248
Algerien. — Marokko.
5 Millionen, steckt in industriellen Betrieben, und zwar fast ausschließlich in den Erzbergwerken. In den wenigen deutschen Handelshäusern arbeiten nur etwa 800 000 Mark.
Im Schiffsverkehr steht, was die Zunahme anbetrifft, die deutsche Flagge am günstigsten da; namentlich die deutsche Levantelinie,') die Hamburger Linien R. M. Sloman, A. C. de Freitas und die Bremer Linie Argo machen beträchtliche Fortschritte. Im Jahre 1901 betrug der deutsche Schiffsverkehr wenig mehr als des britischen, im folgenden schon mehr als halb soviel; er wurde im Jahre 1903 nur noch vom britischen und französischen übertroffen und bewältigte mit 577 527 Register-Tons allein 16,8°/o des gesamten Auslandverkehrs. Von der Gesamttonnage der Algier als Kohlenstation benutzenden Schiffe entfiel auf die deutschen nicht ganz der zehnte Teil.
In Algier amtiert ein deutscher (Berufs-) Konsul mit dem Charakter als General-Konsul.
VI. Marokko.
(Theob. Fischer in Dtsch. Erde, I, S. 18. — P. Mohr, Marokko. Berlin 1902 und in Dtsch. Erde II, S, 173 ff. — R. Jannasch, Deutsche Interessen in Marokko, in: Export, 25. Jahrg. (1903), S. 535. — G- Kampffmeyer, Marokko. Halle a. S. 1904. — E. Kaulisch in: Zeitschr. f. Kolon.-Recht usw. VI (1904), S. 885 ff.; Mitteilungen von Amtsrichter Dr. E. Kau lisch in Neuruppin.)
Aehnlich wie in Venezuela hat sich der deutsche Unternehmungsgeist auch in Marokko schon vor Jahrhunderten während einer Blütezeit des deutschen Handels betätigt: auch hier waren es Faktoren der Fugger und Welser, die von Portugal aus das unbekannte Land besuchten, um Getreide und den kostbaren Sasfran zu holeu. Freilich hat ihre Wirksamkeit keinerlei Spuren hinterlassen und nach der Vernichtung der portugiesischen Herrschast hörten überhaupt alle Beziehungen zwischen Deutschland und Marokko für lange Zeit auf; nur daß später ab und zu einzelne Deutsche au den Hof des Sultans kamen; unter diesen waren die Preußen — meist Edelleute — so stark vertreten, daß selbst heute noch der Deutsche vielfach von den Marokkanern als „Pruß" angeredet wird.^) Im Anfange des 19. Jahrhunderts haben unter der Seeräuberei an der atlantischen Küste auch deutsche Schiffe empfindlich leiden müssen; daß dann seit den sechziger Jahren wieder sreundlichere Beziehungen entstanden, ist wesentlich ein Verdienst der deutschen Forschungsarbeit, durch die auch dem Handel erst der Weg bereitet worden ist. Dem Afrikaforscher Heinrich Barth, der im Jahre 1844 den Reigen eröffnete, folgten bald Freiherr v. Maltzahn und G. Rohlfs; in den siebziger Jahren erforschten K. v. Fritsch, I. I. Rein und K. Koch den Atlas sowie das westliche Gebirgsland, und zuletzt untersuchte Oscar Lenz hauptsächlich die jenseits des Atlas liegenden Gebiete; auch Theobald Fischer und Graf Pfeil erwarben sich große Verdienste; das meiste verdankt man bisher wohl dem obengenannten Rohlfs, auf dessen Anregung im Jahre 1873 auch ein deutscher Vertreter nach Tanger entsandt wurde. Den Forschuugsreisenden solgten allmählich die deutschen Kaufleute, die zunächst in Casablanca, dann auch in Tanger und Mogador Firmen begründeten. . Im Anfange hatten die wenig kapitalkräftigen Teutschen mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen, da man noch immer allzu wenig von den natürlichen Verhältnissen des Landes wußte. Aber von neuem
Vgl. M. Hübner, Eine Pforte zum schwarzen Erdteil. Halle 1904, S. VII; H. versichert, daß man in den Häfen der Mittelmeerküste, die jetzt eifriger denn je von deutschen Reisenden besucht werden, mehr deutsch als englisch sprechen hört.
-) Kürzlich ist bekannt geworden, daß schon unter Friedrich dem Großen ein Projekt zur Anknüpfung eines direkten Handelsverkehrs zwischen Preußen und Marokko erörtert worden ist. S. Karl W- Müller, in: Sonntagsbeil. z. Voss. Ztg. 1906, S. 25f.