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kosten von 5000 Lstr. trug die Kolonialregieruug 3360 Lstr. bei. Wie anderwärts in Westafrika, so macht sich anch hier der Mangel an geeigneten Lehrern fühlbar. Eine 1896 gegründete mohamedanische Schule hat nicht den Zuspruch gefunden, den die Regieruug erwartet hatte. Vou deu rund l'/g Millioueu Eiuwohueru der Kolonie können nur 3 480 Personen lesen und schreiben, 673 können englisch lesen, 5058 englisch sprechen.
Das Budget der Kolonie hat sich wie folgt entwickelt:
1876 1880 1885 1890 1895 1896 1897 1898 1899 1900/01 1901/02 Einnahmen 46 47 63 56 142 180 177 206 192 211 231 Ausgaben 45 55 40 64 144 168 182 204 223 187 231
Taufend Pfund.
Unter den Einnahmen des Rechnungsjahres 1900/01 figurieren die Zölle mit 194000 Lstr. Direkte Steuern werden nicht erhoben.
Eine Schuld besitzt die Kolonie nur in Gestalt der sür den Ban von Brücken uud der Bahn Lagos-Jbadan aufgenommenen und mit 5°/<, zu verzinsenden Auleihe von 1053 000 Lstr.; davon abgesehen, wies der Kolonialschatz von Lagos Anfang 1900 ein Guthaben von 33 000 Lstr. auf.
Diese vou der Regieruug gebaute uud im Dezember 1895 begonnene Eisenbahn wird eins der wichtigsten Erschließnngsmittel für die Kolonie bilden. Von Lagos führt eine 640 m lange Brücke für den gewöhnlichen Verkehr nnd mit einer Trambahn über die Lagune nach der Jddo-Jnsel, wo der Schienenstrang beginnt; eine zweite, 300 m lange Brücke für Eisenbahn- und Fußgänger- Verkehr führt uach Ebute Metta auf dem Festland, wo sich die Hauptgebäude der Eiseubahu befinde«, deren Betrieb im März 1901 bis zu dem 196 Km eutfernteu, 80 000 Eiuwohuer zählenden Jbadan, dem Centrnm von Dornba- Land, eröffnet wurde. Seit Dezember 1901 ist anch die von Aro abzweigende, 5 Km lange Nebenbahn nach Abeokuta im Betrieb, der Z 50 000 Einwohner zählenden, klimatisch günstig gelegenen Hauptstadt der Proviuz Egba, wo der Land- erwcrb für deu Eisenbahnbau im Jahre 1899 einigen Schwierigkeiten begegnete. Die Bahn hat eine Spurbreite von 3^ Fnß — 1067 m/m und kostete pro Kilometer 86500 Mark.
Vorstudien für eine Verlängerung der Lagos-Bahu bis zum Hochlaud vou Jlorin iu Süd-Nigeria uud bis zum Niger selbst — etwa 550 Kni Eutferuuug von Lagos aus — sind bereits gemacht, die Stelle, wo der Strom überschritten werden soll, ist bestimmt, uud der rührige Gouverneur, Sir William Mac Gregor, strebt sogar schou den Weiterban nach Kano an, dem heutigen Hanpt- handelsplatz des Sokoto-Reiches in dem dicht bevölkerten Haussaland. Es ist vorauszuseheu, daß das Dampfroß auch hier uicht Halt machen, sondern nicht eher rasten wird, als bis es das Wasser des Tsad-Sees trinkt.
Andererseits plant man, eine Zweiglinie der Lagos-Bahn nach Sapele an der Küste zu bauen, wo die Landungsgelegenheit weit bequemer, als iu Lagos ist.