Canada. Deutsche Einwanderung,
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I. Ganada.
(Ib.6 8tati8ties.1 Vsai'-dooK ok e. tor 1903: i8sueä tlis vkpartewknt ok ^Fiic uiluiv Ottawa 1904. — Dtsch, Erde Hl, S. 174^ — Robert Streit, Die deutsche Einwanderung in Canada, in: D, Deutschtum im Auslande, 23. Jahrg. l1904Z, Sp- 95—98.)
Die großbritannische Kolonie Britisch-Nordamerika zählte, von Neufundland abgesehen, im Jahre 1901 nur 5 371 315 Einwohner, ist also außerordentlich dünn bevölkert. Die Regierung sucht daher die Einwanderung aus alle mögliche Weise zu befördern; im Jahre 1901 hat sie durch die Erschließung der Nordwest-Territorien eine Kolonisationsarbeit großen Stils begouueu, durch die von neuem zahlreiche Fremde ins Land gezogen werden. Obwohl erklärlicherweise unter den Einwanderern die Engländer begünstigt werden, waren früher doch auch die Deutschen stark vertreten. Dabei ist aber zu beachten, daß die Reichsdeutscheu nur einen kleinen Bruchteil der Deutschsvrechendeu ausmachen. Das Hauptkontingent stellt Oesterreich, zahlreich sind auch die mennonitischeu Deutschrussen, die in früheren Jahren aus den östlichen Provinzen Prenßeus uach Rußland übergefiedelt waren; und schließlich ist auch der Zuzug von Deutschamerikanern, besonders nach Saskatchewan, außerordentlich stark.
Die reichsdeutsche Einwanderung erreichte im Jahre 1893 mit 6136 Köpfen ihren Höhepunkt; seitdem ist sie sehr rasch heruntergegangen, bis dann die eben erwähnte Erschließung der Nordwest-Territorien wieder einen erheblichen Ausschwung hervorrief; in dem Jahrzehnt von 1891—1901 ist die Zahl der Reichs- bürtigen in diesen Territorien von 747 auf 2924, also sast um das Vierfache gewachsen. Der in Canada geführten Statistik) zufolge wanderten insgesamt nach Canada ein:
Aus
im Kalenderjahr
Vom 1. Januar bis 30, Juni 1900
im Fiskaljahr (vom 1. Juli bis 30. Juni)
1893
1399
1901
1902
1903
Deutschland . . .
563
730
476
934
1048
1387
Oesterreich-) (ohne
Ungarn)....
155
223
320
793
Die Hauptanziehungspunkte für die Einwanderer bilden das schon erwähnte Entgegenkommen der Regierung und die Fruchtbarkeit des Ackerlandes, das nach einem bestimmten Modus unter sie ausgeteilt wird. Es heißt, daß die deutscheu Einwanderer wegen ihrer Tüchtigkeit und Strebsamkeit besondere Sympathien fänden. Da sie es verstehen, sich im Ansang einzuschränken und sparsam zu leben, gelingt es den meisten, binnen kurzem so weit in die Höhe zu kommen, daß sie sich ein eigenes schuldensreies Anwesen schaffen und allmählich noch etwas zurücklegen können. Bei den aus den Vereinigten Staaten Einwandernden kommt noch hinzu, daß sie bei ihrer Ankunft größtenteils fchon eine umfassende Erfahrung in der Bewirtschaftung von Farmen besitzen. Was die Bewahrung der deutschen Nationalität anbetrifft, so wird sie jetzt den einwandernden Deutscheu sehr erschwert; die Regierung duldet keine geschlossenen deutschen Ausiedlungeu
Die deutsche Statistik weicht von der canadischen erheblich ab, indem sie durchweg niedrigere Ziffern ausweist. Nach ihr wären aus Deutschland nach Canada ausgewandert: 18W: 208; 1899: 126; 1900:144; 1901:11; 1902:183; 1903: 480; 1904:332. Ein Vergleich mit den Zahlen in der obigen Tabelle zeigt, wie weit die deutschen Ziffern davon entfernt sind, ein richtiges Bild zu geben.
-) Darunter natürlich auch Angehörige anderer Nationalität.