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Handbuch des Deutschtums im Auslande : nebst einem Adressbuch der deutschen Auslandsschulen / hrsg. vom Allgemeinen Deutschen Schulverein zur Erhaltung des Deutschtums im Auslande
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Vereinigte Staaten, . -!'l

II. Vereinigte Staaten von Amerika.

Von Dr. Hermann Gerhard.

(L- M. Goldberger, Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Berlin und Leipzig l!»>8. Derselbe, Die amerikanische Gefahr, in Preußische Jahrbücher, Bd. 120, 1905, S. 3ff. W- von Polenz, Das Land der Zukunft, 5. Aufl. Berlin, 1904.

0. Hötzsch, Die Vereinigten Staaten von Nordamerika. Bielefeld und Leipzig 1904.

1, Göbel, Das Deutschtum in den Vereinigten Staaten von Amerika. München N">>, Der Kampf um das Deutschtum, H. 16. H. Gerhard, Die Entwicklung des Südens der Vereinigten Staaten von 18601900. Halle 1904; ferner viele Aufsätze über das Deutschamerikcmertum in: Alldeutsche Blätter,Deutsche Kolonien", I!>0>, Nr. 13/19, Tägliche Rundschau",Deutsche Monatsschrift" 1905 u.a.m. C. M. von Unruli, Amerika noch nicht am Ziele. 1904. H. Münsterberg, Die Amerikaner, 19«>4, 2 Bde. Karl Veck, Amerikanische Streiflichter. Berlin 1905. G. v. Bosse, Das heutige Deutsch­tum in den Vereinigten Staaten von Amerika. Stuttgart 1904. L. Viereck, Zwei Jahrhunderte deutschen Unterrichts in den Vereinigten Staaten. Braunschweig 1903. Graf v. Schwerin-'witz, Unser handelspolitisches Verhältnis zur Union, in: Deutsche

Monatsschrift, Jahrg. 1905. E. Hasse, in Dtsch. Erde I, 1902.)

1. Geschichte der deutschen Einwanderung.

I. Periode. Bis zum Unabhängigkeitskrieg 1783. Besiedlung des Ostens.

Nachweislich die ersten Deutschen, die sich in Nordamerika ansiedelten, waren elscissische und hessische Protestanten, die sich im Jahre 1562 in Port Roval (Südkarolina) niederließen. Als dann 1607 bis 1609 Virginien kolonisiert wurde, waren auch Deutsche unter den Kolonisten; in den Schiffslisten findet sich ein Dutzend deutscher Namen. Weiterhin im 17. Jahrhundert treffen wir aus einzelne Deutsche, die, unter Holländer, Schweden und Engländer versprengt, ihr Glück in der neuen Welt suchten. Einer der ersten war Peter Minnewit aus Wesel, der 1626 die Jusel Manhattan, aus der sich heute die Millionenstadt New Aork erhebt, sür 60 holländische Gulden von den Indianern kaufte.

Als in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts die Engländer diese Schweden und Holländer unterdrückten, als aus Neu-Amsterdmn New Hork geworden, war es ein Deutscher, Jakob Leister aus Frankfurt am Main, der nach der Vertreibung Jacobs II. aus England die Absetzung des jakobitischen Gouverneurs erzwäng und als neu gewählter Generalgouverneur der Stadt Fühlung mit Oranien und dem Protestantismus nahm. Er starb als Märtyrer auf dem Schaffst.

Die erste dauernde deutsche Ansiedelung im heutigen Bereiche der Ver­einigten Staaten war Germantown in Pennsvlvanien. William Penn hatte 1671 und 1676 Werbefahrten nach Deutschland unternommen, hatte in der Rheinpfalz und in Krefeld beredt für seine Kolonie gesprochen, aber nur vereinzelte Männer zur Auswanderung bewogen. Ein protestantischer Prediger in Frankfurt am Main, Dr. Daniel Pastorius, brachte die Bewegung am Rhein in Fluß. Ihm, der am 16. August 1683 in der ueuen Welt landete, folgten am 6. Oktober, welcher Tag feit 1883 alsDeutscher Tag" gefeiert wird, 13 Krefelder Familien und legten den Grundstock zu Germautown, dessen Stadtsiegel Weinstock, Flachs und Webeschrein sührt, mit der Unterschrift: vinum, Uunm ^ t wxt.rmum,um anzuzeigen", meinte Pastorius,daß man sich dies Orts mit Weinbau, Flachsbau und Handwerk mit Gott und Ehren ernähren wolle." Zu dem Handwerk ge­sellten sich bald die Ansänge der Industrie: Die erste Papiermühle in Amerika wurde in Germantown gegründet durch Wilhelm Rittinghunsen, ebenso die erste Brauerei durch Peter Keurlis (1695). Christoph Saur errichtete 1738 die erste deutsche Verlagsbuchhandluug und Druckerei, woselbst er die erste deutsche Bibel in Amerika druckte. Am 20. August 1739 erschien im Saurschen Verlag der

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