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West-Afrika / von Moritz Schanz
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in Knbub ansässige Landwirt Ernst Hermann, einer der ältesten hiesigen Kultur- pioniere und schon seit 1888 im Schutzgebiet thätig, rechnet als jährlichen Ertrag auf das Schaf 5 Pfund Wolle und auf die Angoraziege 3 Pfund Mohair; nach den langjährigen Ersahrungen der Kapkolonie scheinen diese Zahlen aber etwas zu hoch veranschlagt, und die Versuche mit Wollschafen und Angoraziegen in unserem Schutzgebiet siud im übrigeu bislang vielfach mißglückt.

Um mm eineu größeren Versuch mit der so wichtigen Einführung von Wollschafen und Angoraziegen vorzunehmen, hat sich im März 1901 in Berlin die

Südwest-Afrikanische Schäferei-Gesellschaft gebildet mit einem Kapital von 600000 Mark, von welchem 300000 Mark von der Wohlfahrts­lotterie gestiftet und an die Deutsche Kolonialgesellschaft überwiesen wurden. Durch Vermittelung des Kaiserlichen Generalkonsuls iu Kapstadt, Herrn von Lindeqnist, der srüher als Regieruugsassessor jahrelang dem Gouvernemeut von Deutsch-Südwestafrika zugeteilt war und dort sehr verdienstvoll wirkte, sind in der Kapkolonie die beiden Fachleute Kleudgen und Hußfeld gewonnen worden, welche Ende 1901 damit betraut wurdeu, in unserem Schutzgebiet zunächst geeignetes Weideland auszusuchen und die nötigen Vorbereitungen für die Aufnahme der alsdaun in der Kapkolonie anzukaufenden Herden zu treffen.

Wer die Viehwirtschaft in kleinem Maße beginnen will, so, daß er nach dem ersten Jahre das verdient, was er zum Lebeu braucht, muß mindestens 10000 Mark Bargeld mitbringen, uud ob ein deutscher Bauer sich mit dieser Snmme daheim nicht besser steht, ist doch wohl fraglich, besonders wenn man in Betracht zieht, welch entsagungsreiches Lebeu der Ansiedler in Südwestafrika führen muß.

Angesichts der durch den Krieg so reduzierten Viehbestände in den Buren­staaten und selbst in der Kapkolonie eröffnen sich für die nächste Zeit aber ver­hältnismäßig günstige Aussichten für uusere Viehzüchter.

. Ein kleiner Anfang mit der Straußenzucht ist bei Wiudhoek gemacht worden, und das Kolonialwirtschaftliche Komitee in Berlin hat im Jahre 1901 auch gegen 100000 Eier in drei verschiedenen Sorten für die Seidenranpen- zucht verteilt; dieser Versuch ist aber mißglückt.

Der Ackerbau innerhalb unseres Schutzgebietes ist, da nur ein kleiner Teil des Bodens dem Spaten und Pflug zugänglich, im allgemeiueu blos in bescheidenem Umfang und nur im Nordosten anf größeren Strecken möglich. Von Alters her ist er hier dnrch die Ovambos, von den Hereros nur gauz wenig uud vou den Nama gar nicht betrieben worden. Nachdem im Jahre 1850 der Missionar Hahn den ersten Weizen im Süden ausgesät, ist dies Beispiel auch von den Eingeborenen befolgt worden. Der für Landban geeignetste Teil liegt in der Nähe von Gobabis nnd von Grootfontein, nnd hier trifft man fruchtbaren Boden, zahlreiche artesische Brnnnen und regelmäßigen Regenfnll an; allerdings weist diese Gegend als Schattenseiten ungesundes Klima, die Heuschreckenplage