— 193 —
daraufhin abgesandte Strafexpedition konnte nur nach hartnäckigem Widerstand die Dörfer der Eingeborenen nehmen, worauf die Gefangenen nach Bathurst geschickt wurden. Im Juni 1901 einigte man sich mit dem Häuptling Mnssa Mullah, desseu Land durch den französisch-englischen Vertrag in zwei Teile geschnitten worden war; der Häuptling selbst hat seiueu Sitz ans französischem Gebiet, besaß aber auch auf englischem Boden Rechte, erhob dort Abgaben und übte eine gewisse Gerichtsbarkeit aus. Das Abkommen zwischen dein britischen Gouverneur uud Mussa löst gegen eine jährlich Zahlung von 500 L an letzteren dessen Steuerrecht ab, verbietet den Gesetzen der Menschlichkeit und Gesittung widersprechende Bräuche und sichert dem einzusetzenden englischen Kommissar in diesem Grenzgebiet Einfluß auf eine geordnete Rechtsprechung, sodaß auch dieser Teil der Kolonie eine geordnete Verwaltung, wie der ältere Teil genießt.
Ob Gambia, eine unnatürliche Enklave im französischen Gebiet, ans die Dauer britisch bleiben wird, erscheint fraglich, es ist bereits wiederholt als Tauschobjekt gegen französische Kompensationen in Westafrika selbst, oder etwa wegen Neufundlands in Frage gekommen, ^/g des Ausfuhrverkehrs vou Gambia liegen bereits heute iu französischen Händen.
Der auf 1200 Km Läuge geschätzte Gambia-Strom entspringt in der Gebirgslandschaft Futa Dschallou, tritt bei Barrakuuda, in gerader Linie 350 km vom Meere entfernt, mit Stromschnellen in die Ebene ein, umschließt uun zahlreiche, wohlkultivierte Juselu, erreicht bei der Insel Macarthy, 200 km von der Mündung, eine Breite von 400 m, bei Albreda, 35 Km vom Meere entfernt, eine Breite von 6500 und eine Tiefe von 11 m. Weiter abwärts ist er sogar 15 Km, bei seiner Mündung ins Atlantische Meer zwischen der Stadt Bathnrst und der Barraspitze aber nur 3^ Km breit uud 20 m tief. Die Barra befindet sich 20 Km vor der Mündung und ist bei niedrigstem Stande noch immer mit 9 m Wasser bedeckt.
Der nur 30—40 Km breite Landstreifeu der Kolonie Gambia zwischen dem Juinak Creek im Norden und der Mündnng des S. Pedro im Süden zieht den Gambiafluß hinauf bis zu den Barraknnda-Fällen und umfaßt 10690 akm, doch sind mir 179 akm an der Mündung des Flusses wirklich besiedelt und zwar zählte man hier 1901 knapp 14000 Einwohner, 5000 Moha- medaner, 5 000 Heiden und 4000 Christen, darunter nur 65 Weiße. Das Gesamtgebiet wurde 1901 mit 90400 Seelen angegeben. Die Eingeborenen, Mandinka, Serer, Dschola, Dscholof, Salum und Lobe, treiben Ackerban, überwiegend Erdnüsse, sodann Manioe, Hirse, Mais, Reis, Bataten und Iams Pflanzend, aber uicht für deu eigeueu Bedarf geuügcud, sodaß uoch nennenswerte Quantitäten Reis eingeführt werden müssen; die einheimische Baumwolle wird zu dauerhaften schmalen Stoffen, den Bandyeloth verwebt, welche man mit Indigo färbt; auch wird etwas Töpferei ausgeübt.
Schanz, Westafrika, 1Z
^