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Versuchspflanzung in so großem Maßstab entstanden, daß hier nicht nur kleine Proben gewonnen, sondern einheitlich zubereitete Ernten zum Verkauf auf deu Markt gebracht werden konnten. Ende 1901 waren 38 Im bebaut. Das Hauptaugenmerk richtete man auf die Kultur des Kakaos, daneben zog man Gewürze, Kautschukpflanzen, Kaffee u. f. w., und unterstützte die Pflanzer durch Abgabe von vielen Tausenden von Kakao-, Kaffee-, Kardamom- uud anderen Pflanzen, sowie von Saatfrüchten und Samen. Neben 3 Europäern sind in dieser Versuchspflanzung 50 bis 70 eingeborene Arbeiter beschäftigt.
Die erste Ernte Gewürznelken aus dem botanischen Garten von Victoria ist 1902 auf den Markt gekommen und vorzüglich ausgefallen.
Dr. Preuß hat kürzlich eine Spielart der Ölpalme festgestellt, die Lisombe- Varietät, deren Früchte viel ölhaltiger und deren Kerne sehr dünnschalig sind; diese Palme würde nach Erfindung geeigneter Maschinen zur Behandlung der Kerne anch in Plantagenkultur lohneu.
Eine Anlage für Holzbearbeitung ist an dem zwischen Kribi und Groß- Batanga mündenden Lobe-Fluß vorgeschlagen worden, dessen Wasserkraft dabei vorteilhaft ausgenutzt werden könnte.
Einen überaus wichtigen Punkt für den Plantagenbetrieb bildet natürlich anch hier die Arbeiterfrage.
Zur Urbarmachung und BePflanzung von einem Urwald find im allgemeinen 2 Arbeiter nötig, später kann man durchschnittlich einen Arbeiter auf den Ii3. rechnen, und wo Feldbahnen den Betrieb erleichtern, genügen allenfalls 3 Arbeiter für 4 lia. Demnach bedürfen die Plantagen ein nach Tausenden zählendes Arbeitspersonal und die Nachfrage nach demselben steigt mit der Ausdehnung der Pflauzuugeu. Leider ist nun das Kamerungebirge selbst und sein näheres Hinterland nicht imstande, die nötigen Arbeitskräfte zu stellen; die Küstenbewohner genügen nicht an Zahl, die Bakwiri sind bislang im allgemeinen keine Freunde von Feldarbeit und die Duala sind zu faul, sodaß zu den Eingeborenen der Plantagengegend fremde Arbeiter herangezogen werden müssen. Am liebsten verpflichten sich die Plantagen Kru-Leute, dieselben sind aber in ganz Westafrika so stark begehrt, daß sie nur schwer und für verhältnismäßig hohe Löhne, zuweilen sogar überhaupt uicht zu haben sind, auch verdingen sie sich nur auf ein Jahr, und man hat sich deshalb auch nach anderen Arbeitern, z. B. in Togo, L agos, Accra und Dahome, vornehmlich aber in: Kamerun gebiet selbst umgesehen. An der Küste und im Süddistrikt, wo monatlich 8000 Träger nach der Küste gehen, war dazu allerdings wenig Aussicht und man mußte seiu Glück deshalb im Hinterland versuchen.
Eine Kouferenz, die im Sommer 1898 in Berlin zwischen Regierungsver- treteru und Pflanzungsinteressenten betr. Beschaffung von Arbeitern stattfand, führte zur Einsetzung eines amtlichen Arbeiterkommissars in Kamerun, um die dortigeu Plantagen mit Arbeitern zu angemesseneu Lohnsätzen zu versorgen. Das Gou-