Druckschrift 
West-Afrika / von Moritz Schanz
Entstehung
Seite
323
Einzelbild herunterladen
 

323

thatsächlich in unsere Gewalt gekommen. Die besiegten eingeborenen Staats­gewalten haben sich unserer Herrschaft unterworfen, und es wird möglich sein, mit ihrer Hilfe allenthalben die Ruhe und Ordnung aufrecht zu erhalten. Es wird nicht beabsichtigt, die rein deutsche Verwaltung auf die unterworfenen Ge­biete auszudehnen.

Die auf diese Weise erfolgte Neuordnung der Machtverhältnisse in Ada- maua hat in glücklicher Weise auch der wirtschaftlichen Niger-Benus-Tsadsee- Expedition den Boden geebnet. Sie wird in Garua einen festen Stützpunkt finden und von dort unter dem Schutze der Garnison ihre Arbeiten auf die umliegenden Adamaua-Staaten ausdehnen können.

Anfang 1902 hat sich nämlich nun auch das Deutsche Tsadsee-Komitee zur Entsendung seiner wirtschaftlichen Expedition unter den Herren Bauer, von Waldow und Edelheim entschlossen, zu deren Gesamtspesen von 175000 Mk. die Wohlfahrtslotterie 100000, das Auswärtige Amt 50000, und die Deutsche Kolouialgesellschaft 25000 Mk. beisteuern. Die nächste Aufgabe dieser Niger- Benus-Expedition, dereu kaufmännisch-wirtschaftlichem Führer Bauer ein Berg­ingenieur zur Feststellung etwaiger Mineralschätze beigegeben ist, besteht darin, unter Benutzung der ihr mitgegebenen Empfehlungen sich über die für Nigeria maßgebenden geschäftlichen Bedingungen zu unterrichten, besonders von dem Gouverneur Aufklärung zu erhalten über die Bestimmungen für den Transit­verkehr auf Niger und Benus. In Garua soll die Expedition zunächst ein Jahr verbleiben, deu Faro, obereu Beuue und wo möglich auch den Logone und Schari bis zum Tsadsee befahren und das Lanö nördlich und südlich des deutschen Bennö auf seine wirtschaftlichen Möglichkeiten eingehend untersuchen.

Es ist umso mehr zu hoffen, daß wir diesmalunser" Gebiet am Tsadsee effektiv occupieren, als es iu den letzten Jahren wiederholt von den Franzosen zum Tummelplatz ihrer Kriegszüge gegen Rabbeh und dessen Söhne diente und das in anerkannt deutschem Gebiete gelegene stattliche Dikoa, die derzeitige Haupt­stadt Bornu's, bis Mitte 1902 ohne alle Berechtigung von den Franzosen besetzt war, die es hier mit dem Grundsatz deroeLUMtion stt'setiv" versuchen zu wollen schienen.

Werfen wir nun znnächst einen Blick auf Laud und Leute.

Die Grenze Kameruns gegen Nigeria läuft nach dem deutsch-englischen Vertrag vom Jahre 1893 von der Mündnng des Rio del Rey nach Jola am Bemw, wobei diese Stadt zu Gunsten Englands in einem Bogen umgangen wird und von da in gerader Linie zum Südufer des Tsadsees. Im Osten und im größten Teile des Südens wird die Kolonie von dem Französischen Kongo begrenzt und zwar derart, daß vom Tsadsee ab gegen Bagirmi der Schari die Grenze bildet bis zum 10.° u. Br., dem sie nach Westen hin bis nahe dem 14.° östlicher Länge folgt, um dann mit geringen Biegungen dem Sanga zu und von da un­gefähr dem 2.° u. Br. entlang zur Müuduug des Campo-Flußes zu ziehen, den

21*