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gewöhnliche Arbeiter in der Stadt 9 Pence, für Träger im Innern 1 Schilling, für Handwerker l'/z bis 2^ und für Böttcher sogar 5 Schilling. Diener, welche früher für 30 Schilling den Monat zu haben waren, lassen sich jetzt bis zu 4 Pfund bezahlen und auch die Lebeushaltuug der Europäer ist dadurch wesentlich teurer geworden. Für den Kongo und Fernando Po ist eine Rekrutierung von Lagosleuteu, welche übrigens überhaupt nicht gern außer Laud gehen, ganz verboten, und der Gouverneur von Lagos hat Ende 1901 im Gesetzgebenden Rat ein Gesetz durchgebracht, welches eine Abgabe von einem Pfund Sterling auf jeden ausgeführten Lagos-Mann legt und weitere Erschwerungen der Arbeiter- Ausfuhr anordnet.
Werfen wir zum Schluß einen Blick auf die Seele der Kolonie, die Stadt Lagos, einer der wichtigsten Hafenplätze Westafrikas und gleichzeitig der Schrecken aller Westafrika-Fahrer. Die Stadt liegt am Westrand der flachen Sandinsel Kuramo, die der Lagune vou Kradu vorgelagert ist, doch müssen die Ozeandampfer auf offener, stürmischer Rhede etwa 4 Meilen von der Küste entfernt vor Anker gehen uud starke Dampfpinassen vermitteln den Verkehr mit dem eigentlichen Hafen in der Lagune; freilich können auch diese kleinen Dampfer, des starken Schlingerns wegen, nicht direkt am Ozeandampfer anlegen, sondern die Fracht muß zunächst in die Schiffsboote umgeladen werden und der Dampfer geht alsdann in einer Fahrt von etwa 1^ Stunden über die Barre zu einer der zahlreichen Landungsbrücken an der Marina innerhalb der ruhigen Lagune. Da die offene Rhede das Verladen von Waren sehr erschwert und nnr Schiffe bis höchstens 1000 Tons die nur 4 m tiefe und sehr gefährliche Barre am Ausfluß der Lagune passieren können, so gehen die großen Seeschiffe in dem Forcados- Arm des Niger vor Anker, und 10 flachgehende Lokaldampfer von 450 bis 1000 Tons vermitteln den Verkehr zwischen hier und Lagos. Um der Konkurrenz von Porto Novo und Kotonu zu begegnen, will man die Sandbank im Hafen von Lagos entfernen uud diesen dann durch einen Kanal mit der See verbinden, ein Projekt, dessen Ausführung allerdings eine Million Pfund Sterling beanspruchen würde. Es ist auch davon die Rede gewesen, an der Ostseite der Barre eine Landungsbrücke zu baueu, deren Anlagekosten, einschließlich der Wellenbrecher auf nur '/z Million Pfund veranschlagt sind. Im Jahre 1902 ist es übrigens mehreren, besonders zu diesem Zwecke gebauten Seedampfern von Elder, Dempster und Co. gelungen, über die Barre zu schiffeu uud ihre Laduug direkt au der Stadt zu löschen.
Die Stadt Lagos hat breite, gepflasterte Straßen, große Plätze, 4 Kirchen und 27 Moscheen, ein großes Hospital und ein Irrenhaus, und zählte im Jahre 1900 42000 Einwohner, darunter 233 Europäer; davon werden 22000 als Mo- hamedaner, 10600 als Christen uud 9000 als Heiden aufgeführt. Die Stadt ist seit dem Jahre 1898 elektrisch beleuchtet, besitzt Fernsprecheinrichtung, aber nur ungenügende Wasserversorgung, und anßer dem Regierungsanzeiger erscheinen hier
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