Nord- und Mittelamerika.
Das Germanische Museum bei der Harvard-University und sein erster Kurator
Oi. Kuno Francke.
Von Friedrich Paulsen.
Unter den kraftvoll aufsteigenden Universitäten der nordamerikanischen Union ist die Harvard-Universität in Cambridge bei Boston die erste und die älteste. Die von den Tagen ihres Ursprungs her dauernden Beziehungen zu hervorragenden Männern des geistigen Deutschlands, ich nenne A. H. Francke und Goethe, die enge Verwandtschaft, worin ihr jungaufblühender Wissenschaftsbetried zu deutscher Geistesarbeit steht, haben vor kurzem in der Begründung des (^sr- Manie Nu86uw einen höchst bedeutsamen sichtbaren Ausdruck gefunden. Seine Abficht ist, den Studierenden von deutscher Art und Kunst eine Anschauung zu geben, vielseitiger als sie das bloße Studium der Sprache und Literatur zu geben vermag. ^070? ^70^ o^/?, das Wort des alten Demokrit, könnte über der Tür des neuen Instituts seinen Sinn dem Eintretenden andeuten: das Wort ein Schatten des Werkes.
Die Idee eines solchen Instituts ist von einem Deutsch-Amerikaner ausgegangen: Kuno Francke ist, mit einem der mittelalterlichen Universitätssprache entlehnten Ausdruck, der xlantator vovi stnäii OantabriAisosis. Als Lehrer der deutschen Sprache und Literatur fühlte er überall das Bedürfnis, das alte Deutschland auch zu den Augen seiner Hörer reden zu lassen; und so ruhte er nicht, bis das Werk, dem er durch rastlose Tätigkeit in Amerika wie in Deutschland Freunde zu werben wußte, vollbracht war: ein Denkmal der Kultur- gemeinschast, welche die beiden Völker umschließt, eiu Denkmal zugleich des geistigen Urhebers, der in seiner Person die Einheit deutschen und amerikanischen Wesens darstellt. Vielleicht kommen dem Leser dieses Jahrbuchs ein paar Daten aus dem Leben dieses Mannes nicht unerwünscht.
Die Heimat Franckes ist Schleswig-Holstein, das Land, aus dem vor anderthalbtausend Jahren die alten Angelsachsen westwärts fuhren, um jenseits der Westsee jene neue Heimat zu gewinnen, welche die vertrauten Züge der alten in vergrößertem Maßstab trägt. Er ist zu Kiel im Jahre 1855 geboren als der Sohn eines im Lande wohlbekannten Juristen, des Oberappellationsgerichtsrats Francke. Auf dem Gymnasium seiner Vaterstadt, das damals unter der Leitung des trefflichen Konrad Niemeyer, eines Enkels des hallischen Kanzlers, eines Nachkommen des alten A. H. Francke, stand, erfuhr er besonders von einem jugendlichen Lehrer tiefgehenden Einfluß und weitreichende Förderung: es war der seitdem als Rückertforscher hervorgetretene Pros. Friedrich Reuter, der damals