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West-Afrika / von Moritz Schanz
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312
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Kamerun.

Die ersten Europäer, welche sich an dieser, von Diego Cao entdeckten und zeitweilig auch von Holländern und Dänen beeinflußten Küste niederließen, waren um die Mitte des 19. Jahrhunderts englische Kaufleute, uachdem sich die Duala-Häuptliuge England gegenüber schon durch Vertrag vom 7. Mai 1841 gegeu eine Vergütung verpflichtet hatten, keinen Sklavenhandel mehr zu treibeu. Kurze Zeit darauf finden wir auch bereits Deutsche als erste wissenschaftliche Forscher im Hiuterlaud der Kameruuküste wirken: Heinrich Barth entdeckte 1851 den Oberlauf des Benus, 1854 Eduard Vogel deu Unterlauf dieses bedeuteudsteu Nebenflußes des Niger, und der Botaniker Mann besuchte 1861 Fernando Po, 1862/3 Kamerun. Neben den englischen Kaufleuten waren auch bald, zunächst vorübergehend ab 1845, englische Baptisten-Missionare vom nahen Fernando Po herübergekommen, und der Missionar Saker ließ sich im Jahre 1858 definitiv in der Ambas-Bucht nieder und gründete hier unter englischem Schutze die Missious- station Victoria, als die Ausübung protestantischen Gottesdienstes auf der spauischeu Insel verboten wurde und man dort Jesuiten einführte. Zur Beilegung etwaiger Streitigkeiten zwischen Engländern uud Eingeborenen hatte man durch Vertrag vom 14. Januar 1856 denOamkroons Ocmi-t ok L^nit^" geschaffen, als dessen Gerichtsherr zeitweilig der englische Konsul für die Buchten von Biafra und Benin von Old Calabar nach Kamerun herüber kam. Dieser Gerichtshof, der gewissermaßen eine Art englische Schutzherrschaft repräsentierte, stellte aber nach einigen Jahreu seine Thätigkeit ein und trat erst im Jahre 1883 nunmehr aus Mitgliedern der verschiedenen hier vertretenen Nationalitäten zusammengesetzt auf Englands Vorschlag hin wieder ins Leben, das allerdings nur ein Schein­leben war, da der Gerichtshof keine Macht besaß, um die Ausführung feiner Urteile zu erzwingen.

Neben den Engländern waren inzwischen auch die Deutscheu hier erschienen; im Jahre 1869 hatte die Hamburger Firma Carl Woermcmn Faktoreien in Kamerun und Batanga errichtet, 1874 gründeten frühere Angestellte von ihr das Hamburger Haus Jantzen und Thormählen und sodauu folgten einige andere hanseatische Kaufleute; ab 1879 begauu die Firma Woermcmn einen regelmäßigen Dampferverkehr zwischen Hamburg und Westafrika einzurichten uud der wachsende deutsche Eiufluß erregte bald MißHelligkeiten mit den eifersüchtigen Engländern.

Schon im Jahre 1874 hatte Woermann die deutsche Regierung um Er­nennung eines Konsuls für Kamerun ersucht, die Bitte war aber erfolglos geblieben, und ebensowenig ging England auf den 1882 ausgedrückten Wuusch seiner Lands- lente in Kamerun ein, dort das Protektorat zu übernehmen. Inzwischen gingen die Eifersüchteleien zwischen den englischen und deutschen Kaufleuten weiter; ohne