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West-Afrika / von Moritz Schanz
Entstehung
Seite
277
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Deutsch Westafrika.

Die erste deutsche Festsetzung in Westafrika erfolgte bekanntlich schon unter dem großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg, der getreu seiuer Anschauung, daßSeefahrt und Handlung die fürnehmsten Säulen eines Estats seien," der einstmals so stolzen, inzwischen aber klanglos untergegangenen Hansa nacheiferte, und von Benjamin Raule, dem Generaldirektor seiner Marine beraten, darnach trachtete, gleich auderen Nationen Niederlassungen iu überseeischen Ländern zu begründen. Er verfiel dabei auf die altberühmte und verheißungsvolle Gold­küste und sandte dahin vorsichtshalber zunächst zwei brandeuburgische Schiffe, darunter denMoriahn", dessen Kapitän Blonck am 16. Mai 1681 mit drei Negerhäuptlingen ein Abkommen dahin traf, daß letztere fortan nur mit branden­burgischen Schiffen Haudel treiben, den Kurfürsten als ihren Schutzherren an­erkennen und ihm Lcmd zum Bau eines Forts überlassen würden.

Auf Grund dieses Vertrages wurde am 17. März 1682 die Afrikanische Handelskompagnie gegründet, welche am 8. November 1682 einen Schutzbrief auf 30 Jahre bekam, nachdem das erforderliche Kapital mit großer Mühe uud unter starker persönlicher Beteiligung des Kurfürsten selbst zusammengebracht worden war. Unter dem Major Otto Friedrich von der Grüben wurde älsdaun eiue weitere Expedition von zwei Fregatten entsandt, welche am 27. Dezember 1682 am Kap der drei Spitzen, nahe der befestigten holländischen Niederlassung Axim, vor Anker ging. Die Holländer suchten zwar die Brandenburger mit allen Mitteln fernzuhalten, aber Groben hißte am 1. Januar 1683 die brandeu­burgische Flagge auf, dem Berge Manfro, wo die Feste Großfriedrichsbnrg er­stand und schloß am o. Januar einen Vertrag mit 14 Häuptlingen der Nach­barschaft. Am 24. Mai 1684 wurde auch Accada, wo mau die Dorothecnschanzc baute, am 4. Februar 1685 Taccarary uud später Taccrama erworben, welche Punkte nahe beieinander auf jetzt englischem Gebiete liegen und damals von englischen uud holländischen >Besitzungen umgebenj waren. Im Jahre 1685 kam dadurch, daß Kapitän Kornelius Reers hier den roten Adler Knrbrandcnbnrgs hißte, auch noch der Küstenstreifen vom 24° nördlicher Breite bis zur Seuegal- mündung und der Archipel der Arguin-Jnsel hinzu, der durch eine Festung auf der Insel Arguin geschützt wurde, sowie durch Pachtvertrag mit den Dänen eine Handelsniederlassung ans der Insel S. Thomas in Westindien, wohin die Brandenburgische Kompaguie einen gewinnbringenden Handel mit afrikanischen