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lehrt, in deren Sippe der Schwiegersohn ja mit dem Eingehen der Ehe eintritt. Schon jetzt, im frühen Jugendunterricht, wird dem Knaben gelehrt, daß er späterhin nicht nur das schwiegermütterliche Haus in Ordnung zu halten, sondern auch die Feldwirtschaft dieser Verwandten in weitgehendstem Maße zu fördern habe.
Nicht uninteressant ist das Verhalten des heranwachsenden weiblichen Geschlechts den aus der Dag- gara ins Dorf zurückgekehrten Knaben gegenüber. „Was habt ihr nur im Busch gemacht?" fragen die kleinen Mädchen ihre bisherigen Gespielen; „früher hattet ihr doch ein langes, spitzes Ding; jetzt ist es kurz und rund". „Das haben uns die Männer," so lautet die vorgeschriebene Antwort, „in den Leib zurückgeschoben und zugebunden." Vom Schneiden dürfen die Mädchen nichts erfahren.
Bei den übrigen Stämmen des Gebietes, aber auch bei anderen Jao-Gruppen, sind die hier kurz skizzierten Einzelzüge des Knaben-Unyago anders geartet und ausgebildet; im großen und ganzen aber ist der Verlauf dem hier geschilderten ähnlich. Eine Isolierung der Knaben tritt unter allen Umständen ein, und weiblichen Wesen ist das Betreten des Waldgebiets, in dem die Daggara verborgen liegt, streng verboten. In den Strafakten des Bezirksamts Lindi, zu deren Studium ich nach Schluß meiner Expedition eigens einen Dampfer überschlug, befindet sich ein Fall, bei dem die rabiaten Jungen eine harm- und arglos des Wegs dahinziehende alte Frau übel zugerichtet haben; wie es dort in den Akten heißt, auf Anstiften ihrer erwachsenen Führer. Ganz ohne
Medizinen der verschiedensten Art geht übrigens auch dieser Unterricht nicht ab; in dem von mir besuchten Knabenhause in der Nähe der Residenz des alten Häuptlings Akundonde, einen halben Tagemarsch westlich von Tschingulungulu, stand mitten zwischen den primitiven Rohrlagerstätten der Knaben ein sperriger Baumast, von dessen Zweigen die verschiedenartigsten Amulette, Vogelbälge und "Federn herunterhingen (Taf. 38 Abb. 1 b).
Die lange Isolierung der mannbar werdenden Knaben im Walde oder überhaupt an einer entlegenen Stelle ist nahezu ein Gemeingut aller primitiven Völker, bei denen man derartige Übergangsstadien beobachtet hat. Der häufig angenommene Grundgedanke des Verfahrens, durch dieses zeitweilige Verschwinden und die darauf erfolgende Wiederkehr des Novizen eine förmliche Wiedergeburt symbolisch darzustellen, wird hier wie auch anderswo gestützt durch die Erscheinung, daß der für mannbar Erklärte nunmehr auch einen neuen Namen bekommt. Eine lange Reihe solcher Namen habe ich bei allen von mir besuchten Völkerschaften mit großem Fleiß gesammelt und auf ihre etymologische Bedeutung hin untersucht; eine Auswahl von ihnen soll später noch folgen. Nicht gelungen ist es mir, zu erfahren, ob diese Namen in einem besonderen, feierlichen Akt zuerteilt werden, oder ob sie sich erst im Laufe der Zeit für den einzelnen einbürgern; die mir gegebenen Erklärungen sprechen mehr für die letztere Sitte als für die erste Eventualität, indem die meisten oder doch sehr viele durchaus den Charakter unserer Spitznamen haben.
Das Mädchen-Unyago.
Beim Studium der bei der Knabenbeschneidung bestehenden Bräuche war es leicht, Aufschluß auch über das zu erlangen, was ich selbst nicht habe sehen können; Nakaam, Susa, Matola, der alte Akundonde und seine Ratgeber, dann endlich ganze große Kreise von erwachsenen Männern und erfahrenen Greisen sprachen sich rückhaltlos über diesen Teil ihres Volkstums aus. Demgemäß war eine Kontrolle der Aussagen auf ihre Richtigkeit und Zuverlässigkeit hin nicht schwer. Für das Mädchen-Unyago lagen die Verhältnisse weit ungünstiger; ich bin eigens, viel früher als ich ursprünglich wollte, aus dem Tieflande nach Newala marschiert, um hier noch an den von Chembrasiao, die als die gegebene Führerin auf dem Gebiet dieser Sitte galt, zu jener Zeit veranstalteten Feierlichkeiten
teilnehmen zu können. Es ist mir nicht gelungen. Von dem Chiputu zeugte dicht bei Newala zwar noch die halbkreisförmige Hütte, in der die Mädchen ihren mehrmonatigen Unterricht empfangen, von den Mädchen selbst aber war dort nichts mehr zu sehen. Ich habe die „Prinzessin" dann durch Versprechungen aller Art zu irgendwelchen Äußerungen über Art und Gang der Zeremonien zu veranlassen versucht, aber sie war gänzlich unzugänglich. Einen erfreulichen Ausweg in dieser Verlegenheit gewährte mir die tatkräftige Unterstützung des fürsorglichen Akiden von Newala, der es mit nimmermüdem Entgegenkommen zu vermitteln wußte, daß ich wenigstens bei einer Reihe von Schlußfesten dieses Chiputu zugegen sein konnte. Für die übrigen Teile des gerade für die Mädchen sehr vielgestaltigen Unyago