Nigeria.
Nachdem Clappertons Diener Richard Lander im Jahre 1830 das Problem der Nigermündnng gelöst hatte, folgte eine Reihe weiterer Nigerexpeditionen, welche nicht politischen, sondern wissenschaftlichen und Handelszwecken dienen sollten, aber unter den schlechten klimatischen Verhältnisseil entsetzlich zu leiden hatten. Unter diesen Unternehmungen ist besonders der unentwegten Anstrengungen zu gedenken, welche vom Jahre 1832 ab, teilweise mit Regierungsunterstützung, der Liverpooler Kaufmann Macgregor Laird machte, um das Niger- Gebiet englischem Handel und englischer Schiffahrt zu erschließen, Bestrebungen, die trotz mangelnder finanziellen Erfolge jahrzehntelang unbeirrt fortgesetzt wurden. Laird etablierte oberhalb der Delta-Region Faktoreien in Ebo, Onitscha und Jgbegbe, und als die dort wohnenden Eingeborenen, aus Furcht, ihren Zwischenhandel zu verlieren, Schwierigkeiten machten, legte er auch in Angrama, in der Delta-Region, eine Station an, um die Thätigkeit uud Haudelslust der Deltabevölkerung im Juteresse der Entwicklung des Nigerhandels zu verwerten. Bevor er aber dazu kam, die Früchte seiner Pionierthätigkeit ernten zu können, starb Laird im Januar 1861 und der englische Handel oberhalb der Niger- Mündung brach damit vorläufig zusammen.
Wohl aber blieben englische Interessen anderweitig vertreten.
Neben dem in Old Calabar residierenden englischen Konsul für die Buchten von Biafra und Benin hatte England nämlich schon im Jahre 1856 in Lokodscha am Niger, der Mündung des Benus gegenüber, in der Person des Dr. Baikie einen sehr gewandten Konsul bestellt, dem der Missionar Samuel Crowther, später Bischof vou Nigeria, treu zur Seite stand. Baikie hatte es ausgezeichnet verstanden, Verbindungen mit den Haussas anzuknüpfen, mußte jedoch 1864 gesundheitshalber seinen Posteu verlassen, und nachdem hier zwischen 1864 uud 1868 nicht weniger als 6 englische Vertreter einander gefolgt waren, gab England den Posten auf und war nun bis zum Jahre 1884, wo es das nach seinem Reichtum au Ölpalmen benannte „Ölfluß-Gebiet" unter seineu Schutz stellte, hier nicht mehr offiziell vertreten, vielmehr lag es damals nahe, daß der Niger ein französischer Fluß mit einem deutschen Mündungsgebiet werden würde.
Allerdings hatten englische Kaufleute sich iuzwischen wieder im Nigergebiet cmsässig gemacht und im Jahre 1877 erschien hier Sir George Taubmann Goldie, eiu früherer Offizier der Royal Engineers, dessen Thatkraft England in erster Linie den wertvollen Besitz von Nigeria verdankt. Goldie kam zunächst zu dem Zwecke heraus, sich über den Stand der Geschäfte einer hier thätigen Gesellschaft zu informieren, bei welcher seine Familie interessiert war, faßte bei dieser Gelegenheit aber eine so hohe Meinnng von dem Werte Nigerias für