Druckschrift 
West-Afrika / von Moritz Schanz
Entstehung
Seite
310
Einzelbild herunterladen
 

310

mit dem Kolonial-Wirtschaftlichen Komitee, Berlin, vereinigt. Die im Charakter des Kolonial-Wirtschaftlichen Komitees gegründete englische Gesellschaft folgt dem deutschen Beispiel in Togo durch Baumwollkultur-Versuche im englischen West­afrika. Das Zusammenarbeiten der deutschen und englischen Komitees erfolgt insbesondere durch Austausch der Erfahrungen über das geeignetste Saatmaterial, maschinelle Erntebereitung, Zwischenknlturen, Bekämpfung von Schädlingen, Ar­beiter-, Zugvieh- und Trausportverhältnisse.

Für Kaffee, mit dessen Anbau man 1890 begann, kommt hier überhaupt nur ein beschränktes Gebiet in Frage und der Baum leidet stark unter einem Bohrkäfer; auch Kakao, mit dessen Anbau mau gleichfalls begonnen, wird hier wohl kaum eine nennenswerte Rolle spielen, wenngleich die 1902 auf den Markt gekommene kleine Jungfern-Ernte von der Versuchsstation in Misahöhe nicht ungünstige Aussichten eröffnet, sobald die Präparierung des Kakaos verbessert sein wird. Aussichtsreicher dagegen erscheint die Anpflanzung von Kolanuß und Sesam. Als besonders erfreulich zu begrüßen ist es, daß die Häupt­linge an der Küste mit den Europäern in der Anlage von Pflanzungen wett­eifern.

Das Kolonialwirtschaftliche Komitee hat ferner im Jahre 1901 beschlossen, für Togo noch zwei weitere Expeditionen in Aussicht zu uehmen, nämlich eine Expertise unter vr. Leuscher über Anbau und Dörrung von Bananen vor­läufig zurückgestellt und Untersuchungen durch Apotheker Bernegau über An­bau von Erdnuß, Kola und Gummi-Akazien.

Sehr erwünscht erscheint auch für Togo die Errichtung eines größeren botanischen Versuchsgartens zwecks Förderung der Eingeborenen- und Plan­tagen-Kulturen durch Saatzucht, Verteilung von Saatgut, Bekämpfung von Schädlingen uud Pflanzenkrankheiten, Anlernung von Eingeborenen zu rationeller Kultur u. s. w.

Werfen wir zum Schluß noch einen Blick auf die Küstenstädte.

Die Hauptstadt Lome, 1884 ein,elendes kleines Fischerdorf, zählt heute 3500 Einwohner, darunter im Jahre 1901: 56 Europäer, und hat durch die Anlage von geraden Straßen, die auf beiden Seiten mit Cocospälmen bepflanzt sind, mehr und mehr ein geordnetes Ansehen bekommen; für den Gouverneur uud die Beamten sind freundliche Häuser errichtet, auf dem Marktplatz, deu seit 1898 ein Denkmal für die Pioniere Wolf, Kling und Bugslag schmückt, sind ebenso, wie bei den Privatwohnungen, Brunnen gegraben worden. Dem weißen Strande parallel läuft die Hamburger Straße, an deren westlichem Ende die große Faktorei von Friedr. M. Vietor Söhne liegt, während sich am Ostende das von einem Turme überragte Steyl'sche Missiousgebäude befindet. Hinter der Stadt trifft man zunächst auf ein von 200 mohamedcmischen Haussas bewohntes Dorf und daran schließt sich das Negerviertel an; im Westen liegt der Botanische