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Die Eisenbahnen Afrikas : Grundlagen und Gesichtspunkte für eine koloniale Eisenbahnpolitik in Afrika
Entstehung
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4. Eisenbahnprojekte in Portugiesisch-Ostafrika.

Zu den großen Kolonialprojekten, deren Verwirk­lichung man unter dem gegenwärtigen Lissaboner Mini­sterium hier entgegensieht, gehört der Bau einer Eisenbahn von Ouelimcme nach dem Innern.

Das Projekt datiert schon aus der Zeit der letzten achtziger Jahre und hat eine lange und Wechselreiche Geschichte.

Schon 1889 wurden für eine Linie von Ouelimane nach der Stelle, wo der Zambesi mit dem Chirefluß zusammentrifft, Vorarbeiten gemacht. Diese Linie würde 175 Km lang gewesen sein und sollte zwei kleine Zweig­bahnen haben.

Im Jahre 1895 wurden von der Zambesi-Eisen­bahngesellschaft (^omvaniuk (ios Oamiolros äo k'eri'o 6a, Zamo68iA), die von der Zambesi-Gesellschaft (Oomvannig. äa, Aamdesia) die entsprechenden Baurechte erhalten hatte, Vorarbeiten gemacht für eine von Quelimane weiter nördlich verlaufende bei Ruo das englische Gebiet treffende Bahn. Diese Bahn würde 295 !<m lang sein und hätte eine Steigung von 600 m zu überwinden.

Diese Gesellschaft erhielt von der Negierung, um sie zu dem Bau der Bahn finanziell instand zu setzen, das Recht, während 66 Jahren einen Durchgangszoll von 3 v/g für die aus dem Innern kommenden Waren zu er­heben, und weiter als Anleihe eine jährliche Summe, so groß um die Verzinsung von Obligationen im Betrage von 1 400 000 ^, zu deren Ausgabe die Gesellschaft gleichzeitig ermächtigt wurde, zu ermöglichen.

Obwohl das Projekt jetzt finanziell gesichert war, kam es nicht zur Ausführung, da die Gesellschaft keine Garantie dafür hatte, daß die Bahn im Gebiete von Britisch-Zentralafrika eine Fortsetzung erhalten würde.

Als sich jedoch im Jahre 1902 eine Gesellschaft für den Bahnbau in Britisch-Zentralafrika gebildet hatte, wählte diese ohne Rücksicht auf die älteren portugiesischen Pläne die Linie von Port Herald im Südende des briti­schen Territoriums nach dein nördlich gelegenen Blantyre, augenscheinlich mit der Idee, die Weiterbeförderung der Waren auf dem Shire und dem Zambesi durch ent­sprechende Flußkorrektionen zu ermöglichen bezw. günstiger zu gestalten.

Die Zambesi-Eisenbahngesellschaft sah sich nun ge­nötigt, ihr nördliches Bahnprojekt fallen zu lassen und den Bau einer bei Port Herald die britische Linie treffen­den Bahn ins Auge zu fassen. Diese Bahn würde er­heblich näher uud beinahe parallel dem Zambesifluß laufen und daher unter Umständen durch die Konkurrenz des Wasserweges beeinträchtigt werden. Die Gesellschaft er­wirkte daher die Aufhebung des Durchfuhrzolles von 3 v/y und die Erhöhung der jährlich auf Anleihekonto vom Staate zu zahlenden Summe auf 50 000 ck.

Eine auf dieser Basis ausgearbeitete Parlaments­vorlage kam wegen des Wechsels des Ministeriums in diesem Frühjahr nicht zur Erledigung. Jetzt hat der neue Kolonialminister einen Gesetzentwurf eingebracht, der der Negierung das Recht gibt, die Bahn selbst zu bauen, falls die Gesellschaft den Bahnbau nicht in die Hand nimmt.

Der Gesellschaft sollen durch eine Obligatiousausgabe von 1 000 000 rückzahlbar in spätestens 66 Jahren, die Mittel zum Bahnbau verschafft werden, während die Regierung im anderen Falle für sich eine Anleihe von 800 000 L aufzunehmen berechtigt sein soll.

Im Interesse des englischen Hinterlandes wie der portugiesischen Kolonie liegt es, daß die Vorlage endlich erledigt wird. Die Verhältnisse drängen besonders des-