Druckschrift 
West-Afrika / von Moritz Schanz
Entstehung
Seite
308
Einzelbild herunterladen
 

308

Unter den Einfuhrwaren standen im Jahre 1901 obenan, mit beigesetzten Werten in Tausenden von Mark: Baumwollwaren 1368, Spiritussen 949, Kon­serven 306, Pulver 296, Tabak 249, Holzwaren 191, Eisenwaren 111, Feuer­waffen 83 und Glaswaren 69, während

die Ausfuhrprodukte bestanden in: 7755 Tons Palmkernen 1798000 Mk., 2997 Tons Palmöl 1484000 Mk., 63 Tons Kautschuk ^ 246000 Mk. uud 2930 Stück lebendes Vieh ^ 53000 Mk., wozu ferner etwas Kopra, Aams, Mais, fowie Kleinigkeiten Kaffee und Kakao traten.

Nicht berücksichtigt in dieser Statistik ist die über Ketekratschi vom eng­lischen Gebiet eingeführte Kolanuß, welche neben Salz den wichtigsten Artikel des Hinterlandhandels bildet.

Die Zahl der im Togo-Gebiet ansässigen fremden Handelsfirmen betrug im Jahre 1901 17 und davon waren alle deutsch mit Ausnahme je eiuer Mar­seille und Londoner Firma. Am 1. Januar 1902 zählte man im Schutzgebiet 21 Handelsfirmen und Erwerbsgesellschaften, welche Niederlassungen an 17 Plätzen und im ganzen 109 Verkaufsläden besaßen. Das bedenklicheTrust"- System, welches z. B- in unserer Kamerunkolonie noch herrscht, ist in Togo erfreulicherweise nicht im Gebrauch.

Als Zahlungsmittel verkehrt jetzt fast überall Bargeld und das beson­ders beliebte 5 Pfg.-Stück hat die sonst als Scheidemünze gebräuchliche Kauri- muschel, von denen etwa 4000 Stück eine Mark werten, ziemlich verdrängt. Seit 1886 ist die deutsche Reichsmarkrechnung (nicht Währung) eingeführt, doch dürfen laut dem Zollabkommen mit England vom 24. Februar 1894 Zollzahlungen auch in englischem Gelde stattfinden. Durch eine Verordnung vom 18. Mai 1899 sind nicht kursfähige Geldsorteu, z. B. Mariatheresiathaler, bei Zahluugeu inner­halb des Schutzgebietes ausgeschlossen und ihre Einfuhr ist verboten worden. Zum Messen und Wägen von Palmöl und Palmkernen im öffentlichen Verkehr sind laut Verordnung vom 15. Februar 1897 nur metrische Maße, Gewichte und Wagen zugelassen.

Was die weitere Entwicklung der Kulturen anbetrifft, so wird die Anzucht, Pflege und Ausbeutung der Ölpalme im näheren oder ferneren Binnenland durchaus den Negern verbleiben, aber daneben können unter europäischer An­leitung eine Reihe weiterer Kulturen entwickelt oder neu eingeführt werden. Bislang existiert nur eine einzige größere Plantage, die nnter der verständigen Leitung des Herrn Woeckel stehende Kokosnußplantage Kpeme bei Porto Seguro, welche 1896 durch Übernahme einer älteren Pflanzung voll Sholto Douglas begründet wurde uud mit einem Kapital von 480000 Mk. arbeitet. Ende 1901 waren hier 136000 Kokospalmen angepflanzt, deren erste Erträgnisse nach acht Jahren erwartet werden und die nach den bisherigen Er­fahrungen jährlich 60 Nüsse pro Palme liefern, während 8000 Nüsse eine Tonne Kopra ergeben. Im Jahre 1900 hat Douglas auch im Hinterland, in Agu,