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Anlagen zum zweiten Abschnitt.
1. Der geographische Aufbau des afrikanischen Kontinents.
(Auszug aus: „Allgemeine Länderkunde" 2. Auflage „Afrika" von Prof. Dr. Friedrich Hahn.)
Der südliche Teil des Kontinents ist merklich höher als der Norden. Im großen Ganzen ist eine langsame Abdachung von Süden nach Norden vorhanden. Auf die hohen Tafelländer des Kaplandes und der Burenrepubliken mit etwa 1200 m folgt das Becken des Ngami mit gegen 900 w, das Sambesital an den Viktoriafällen mit gegen 800 m, die Wasserscheide zwischen Sambesi und Kongo mit 1100 bis 1300 m, das Kongobecken selbst mit etwa 400 m, die Wasserscheide gegen den Schari mit höchstens 500 rn, das Becken des Tsadsees mit etwa 270 w, die große Wüste mit 500 w und schließlich die teilweise unter den Meeresspiegel hinabreichenden libyschen Oasen und das niedere Plateau von Tripolitanien und Barka.
Ein noch größerer Gegensatz zeigt sich zwischen dem hohen Osten des Kontinents und dem weniger hohen Westen: Mpapua in Deutsch-Ostafrika liegt schon 1010 m hoch, Tabora 1240 m, der Tangcmyiknsee 810 m, Nyangwe am Kongo nur noch 530 m, der Stanley Pool 280 w. Doch ist der Westrand des südafrikanischen Dreiecks meist wieder höher als die inneren Landschaften, so daß die allgemeine Abdachung von Osten nach Westen nahe am Atlantischen Ozean noch einmal unterbrochen wird, was besonders im Kongostaat Land- und Wasserwege sehr nachteilig beeinflußt.
Durch die doppelte Abdachung von Süden nach Norden und von Osten nach Westen erhält Afrika im Mittel eine Abdachung von Südosten nach Nordwesten, was besonders auffällig wird, wenn man den Atlas, der ohnehin mit Afrika wenig zu tun hat, außer Betracht läßt. Verbindet man Sao Paulo de Loanda mit Kcissala durch eine Linie, so steht der hohe Teil im Südosten dem weniger hohen im Nordwesten streng geschieden gegenüber. Diese Grenzlinie ist im Flußlauf des Kongo unterhalb von Bangala und in der Achse des Systems des Weißen Nils vom Lande der Niam-Niam bis Berber besonders ausgeprägt.
Da in Afrika Hochländer vorwiegen, Tiefländer sehr zurücktreten, andererseits aber auch längere, regensammelnde Gebirgsketten im größten Teile des Kontinents ganz fehlen, so läßt sich schon erkennen, daß die Flüsse keine Verkehrswege ersten Ranges, sondern mindestens durch Fälle und Stromschnellen unterbrochen sein werden. Keiner der größeren afrikanischen Flüsse ist ganz ohne Stromschnellen, viele dieser Schiffahrtshindernisse spielen in der Erfor schungsgeschichte des Innern eine große Rolle' mehrfach,
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