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Die Eisenbahnen Afrikas : Grundlagen und Gesichtspunkte für eine koloniale Eisenbahnpolitik in Afrika
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Zweitem Abschnitt

Eisenbahnpolitische Ergebnisse.

I. Entwicklung und Stand.

Die Gesichtspunkte der natürlichen und politischen Geographie, die für die Entwicklung des Eisenbahnwesens in Afrika von Bedeutung sind, wurden in dem voraus­gehenden ersten Abschnitt bei der Darstellung der Ent­wicklung der Kolonialeisenbahnen in den einzelnen Terri­torien schon vielfach gestreift. Was sich zusammenfassend für den ganzen Kontinent über die Bedeutung geo­graphischer und politischer Verhältnisse für die Entwicklung des Eisenbahnbaues sagen läßt, kann hier nicht erschöpft, sondern es muß auf die allgemeine Literatur über Afrika verwiesen werden.

Bezüglich der natürlichen Geographie findet sich in ^ der Anlage L. 1 eine kurze, das Wesentliche hervorhebende ^5^5 Darstellung des geographischen Aufbaues von Afrika in seiner Beziehung zu den Verkehrswegen aus dem in dem WerkeAllgemeine Länderkunde" von Professor Sievers enthaltenen BandeAfrika" von Professor Dr. Friedrich Hahn. Auch eiu Blick auf eine oro- und hydrographische Karte für Afrika dürfte zum Verständnis des gesamten afrikanischen Eisenbahnwesens unumgänglich notwendig sein. Es ist wenig bekannt, daß Afrika in dem Mittel der Bodenerhebung zu den höchsten Erdteilen gehört. Diese bedeutende Mittelhöhe ist aber weniger durch wenige Bergriesen, als durch die große Ausdehnung der tafelartigen Hochländer bedingt. Man hat die Form des Kontinentes Afrika mit einem umgestürzten Teller ver­glichen. Das Innere Afrikas ist ein nach Nordwesten zu abfallendes Hochland, von welchem das Hochland des Sudan, das von Abessinien, das von Aquatorialafrika und das ostafrikanische Seenhochland bemerkenswerte Teile bilden. Durch diesen geologischen Aufbau Afrikas müssen fast alle längeren afrikanischen Eisenbahnstrecken den Charakter von Gebirgsbahnen bekommen. Aus diesem Aufbau erklärt sich auch die verhältnismäßig geringe Schisfbarkeit der afrikanischen Ströme trotz der gewaltigen Ausdehnung des Stromsystems. Bei dem Abfluß über den Tellerrand des Tafellandes zur Küste treten die für Afrika so charakteristischen Katarakte in den Flußläufen ein.

Klimatisch ist der Unterschied zwischen dem tropischen und außertropischen Afrika auch für die Entwicklung des Eisenbahnnetzes von großer Bedeutung. Die klimatischen Verhältnisse gestatten in Südafrika (etwa vom 19 ° südl. Breite ab) sowohl wie am Nordrand die Entstehung einer Kultur, ähnlich der von Südeuropa, und einer dem- entsprechenden Ausbildung deS Eisenbahnnetzes. Im tropischen Afrika dagegen ist die Kultur überwiegend von der Eingeborenenarbeit abhängig. Doch treten auch hier

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