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Bäckerei, Gastwirtschaft, Schmiede, Wageubau, Gärtnerei, Spedition nnd Puch^ Handel betrieben.
Die hier kursierenden Münzen sind schon längst fast ausschließlich deutsch, am 1. Februar 1901 wurde die Reichsmarkrechnung auch gesetzlich eingeführt nnd als Zahlungsmittel gelten nun die Reichsmünzen mit Ausnahme der Stücke von 20 Pfennigen und von 5 Mk.. Maße und Gewichte sind laut Verordnung vom 8. November 1899 nur noch metrisch.
Was nun die wirtschaftliche Ausnutzung uuseres Südwestafrikanischeu Schutzgebietes anbetrifft, so war es in dieser Beziehung lauge Zeit recht still; war einerseits die Kolonialverwaltnng zurückhaltend in der Geltendmachung ihrer Autorität, so zeigte sich andrerseits auch das Kapital zaghaft, besonders da die Erzfunde sich als nicht lohnend erwiesen; der kleine Ansiedler war ohne genügenden Schutz, der Haudel äußerst gering und man zählte innerhalb Deutsch-Südwest - afrikas im Jahre 1890 nur 100 Deutsche uud 500 audere Weiße, meist Engländer.
Das hat sich nun inzwischen in mancher Beziehung gebessert.
Bevor wir uns zunächst einer kurzen Besprechung von Viehzucht und Ackerbau zuweudeu, erscheint es angebracht, einen Blick auf die für diese Erwerbsthätigkeiten ebenso wie für den Verkehr hochwichtige Frage der
Wasserbeschaffung zu werfen, welche durch die im Abschnitt über das Klima geschilderten Verhältnisse bedingt wird und deren Lösung man ernste Aufmerksamkeit widmet. Au vielen Stellen sind Brunnen gegraben und erbohrt worden, die, wie in Swakopmund, die wachsende Bevölkerung versorgen, den Eisenbahnstationen dieneu, oder dem Frachtverkehr mit Ochseuwageu unschätzbare Hülfe leisten und die Bewässerung von Gärten ermöglichen; auch haben mehrere Farmer, sowie eiu Bewässeruugs-Syndikat und die Regieruug Staudämme errichtet, um das nutzlos abfließende Wasser in großen Becken anzusammeln, die der Bewässerung von Feldern dienen sollen. So entsandte das Syndikat für Bewässerungsanlagen in Deutsch-Südwestafrika (Borstand Ernst Bohsen), das am 28. Juni 1896 von der Siedelnngsgesellschaft gegründet wurde, mit Unterstützung dieser und der Reichsregierung verschiedene Expeditionen zur Lösung der für die Kolonie so wichtigen Wasserfrage, zunächst 1896/97 den Regierungsbaumeister Th. Rehbock, welcher seine Untersuchungen in Begleitung von I. C. Watermeyer anstellte, damals Analyst im Ackerbanministerium der Kapkolonie, jetzt landwirtschaftlicher Beirat in nnserm südwest- asrikanischen Schutzgebiet. Diese Kommission besuchte zunächst die Kapkolonie und die Burenstaaten, untersuchte darauf die Bedingungen des Herero- und des Namalandes und schlug als besonders aussichtsvoll die Alllage eines Stalldammes nnd einer Ackerbauansiedlung bei Hatsamas, 65 Km südlich von Windhoek vor. Dieser Plan, welcher eiUen Aufwaud vou ruud 3 Milliouen Mark vorsah, erregte auf verschiedenen Seiteil, auch iu uuserem südwestafrikanischeu Schutzgebiet selbst, technische nnd wirtschaftliche Bedenken, uud das Syudikat veranlaßte