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Die Bevölkerung, gewöhnlich auf 3'/g Millionen, von Kennern ans das Doppelte geschätzt, besteht aus eiuer großen Anzahl verschiedener Volksstämme. Am Kamerunsluß wohnt der Bantustamm der nur etwa 25000 Seelen zählenden Duala, der vor mehr als zwei Jahrhunderten ans dem Innern vom oberen Lungasi her einwanderte, ein kraftvoller, kriegerischer und kulturell hoch stehender Stamm mit einer kunstvollen Trommelsprache) dessen Hauptliebhaberei Schiffahrt und Handel, also bequeme Erwerbszweige bilden, während anstrengende Arbeit, wie Ackerbau und Gewerbe, von ihnen vernachlässigt werden. Die Duala waren stets bestrebt, den direkten Handel der Weißen mit dem Innern zn verhindern, doch ist ihnen ihr Monopol des Zwischenhandels durch die energischen Bestrebungen der Regierung hente zum großen Teil entrissen, nachdem es vom Jahre 1890 ab gelang, in diese Chinesische Maner Bresche zu legen. Den größten übrigen Teil der Kolonie nehmen gleichfalls Bantustämme ein, nach Nordosten zu mit Sudau- negern gemischt, doch werden diese von den mohamedanischen, viel höher stehenden und dem Herrfcher von Admnaua unterthünigen Fulbe im Norden und den Fan (Bule) im Süden immer weiter zurückgedrängt. Der Handel in Adamcma liegt fast ganz in den Händen der Haussa. Die Hochländer von Nordkamerun sind ein Exportland.für eingeborene Arbeiter uud Soldaten und ein Zukunftslcmd für Ackerbau durch Eingeborene und weiße Ansiedler. Schon jetzt liefern die Bakwiri, Bali und Munde Arbeiter für die Plantagen am Kamerunberg.
Wie für Togo, so hat der Reichskanzler unter dem 21. Februar 1902 auch für Kamerun eine Verordnung betreffs der Haussklaverei erlassen, welche dem bei dem Dualastmnm bestehenden Gewohnheitsrecht, wonach die Kinder von Hanssklaven als halbfreie anzusehen sind, im ganzen Schutzgebiet Anwendung verschafft uud sodann die nach Veröffentlichung dieser Verordnung geborenen Kinder der Halbfreien für frei erklärt.
Weiße wurden im Juni 1901 in Kamerun 548 gezählt, darunter 92 Nichtdeutsche, nämlich 37 Engländer, 25 Amerikaner und 30 verschiedene. Von den 494 männlichen Erwachsenen waren 198 Kaufleute, 75 Pflanzer, 70 Beamte, 74 weiße Angehörige der Schutztruppe und 61 Missionare. Von den 47 weißen Frauen gehörten 33 den Missionen an.
Die Verwaltung der Kolonie untersteht einein Gouverneur, der die Civil- und Militärgewalt in seiner Hand vereint und gleichzeitig Generalkonsul für die fremden Küstengebiete am Golf von Guinea uud für den Kongostaat ist. Ihm zur Seite stehen 2 Referenten und der nötige Stab von Beamten; ein schon am 20. Juli 1885 geschaffener Beirat, welchem außer den obersten Beamten auch 3 Mitglieder Kameruner Handelshäuser cmgehöreu sollten, ist seit langen Jahren nicht berufen worden. Der früher auf der Joßplatte gelegene Sitz der Verwaltung ist im Jahre 1901 ganz nach dem gesünderen, hochgelegenen Buea verlegt worden, wo der Gouverneur schon früher jährlich einige Monate zubrachte, während die