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Togo Deutsche Schulen und Missionen, — Kamerun.
auf den Jnnenstationen herrscht. In Lome besteht seit 1903 auch eine Hand- werkerschule. — Die Eingeborenen legen immer noch mehr Wert auf die Kenntnis des Englischen als des Deutschen, zumal es im geschäftlichen Verkehr noch immer vorherrscht. So wurde bisher auch in den Missionsschulen neben Deutsch teilweise noch Englisch gelehrt. Im Jahre 1903 hat nun aber die Regierung durch eine mit den Missionsgesellschaften vereinbarte Schulordnung jede andere sremde Sprache ausgeschlossen; vom I. Januar 1906 ab wird demgemäß nur noch Deutsch als einzige Fremdsprache gelehrt.
Evangelische Missionen. Die Baseler Mission, die bisher zehn Gemeinden im Hinterlande hatte, trat im Anfang des Jahres 1904 einen Teil ihres Missionsgebietes an die Norddeutsche Missionsgesellschaft ab, so daß bei ihr nur 467 Gemeindeglieder und 163 Schüler verblieben. Die seit 1847 hier wirkende eben erwähnte Norddeutsche oder Bremer Missionsgesellschast unterhält wegen der Fiebergesahr nur vier Hauptstationen, außerdem aber 52 Nebenstationen mit 22 europäischen Missionsangestellten. (1905: 2603 Gemeindeglieder).
Katholische Mission. In der Apostolischen Präsektur Togo wirkt die Stenler „Missionsgesellschaft des göttlichen Wortes" seit 1892, gegenwärtig auf sechs Hauptstationen. Die Zahl der Schulen stieg im Jahre 1904 von 51 auf 61, die der Schüler von 2093 auf 2416, die der Getauften betrug Ende 1904: 2697. Getauft wurden im Jahre 1904: 777, darunter 204 in Todesgefahr. Ende 1903 wurde nur noch in 18 Schulen neben Deutsch auch Englisch gelehrt.
In Togo besteht eine Abteilung der Deutschen Kolonialgesellschaft.
IX. Kamerun»
i Denkschrift über die Entwicklung der deutschen Schutzgebiete, 1904—05, S. 38—56, und
Anlagen, S, 135—97.)
Die Kolonie Kamerun ist hervorgegangen aus den Niederlassungen Hamburger Häuser, die im Jahre 1868 am Kamerunflusfe und an der Biasra- bucht entstanden und für die bereits im Jahre 1874 das Reich um Schutz gebeten wurde.
Als im Anfange der achtziger Jahre ihre Handelsinteressen gefährdet wurden, erwarben sie 1884 von den Duala-Häuptlingen deren Hoheitsrechte, übertrugen sie aber sofort auf das Deutsche Reich. Infolgedessen erschien im Auftrage des Reiches der General-Konsul Dr. Nachtigal, von Togo kommend, auch hier und schloß an dem Küstenstrich zwischen dem Nigerdelta und Gabun mit den unabhängigen Stammeshäuptlingen eine Reihe von Schutzverträgen ab. Schon Ende des Jahres 1884 hatte man gegen die von den Engländern aufgehetzten Hvckory- und Joß-Neger-Stämme zu kämpfen und auch in der Folgezeit waren Aufstände der Eingeborenen häufiger als in andern Kolonien. — Die Grenze des Schutzgebietes ist nach Nordwesten hin durch fünf Verträge mit England, nach Südosten zu durch zwei Verträge mit Frankreich festgelegt worden.
Die gegenwärtige Gesamtbevölkerung läßt sich nicht zahlenmäßig bestimmen, da erst wenige Schätzungen der Eingeborenen vorgenommen worden sind.')
Die Zahl der Reichsdeutschen betrug vor 10 Jahren (1895) 153 und hat sich von 1899 (damals 348) bis zum Jahre 1904 (612) um 76"/» vermehrt. Von 1904—1905 ist sie von 612 auf 738, also um 126, gestiegen^ diejenigen der Weißen überhaupt nur um 116.
Es mögen etwa 7 Millionen Köpfe sein.