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die Konzessionsurkunde ausdrücklich „Handelsfreiheit" vor, aber die bereits in dein Gebiet bestehenden älteren Handelsfirmen sahen wohl ein, daß diese „Landkonzession" in der Praxis sich zu einer „Handelskonzession" entwickeln würde, ähnlich wie bei der Nisssr eowMn^ uud sie ergaben sich deshalb lieber
freiwillig. Schon 1899 übernahm die Gesellschaft Nordwest-Kamerun die 4 Faktoreien der Firma Westphal, Stavenow & Co. und am 1. Mai 1900 die gesamten Ländereien und Faktoreien der Firmen C. Wörmann und Jantzen & Thormählen nördlich des Sanaga — mit Ausnahme von C. Wörmann's Faktorei in Victoria — und die beiden genannten Firmen verpflichteten sich, nördlich vom Sanaga keinen Handel mehr zu treibeu. Der Betrag für Übernahme dieser Firmen wurde uicht in bar, sondern in Gestalt von als voll bezahlt geltenden Anteilscheinen entrichtet, um welche sich das bisherige Aktienkapital von 4 Millionen Mark erhöht.
Die Gesellschaft begann durch verschieden Expeditionen mit der Ausschließung der Nordwestseite ihres Gebietes, das sie zunächst vom Rio del Rey aus zu erreichen suchte, später aber auf dem billigeren Wasserwege von Old Calcibar aus und auf dem Croß-Fluß; 2 Heckraddampfer, 4 Dampfbarkasfen und 2 Leichter stehen ihr dazu zur Verfügung und bringen Ebenholz, Palmkerne und Kautschuk uach Old Calabar. Um dem Mangel einer direkten Verbindung mit der Küste zu begegnen, hat man die allmähliche Vorrückung von Stationen ins konzessionierte Gebiet hinein in Aussicht genommen, und der Bahnbau Victoria—Mundame würde, besonders in seiner eventl. Fortsetzung, auch der Gesellschaft Nordwest-Kamerun zu gute kommen. Das erste Geschäftsjahr, ein Jahr der Einrichtung, war nicht günstig, uud das Duala-Geschäft an der Küste, wo man mit dem Trust-System zu brechen sucht, warf keinen Gewinn ab. In Mundame hat man eine kleine Versuchsplantage für Kautschuk und Ramie eingerichtet, um später eventl. auch im Konzessionsgebiet selbst solche Plantagen anzulegen, am Croßfluß hat man bereits eine Kautschukpflanzung geschaffen. Leiter der Unternehmungen in Afrika ist der Hauptmann a. D. Ramsay.
Werfen wir zum Schluß noch einen Blick auf die beiden Haupt-Küsteu- plätze. Hinter einer, zwischen Kap Kamerun im Westen und Kap Suellaba südöstlich davon, 8 Kin breiten Einfahrt öffnet sich in Gestalt eines fünfzackigen AHornblattes das Kamerun-Ästuar mit seineu langsam wachsenden Schlammbänken, nnd am südlichen, linken Ufer des Wuri, des eigentlichen Kamerunflusses, liegt auf der Joßplatte die frühere Residenz des Gouverneurs, Duala. Dem flache:? Strand entlang nach Nordosten zu ziehen sich in langer Reihe die Ansiedlungen der Europäer, nachdem die früher als Faktoreien benutzten Hulks aufgegeben sind, nnd weiter flußaufwärts liegen die Hauptdörfer der Duala: Belldorf, Akwadorf und Deidodorf, auf der andern Seite des Flusses das Duäla-Dorf Hickory. In der Höhe der Joßplatte liegt die Kamerun-Barre, welche von Seeschiffen nur bei Flut passiert werden kann.