmessers durch Beschneiden herge­stellt. In diesem Stadium, wo der Topf schon mehr Widerstand als im ganz frischen Zustand besitzt, wird auch der Boden herausgearbeitet, wobei man das Hauptgewicht auf eine gleichmäßige Dicke der Wan­dung legt. Zeigen sich dabei Risse, so wird das Arbeitsobjekt einfach weggeworfen, um von neuem eingeknetet zu werden.

Das Interessanteste bei der ganzen Töpferei war für mich die Herstellung der Ornamente. Diese gleichen in dieser Gegend sehr unserer euro­päischen Schnurornamentik; umsomehr erstaunte ich, als ich sah, daß bei ihrer Herstellung irgendeine Schnur nichts zu tun hatte, sondern daß sie durch Einstechen kleiner Vertiefungen mittels der bereits erwähnten, zugeschärften Flaschenkürbisstücke er­folgte (Taf. 16 Abb. 4). Andere Ziermuster, wie die hier häufig auftretenden dreieckigen, flachen Ein­drücke, wurden mit denselben Kürbisschalstücken hervorgerufen; man brach diese rautenförmig zurecht und drückte darauf zu der einen Art des Musters die Flachseite, zu der andern die rechteckige Spitze der Kürbisschale in den halbharten Ton hinein. Eine kleine Übersicht solcher keramischen Gefäßformen samt den häufigsten Ornamentmustern zeigt die Tafel 16 und Taf. 17 Abb. 1 2.

Bei dem Arbeiten ohneTöpferscheibe", wo das Gefäß auf dem gereinigten Erdboden in einer mittels eines Schneckenhauses hergestellten Vertiefung steht, ist die Herbeiführung der regelmäßigen Gefäßform und die Anbringung der Ornamente sehr müh­selig und schw ierig, indem die Arbeiterin sich bei allen