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West-Afrika / von Moritz Schanz
Entstehung
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mit den verschiedenen Stämmen getroffenen Abkommen, die Eingeborenen-Steuer in einigen Distrikten 1 Franc, in andern 3 Francs für Hütte und Jahr betrug, hat mau diese Bestimmungen im Jahre 1900 vereinheitlicht und dekretierte allgemein für jede gewöhnliche Hütte jährlich 3 Francs, für ein Bretter-Haus mit Veranda 12 Francs und nimmt diese Steuer im Notfall auch iu Produkteu an. Daß die Eintreibung dieser Steuer hier mancherorts auf Schwierigkeiten stößt, bewies die im März 1902 erfolgte Ermordung des Direktors der Sanga- Gesellschaft in Jkelembe und der in seinen Diensten stehenden Schwarzen seitens der Eingeborenen, welche die Hüttensteuer und das Konzessionswesen drückend empfanden. Im Civilbezirk des oberen Schari hat Gentil im Jahre 1900 nach Übereinkommen mit den Häuptlingen eine Schutzsteuer eingeführt, wonach die Hälfte der Bevölkerung eine Hüttenstcuer in Form von jährlich 2 Kg- Kautschuk entrichtet, während die andere Hälfte für die Franzosen entsprechende Träger­dienste leistet.

Der Verkehr im Gabun-Gebiet bewegte sich früher hauptsächlich auf dem alten Karawaneuweg von Loango über die Mayembeberge nach Brazzaville; die Straße war nur für Träger benutzbar und diese hatten einen 1420 tägigen Marsch. Zuweilen wurdeu die Waren auch den Kniln-Niari 'hinauf befördert. Seit Eröffnung der belgischen Kongobahn aber ist darin ein vollständiger Um­schwung eiugetreteu, auch die Franzosen benutzen jetzt für Passagiere und Güter von Matadi aus die Kougobahn und weiterhin von Brazzaville aus das Netz schiffbarer Flüsse. Auch der Ogowe kann von seiner Mündung aus mit kleiueu Dmnpferu bis Ndjola, mit Ruderbooten bis Franceville 700 Km von der Küste entfernt befahren werden.

Eine Eisenbahn von Loango nach Brazzaville war zwar schon 1888 geplant und das Projekt wurde später vou der Loeiktö ä'Ltuäss ä'sxxloitÄtion äu Oonsso trÄNtzais wieder aufgenommen, aber bislang ist nach dieser Richtung noch nichts geschehen. Sollte der von der Mission Fourneau-Foudöre 189899 empfohlenen Plau einer Bahn von Gabun nach dem Sanga zur Ausführung kommen, so würde dieselbe deu Verkehr des Hinterlandes von Kamerun auf fremdes Gebiet uach Osteu ablenken, wie dies bereits durch den Benue nach Westen geschieht. Diese Linie von Libreville nach Wesso, welche gegebenenfalls nach dem Schariflnß verlängert werden könnte, würde zwar durch eiue wald­reiche, dichtbevölkerte und wohlhabende Gegend führen, aber ihrem Bau steheu so viele technische Schwierigkeiten entgegen, daß er auf mindestens 270 Millio­nen Francs geschätzt wird. Vou Paul Bourdarie wird deshalb zunächst eine etwa gleich lange Linie von Libreville nach der Mündung der Alima in den Kongo befürwortet, welche allerdings schon mit einem Kostenaufwand von 188 Millionen Francs zu baueu wäre, aber durch arme und ver­hältnismäßig dünn bevölkerte Landschaften ziehen würde. Als unentbehrlich für die Verbindung zwischen den beiden Teilen des französischen Kongogebiets