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Handbuch des Deutschtums im Auslande : nebst einem Adressbuch der deutschen Auslandsschulen / hrsg. vom Allgemeinen Deutschen Schulverein zur Erhaltung des Deutschtums im Auslande
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Algerien.

s. Algerien.

lM. Hübner, in: Unterhaltungsbeilage zur Täglichen Rundschau, 1!'02, Nr. 238. A. Etienne, Exporthandbuch, I, 1!)0, S- 88.)

Unter den ersten Kolonisten, die den siegreichen französischen Truppen im Jahre 1830 nach Algier folgten, befand sich auch eine Reihe Deutscher, die zumeist der zur Eroberung des Landes gebildeten Fremdenlegion angehörten; sie siedelten sich namentlich im Dorfe Prudon bei Sidi bel Abbes und in dem kleinen Städtchen Sa'ida an, in dem die Zahl der Deutschen seitdem beträchtlich gewachsen sein soll. Auch in andern Gegenden, wie in den Tälern des Kabnlengebirges, hier ist Menvrville fast nur von Elsaß-Lothringern bewohnt in Palestro, in dem Steppenhochland bei Batna, am Fuß des Bibangebirges und vereinzelt an andern Orten stößt man auf Siedlungen süddeutscher Auswanderer, deren Heimat man noch an der treu bewahrten Volkstracht zu erkennen vermag.

Für die Kolonisation des Landes wohl die größte Bedeutung hat die deutsche Kolonie in La Stidia (Am Sdidia, 16 Icw von Mostaganem entfernt), erlangt, deren Entwicklung einen interessanten Beitrag zur Geschichte der deutschen Auswanderung bildet. Ihre Entstehung beruht zum Teil aus einem Zusall: Anfangs der vierziger Jahre des 19. Jahrhunderts wanderten etwa 65 Familien armer Landleute aus der Gegend von Trier aus, in der Absicht nach Brasilien zu gehen; erst, als in Dünkirchen die Agenten plötzlich den Uebersahrtsvreis erhöhten, gaben sie dies Ziel notgedrungen aus und wandten sich kurzerhand an die französische Regierung mit der Bitte, sie in Algier anzusiedeln. Nach einigem Zögern schließlich wurde ihnen ihre Bitte gewährt, weil man in der Provinz Oran dringend Menschen brauchte. Auf die Kunde davon folgten den 339 zwei weitere Auswandererzüge, so daß es im ganzen 870 Personen waren, die die Reise von Marseille antraten; von diesen kamen freilich nur 843 lebend im algerischen Hasen Mers-el-Kobir an. Als Ansiedlungsgebiet wurde der Küsten­strich Oran-Mostaganem, der sich aus militärischen Gründen empsahl, bestimmt, und zwar brachte man 90 Familien nach La Stidia, 40 nach Muley-el-Magong.

Die Regierung, die allerdings ein großes Interesse an der möglichst schnellen Besiedlung dieses Landstriches hatte, kam den Deutschen in bemerkens­werter Weise zuvor: sie ermöglichte es, daß man sofort mit den Einebnungs- arbeiten und der Anlage von Gärten und Baumpflanzungen beginnen konnte; bald waren auch Backsteinbrennereien und Kalköfen im Betrieb. Am 4. Dezember 1846 erschien das Dekret, durch welches das neue Ansiedlungszentrum ins Leben trat. Im nächsten Jahre ergab sich bei einer Zählung ein Bestand von 92 Familien, die aus 124 Männern und 104 Frauen bestanden; einschließlich der Kinder waren es im ganzen neben 25 Franzosen und 4 Spaniern 438Preußen" Trotz der Fürsorge der Regierung stellte sich jedoch bald bittere Not ein, da es völlig an Betriebskapital sehlte und obendrein das Jahr 1849 eine Mißernte brachte. Die Regierung gewährte aber von neuem Unterstützung mancherlei Art, und so gelang es den arbeitsamen und soliden Kolonisten, allmählich einen gesicherten Wohlstand zu erringen. Namentlich seit 1856 hat sich dann die Ent­wicklung bis zum heutigen Tage in aussteigender Linie bewegt. La Stidia zählt zwar gegenwärtig nur etwa 100 Seelen mehr als im Momente der Gründung; man muß dabei jedoch bedenken, daß einige Leute nach Deutschland zurückgekehrt sind. Die deutschen Familien halten fest zusammen, und Heiraten mit Nichtdeutschen sollen äußerst selten vorkommen. Eine Vermischung mit den umwohnenden Spaniern und Franzosen hat jedenfalls nicht stattgefunden, und der deutsche Typus ist unverändert erhalten geblieben. Die Erwartung der Regierung, daß sich die Kolonisten assimilieren würden, ist bisher nicht in Erfüllung gegangen: I.:i LticZia S8t lestes Äujoui'ä'dui <^ M'ells avult <5t6 uv. ä^Kut: uu villL^s

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