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West-Afrika / von Moritz Schanz
Entstehung
Seite
246
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Die englischen Änseln St. Helena, Asrenfton und Tristan da Cunha.

St. Helena, die größte und wichtigste dieser drei Inseln im südlichen Atlantischen Ozean, wurde am 22. Mai 1502 von den Portugiesen entdeckt und nach der Heiligen des betreffenden Tages benannt. Die Portugiesen legten ans der damals dicht bewaldeten Insel einige Pflanzungen und eine kleine Kirche an und benutzten sie im Jahre 1511 auch als Verbannnngsort für den Edelmann Fernando Lopez; aber um das Jahr 1600 wurden die hiesigen Ansiedlnngen von den Holländern zerstört, welche die Insel ihrerseits im Jahre 1650 gegen Über­lassung des Kaps an die Englisch-Ostindische Kompagnie abtraten. Diese legte 1660 eine Niederlassung auf St. Helena an und schützte die wichtige Etappe auf dem Seeweg nach Indien durch die Erbauung des Forts in Jamestown. Am 1. April 1815 übernahm die britische Regierung die Verwaltung der Jusel. welche als Verbaunungsort Napoleons, der von 181521 hier in Longwood als Gefangener weilte, bald darauf weltbekauut werden sollte. So lange die Ost­indienfahrer noch regelmäßig in St. Helena anlegten, herrschte hier ein reges Leben, das aber mehr und mehr aufhörte, als die Segelschiffe durch die Dampfer verdrängt wurden und die Eröffnung des Suezkauals dem Weltverkehr neue Bahnen wies. Nur die Schiffe des englischen Westindien-Geschwaders und hiu und wieder eiu Segelschiff versorgen sich hier heute noch mit Wasser und Gemüse. Erst ueuerdiugs hat die Insel wieder Beachtung gefunden dadurch, daß man 1900/1901 einige Tausend Buren-Gefangene, unter ihnen die bekannten Führer Crouje, Schiel uud Wolmarans, nach hier schickte.

Die nur 123 <ilcm große Insel erhebt sich mit 180 bis 300 m hohen, senkrechten und buchtenarmen Ufern aus dem hier über 4000 m tiefem Meere und steigt im Diana Peak des Innern bis über 700 m. Vulkanischen Ursprungs, weist die Insel mehrere ausgebrannte Krater auf uud ihr südlicher Teil ist durch tief ausgehöhlte und mannigfach zerklüftete Felsenküsten ausgezeichnet. Die ein­heimische Flora von St. Helena und Asceusiou ist ozecmisch uud iu ihreu Er­zeugnissen vom afrikanischen Kontinent unabhängig; doch ist der frühere Wald­reichtum St. Helenas jetzt verschwunden, durch Bepflauzung mit den Gewächsen der verschiedensten Länder ist die ursprüngliche Flora fast völlig verdrängt und die Beschaffuug des nötigen Feuerholzes für die Bnrenlager hat den ohnehin schwachen Baumbestand noch weiter gelichtet. Die Bevölkerung besteht zum größten Teile aus Negern, von denen jährlich eine verhältnismäßig große Zahl nach der Kapkolonie auswandern, sodaß ihre Zahl auf der Insel ständig ab­nimmt; 1861 zählte man daselbst eine Bevölkerung von 6860, 1893 nur noch eine solche von 3800 Köpfen, während man 1899: 4270 und Mitte 1901 eiu-