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Stichbahnen und des zögernden Vorgehens mit Schienenwegen vielleicht ein günstiges Moment,- aber auch nur in diesem einen Punkt, denn es steht außer Frage, daß bei rascherein Vorgehen die Entwickelung Deutsch-Ostafrikas eine befriedigendere gewesen wäre, der Aufstand vou 1905 wäre dem Reich sehr wahrscheinlicher Weise erspart worden und der Augenblick, in dem die Kolonie keine finanzielle Belastung mehr für das Mutterland darstellt, würde weit näher als heut liegeu.
Wenn diese Denkschrift darauf verzichtet hat, jetzt bereits vorhandene Werte zahlenmäßig anzuführen und daraus auf eine etwaige Rentabilität von Vahnbauten Schlüsse zu ziehen, so geschah dies, weil solche Zahlen mit Deutlichkeit nichts anderes beweisen würden, als daß uuter dem bisherigen System einer zurückhaltenden Verkehrspolitik Deutsch-Ostafrika, das zweimal so groß ist als das Deutsche Reich, iu zwanzig Jahren noch nicht einmal dahin gebracht werden konnte, daß seine Handels- beziehungeu und ssine sonstigen Ergebnisse irgendwie für das Mutterland ins Gewicht fallend sind, daß ohne Änderung dieser Politik weder der geringe reale Nutzen, den die Kolonie heilte dem Reiche bringt, vermehrt, noch die Zuschüsse, die zur Erhaltung uuserer ganzen Stellung in Ostafrika und des bisher dort Erreichten zu zahlen sind, jemals vermindert werden können.
Das Vorgehe::, das hier empfohlen wird, stützt sich auf die Kenntnis vom Vorhandensein günstiger Vor- bediuguugeu und Grundlagen einer großen Entwicklung, auf Erfahrungen, die zum Teil erst die letzten Jahre gebracht haben und die durchweg und in steigendem Maße zeigen, daß Deutsch-Ostafrika zu eiuem Besitz gemacht werden kann, der einen wirklichen Wertzuwachs für das Reich darstellt.
7. Urteile über den wirtschaftlichen Wert von Deutsch- Ostafrika nach älteren und neuesten Quellen.
Es gibt Wohl keiu Laud in Afrika, Ägypten und Marokko ausgenommen, das in den Darstellungen der berühmten Afrikareisenden uud überhaupt in der Literatur als so reich uud aussichtsvoll hingestellt wird, als ein großer Teil des mittleren Gebietes von Ostafrika, das bekanntlich in seinen Küstengegenden in früheren Jahrhuu- derteu bereits eine portugiesische Kolonie war und schließlich zum Teil zum Sultanat von Sansibar gehörte. Die weuigsteu vou denen, die behaupten, daß Deutschland in Afrika nur noch solche Gebiete bekommen habe, die andere Völker als wertlos unbesetzt ließen, wissen etwas davon, wieviel Kriege seit Jahrhunderten um den Besitz des Landes geführt wurden, das wir heute unsere ostafrikauische Kolonie heißen.
Als die deutsch-ostafrikauische Gesellschaft für das Gebiet vou Deutsch-Ostafrika deu kaiserlich deutscheu Schutzbrief bekam, da konstatierte die Londoner „Times", daß nun den: deutschen Einfluß „eiu unermeßliches Gebiet fruchtbarer uud gesunder Länder in Ostafrika" erschlossen worden sei und läßt die Bedeutung, welche sie dem Besitze jener Territorien znmißt, sehr deutlich aus folgendem Stoßseufzer erkennen, mit dem sie ihre Reproduktion des Kaiserlich deutschen Schutzbriefes begleitet:
„Die Lektüre dieses Schutzbriefes wird sicherlich der ^trioitli (^omvau^ in Glasgow kaum Freude macheu, da deren Ziele darauf hinausgehen, die Gebiete zwischen