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West-Afrika / von Moritz Schanz
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in Ergänzung des Niger-Vertrags von 1898 die Interessensphären der beiden Mächte in Nordafrika derart abgrenzte, daß den Briten das ganze Nil-Gebiet, den Franzosen das Hinterland von Tripolis zugesprochen wurde.

Vom französischeu Kougo abgetrennt und zeitweilig unter einen beson­deren Kommissar, zunächst Gentil, gestellt wurde am 5. September 1900 das l^rritoirs militaire- äss et xroteetura-ts äu 1sa.ä", welches das Flußgebiet des Schari uud des Kemo und die Reiche Bagirmi, Wadai und Kauem umfaßte.

Das eigentliche französische Kongogebiet und die Tsadländer zusammen, werden mit einem Flächenraum vou ruud 3 Millionen Quadratkilometer angeuommen.

Von der Küste ab bildet der Muuifluß die Nordgreuze vou Franzöfisch- Kongo, daun folgt die Grenze dem spanischen Kongo und der Ostgrenze Kameruns bis zum Tsadsee; nach Osten zu, gegeu englisches Gebiet, ist die Demarkations­linie der beiderseitigen Interessensphären durch deu Vertrag vom 21. März 1899 festgesetzt, gegen den ägyptischen Sudan hin allerdings noch nicht genau bestimmt, während das Übereinkommen mit dein Kongostaat vom 14. August 1894 als Grenze den Thalweg des Mbomn nnd die Wasserscheide zwischen Nil und Kongo, weiterhin den Uelle, den Ubangi uud den Kongo selbst feststellt. Etwas unter­halb Brazzaville verläßt die Grenze den Kongo und geht in einer gebrochenen Linie, zuletzt an die portugiesische Enclave Kabiuda stoßeud, au deu Atlantik, den sie uuter dem 5° südlicher Breite erreicht.

Die einförmig verlaufende Meeresküste, an welcher eine besonders starke Kalema brandet, hat nur wenige tiefere Einschnitte nnd ist teilweise vou lang­gestreckten Lagunen begleitet, von denen aus das Laud iu parallelen Stnfen nach dem Innern zu ansteigt. Die beiden wichtigsten Küstenflüsse des Gebiets, der Ogowe im Norden und der Kuilu im Süden, weisen in ihrem Mittellauf Stromschnellen auf, dagegen sind der zum Kongo fließende Alima uud der weit längere Sanga weithin schiffbar und der Kongo selbst uud dessen großer, von Norden her kommender Nebenfluß Ubaugi bieteu eiuen bequemen Wasserweg. Das ziemlich gleichmäßig heiße Klima ist an der Küste wegen der großen Feuchtigkeit uud stagnierender Gewässer selbst für die Eingeborenen sehr ungesund; die große Regenzeit mit heftigen Stürmen dauert von Febrnar bis Ende April, die kleine von Oktober bis November. Die Vegetation ist tropisch, aber ohne viele Nutzpflanzen, deren wichtigste Ebenholz lviosMros-Arten), eine Art Mahagony (Nos^elliÄ Xlaineana) und Rotholz von ^tkroeai-xus ^.n^ole-asis sind. Die Eingeborenen, in uuzählige Stämme, Sippen uud Familien gespalten, die in steten Kämpfen untereinander stehen und deshalb der Verwaltung unaufhörliche Verhaudluugeu verursachen, werden, noch recht unsicher, auf 10 Millionen geschätzt, sind teils echte Neger, meist aber Bantus, wie z. B. die von den Franzosen Pahouins geucmuten Fan und die Mpongwe. Ackerbau wird ausschließlich von den Frauen betrieben und erstreckt sich ans Bauanen, Mais, Hirse und Mauioc;