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rasiert; die Haare werden weggeworfen. Der weinenden Frau sagt man, es sei so Sitte. Nach einem weiteren Mondmonat, wenn die Haare wieder gewachsen sind, werden Festvorbereitungen getroffen, Mehl, Bohnen usw. bereitgestellt. Jetzt röstet man auch -Mais und zerstampft ihn, nachdem man die Körner mit Wasser gemischt hat. Der entstandene Brei wird der Schwangern auf den Kopf geschmiert. Jetzt muß ihr Mann im Busch Rindenstoff machen; dabei ist eine weibliche Verwandte seiner Frau zugegen. Diese zieht sich bis auf einen ganz kleinen Schamschurz aus und setzt sich auf das eine Ende des beim Klopfen des Rindenstoffes als Unterlage dienenden Baumstammes. Während der Mann klopft, singt das Mädchen: ,,Nalishanira wosewa neakutenda". Der fertige Rindenstoff wird fein mit Perlen bestickt und seitens der Lehrerin der Schwangern um den Hals gehangen. Er heißt mare ndembo. So heißt von jetzt ab auch die Schwangere.
Am nächsten Morgen versammeln sich alle Leute unter Trillern, Händeklatschen und Gesang. Von der Menge abgesondert, geben die alten Frauen und die Lehrerin der Schwangern jetzt wieder eine lange Reihe von Verhaltungsmaßregeln. Danach darf sie, der jetzt erst die Art ihres Zustandes erklärt wird, nicht auf den Matten anderer Leute sitzen, weil das leicht Abortus zur Folge haben könnte; sie darf auch nicht mit Freunden und Freundinnen verkehren, weil auch das ihrem Kinde schaden würde, denn jene könnten ja möglicherweise gerade vorher kohabitiert haben. Wenig ausgehen soll sie, sie darf sich vielmehr möglichst nur ihrem Manne zeigen, denn sonst könnte ihr Kind leicht anderen ähnlich sehen. Auf dem Wege muß sie den Leuten seitlich ausweichen, weil auch der Dunst dieser Leute dem Kinde Schaden verursachen könnte. Der Grundgedanke für alle diese Verbote ist zweifellos die Idee des Analogiezaubers; alle diese Fremden könnten ja, kurz bevor sie der Schwangern begegnen, kohabitiert haben; schon der Dunstkreis dieser Tat wird dem werdenden Menschen schädlich sein.
In langer Reihe folgen dann auch die üblichen Speise verböte; Eiergenuß der Mutter würde Haarlosigkeit des Kindes im Gefolge haben; Affenfleisch würde bedingen, daß das Kind albern wie ein Affe würde (kulawalawa impera liyani); der Genuß von Speiseresten (mkute) würde das Kind krank machen. *) Lebewohl darf die Schwangere keinem sagen, auch wenn sie gegrüßt wird; sonst muß sie lange auf die Geburt warten; die Schamhaare darf sie nicht rasieren, sonst bekommt das Kind keine Flaare. Auch die Übertragung auf das andere Geschlecht liegt hier vor: der Mann darf kein anderes
*) Auch beschnittene Knaben dürfen nichts Übriggebliebenes
essen.
Mitteilungen a. d. D. Schutzgebieten. Ergänzungsheft 1,
Mädchen berühren, sonst würde seine Frau abortieren und sie selbst sterben. Dasselbe Schicksal würde ihr erblühen, wenn sie selbst mit einem Anderen verkehren würde (kuluwala ndundu marra).
Nach Schluß der Belehrung nehmen wieder alle erwachsenen Frauen an den Tänzen und Liedern teil, während die Schwangere zuschauend dabeisitzt. Gegend Abend wird von allen gemeinsam gegessen; sodann läuft alles auseinander. Von jetzt ab untersteht die junge Frau einer ständigen Kontrolle ihrer Lehrerin, die alle zwei Tage bei jener erscheint, um den Gesamtzustand und auch die Beschaffenheit der Genitalien, die immerfort einer systematischen Aufweitung unterzogen werden, ständig zu überwachen.
4. Wamwana.
Nach der Geburt wird Mehl gemacht. Die Frauen des Dorfes und die Lehrerin kommen zusammen und bringen den Mann zu der Wöchnerin in die Hütte. Unter Trillern und sonstigen Freudenbezeugungen singen sie das Lob des jungen Vaters. Die Mutter mit dem Kinde sitzt dabei auf dem einen Ende einer Matte, der Vater auf dem andern. Auch jetzt geht es nicht ohne Verhaltungsmaßregeln ab; beiden Parteien wird jeglicher Verkehr miteinander und auch mit fremden Angehörigen des anderen Geschlechts untersagt; beides habe den Tod des Kindes zur Folge. Eine Mischung sehr verständiger hygienischer Regeln und krassen Aberglaubens sind die folgenden Vorschriften: die Frau muß jeden Morgen früh aufstehen, das Kind an die Luft bringen und es nach der Rückkehr in die Hütte kneten, darauf das Neugeborene mit lauwarmem Wasser waschen und mit Öl einreiben. Damit das Kind.aber nicht verzaubert werden kann, und damit es auch stark werde, wird ein Fundi, ein Medizinmann, ausgeschickt, um wirksame Medizinen zu suchen und für das Kind herzustellen. Es sind das eine Halsschnur mit stets zwei Wurzelstückchen, eine Gürtelschnur und zwei Knöchelschnüre. Für die Wartung des Kleinen bekommt die Mutter noch andere Instruktionen mit: sie soll es fleißig warten und rein halten. Leider aber werden diese Vorschriften nicht übermäßig lange befolgt; dazu fehlt die Zeit und fehlen auch die Mittel. Da Windeln oder etwas Entsprechendes ganz unbekannt sind, entleert das Baby seine Exkremente einfach in das Tragtuch, in dem es auf dem Rücken oder der Hüfte der Mutter wacht und schläft und ißt und trinkt. An ein Wechseln des Tuches ist nicht in jedem Einzelfalle zu denken, so daß es nicht wundernehmen kann, wenn Mutter wie Kind schließlich von Beizwunden bedeckt sind.
Außerordentlich interessant sind die Regeln über
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