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West-Afrika / von Moritz Schanz
Entstehung
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Diejenigen Landkonzessionen, welche nicht 1000 Im im Gebiet der direlteu Berwaltnng, 5000 1>a. in den Schutzgebieten und 10000 ba. in den Regionen des oberen Senegal nnd mittleren Niger überschreiten, werden vom General gonvernenr nach einem bestimmten Reglement nnd nach Billigung dnrch die Kommission für Kolonialkoiizessionen vergeben. Größere Ländereien dagegen sind nnr dnrch Übernahme speeieller, im 0abic>,r «les eimr^ks fe'!gelegter Berpflichtnngen zu erlangen.

Bemerkenswert ist die in einer kürzlich verliehenen Konzession vorkommende Bestimmung, wonach Eingeborene ans Reservaten, welche im Pslanznngs- gelände die Ordnung störeu oder deu Betrieb schädigen, auf Veranlassung des Konzessionärs vom Gonvernenr verwiesen werden können.

Werfen wir nnn noch einen Blick auf die Hauptplätze der Kolonie. Die im Jahre 1620 gegründete Hanvtstndt

St. Louis liegt ans einer, von zwei Armen des Senegal gebildeten, schmalen Saudinsel 18 Km vom Atlantischen Ozean entfernt. Eine 600 m lange eiserne Brücke stellt den Verkehr mit dem linken Senegalnfer her. Die Stadt zählt 21000 Einwohner uud ist die größte uud schönste Westafrikas überhaupt. Obgleich nahe der Mündung des Senegal gelegen, welcher die natürliche Straße und den Handelsweg nach dem Innern bildet, steht der Platz als Hafenort erst in vierter Stelle, da er vom Meere aus fast nnzugänglich ist; doch verwendet man neuerdings hier, wie iu Dakar uud Nufisqne, in die Millionen gehende Snmmen auf Hafeubauteu uud hat im Jahre 1901 deu Bau einer eisernen Landnngsbrücke in Get-Ndar ans der St. Lonis gegenüber liegenden Nehrnng I^anANk äs Lnrbirris" ausgeschrieben, welche 2 Millionen Francs kosten nnd von der Kolonie in fünf Jahresraten bezahlt werden soll.

Die alte Station Gorve, auf eiuer uackteu, wasserarmen Basaltinsel am Eingang des Hafens von Dakar gelegen, war ihrer vorzüglichen strategischen Lage wegen, sowohl den Eingeborenen, wie fremden Flotten gegenüber, immer ein wichtiger Stützpunkt, dessen Handelseinflnß früher bis Gabnn reichte. Da der Hafen mit riesigen Basaltblöcken übersät ist, hat sich der Berkehr von hier aber mehr nach dem ihm nahe gegenüber auf dem Festland liegenden

Dakar gezogen, welches den größten Teil des Handels von Gor^e geerbt hat, weitaus deu größten Schiffsverkehr der Kolonie und eiue Einwohnerzahl vou 9000 besitzt, während Goröe von 0000 ans 2000 Einwohner zurückgegangen ist, uud als Hafenplatz heute die zweite Stelle einnimmt. Der Molenban in Dakar wnrde bereits im Jahre 1803 durch Faidherbe begouueu.

Rufisque, der seichtere Hafeuvlatz, wo die Produkte ans dem Cayor- Gebiet, teilweise vermittelst einer verlegbaren Lokalbahn zusammenströmen, steht an Haudelsbedeutuug in dritter Linie. Eine eiserne ^andniigvbrücke ist hier im ^alne 1900 dem Berkehr übergeben worden.