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West-Afrika / von Moritz Schanz
Entstehung
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Kapital, gedachte zunächst Faktoreien in Batanga und Kribi zu errichten, hatte aber auch uoch keiue rechtliche Form angeuommen.

Gleichfalls unter der Direktion H. Jaeger stand die am 19. September 1900 mit 253000 Mk. gegründete Deutsche Handelsgesellschaft Kamerun, welche ihr Kapital auf 500000 Mk. zu erhöhen wünschte, ein Hotel und Restaurant auf der Joßplatte (Duala) eingerichtet hat und Handelsstationen daselbst und in Nabassi betreiben wollte, im übrigen auch noch keine Gesellschaftsform an­genommen hatte.

Die schlechte Geschäftsführung dieser 3 Gesellschaften, um welche sich die Aktionäre leider sehr wenig gekümmert hatten, führte im Jahre 1902 zu einem vollständigen Zusammenbrnch; die alten Geschäftsführer wurden nun endlich ent­fernt und man beschloß die Liquidation der 3 Gesellschaften. Außer dem gänz­lichen Verlust der eingezahlten Kapitalien wurde noch ein Defizit von über 200000 Mk. festgestellt, für welches nach einem Gutachten des bekannten Kolo­nialpolitikers Dr. Scharlach in Hamburg die Mitglieder sämtlicher 3 Gesell­schaften verantwortlich sein sollten, da es sich hier überhaupt nicht umAktionäre" handle, sondern um Teilhaberoffener Handelsgesellschaften" oderVereine", von denen jeder für das Ganze haftbar sei, eine Auffassung, die übrigens auch in juristischen Kreisen nicht unbestritten geblieben ist. Die Hauptgläubiger Weber u. Schaer in Hamburg hatten aber nicht den Wunsch, es zum Konkurs kommen zu lassen und für den Ausfall au ihren Forderungen die gutgläubigen Aktionäre heranzuziehen, sondern unternahmen es, eine Rekonstruktion einzuleiten. Man will unter dem NamenDeutsche Kamerun-Gesellschaft" mit 500000 Mk. Kapital und unter der Oberleitung von Weber u. Schaer stehend eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung gründen, welche die Aktiven und Passiven der drei älteren übernehmen soll, und zwar sind von diesem Kapital 300000 Mk. zur Befriedigung der Gläubiger, weitere 200000 Mk. als Betriebskapital in Aussicht genommen.

Über die beiden großen konzessionierten Gesellschaften Südkamerun und Nord West-Kamerun, welche die Privatkoukurreuz sehr eingeschränkt haben wird weiterhin des Näheren zu berichten sein.

Wenn auch der Handel mit den Waldprodukten heutigen Tages noch weit­aus die überwiegende Menge der Ausfuhr liefert, so war es doch angesichts des in nächster Nähe der Küste zur Verfügung stehenden, überaus fruchtbaren Bodens naheliegend, seiue Aufmerksamkeit frühzeitig auch dem

Plantagenbau zuzuwenden, und zwar den Klima- und Bodenverhält­nissen entsprechend hauptsächlich der Anpflanzung von Kakao. Aufgenommen wurde dieser Betrieb durch die beiden Hamburger, aus Privatunternehmungen hervorgegangenen Gesellschaften:Kamerun Land- und Plautageugesellschaft, Woermann, Thormcihlen u. Co." nnd dieTabakbaugesellschaft Kamerun, Jantzen, Thormühlen und Dollmann."