Druckschrift 
Unsere Kolonien, was sind sie wert, und wie können wir sie erschliessen? : Ein Kolonialprogramm / August Seidel
Entstehung
Seite
76
Einzelbild herunterladen
 

6. Deutsch-Neuguinea.

Auch hier reicht die deutsche Herrschaft über einen sehr schmalen Küstenstrich nicht hinaus. Das Juuere des Landes ist meist völlig unbe­kannt; die Erforschungsarbeit nimmt daher hier noch einen beson­ders breiten Raum ein. Ferner läßt die telegraphische Verbindung mit dem Mutterlande sehr zu wünschen übrig. Auch der Verkehr zwi­schen den einzelnen Inseln der Archipele und mit Kaiser Wilhelmslaud steht auf völlig ungenügender Grundlage. Sogar der Gouverneur hatte bis vor kurzen, kein eigenes Schiff zur Verfügung und war hinsichtlich seiner Dienstreisen von Gelegenheiten abhängig. Mindestens ein weiteres Dampfboot ist dringend erforderlich.

Hinsichtlich der Plantagenwirtschaft wäre zu wünschen, daß sich eine Anzahl weiterer Gesellschaften bildete, um die Kultur der Kokospalme, der Baumwolle und des Tabaks weiter auszudehnen und die Versuche mit Kakao und Liberia-Kaffee im Großen zu verwerten. Auch die Eingeborenen wären durch Prämien zur regelmäßigen Anpflanzung von Kokospalmen anzuhalten.

Auch eine Viehzuchtgesellschaft, die Rinder, Ziegen und Schweine, vielleicht auch Pferde züchtete, könute auf Gedeihen rechnen. Ein schon vor zehn Jahren unternommener Versuch, eine solche Gesellschaft zu bilden, scheiterte an der Zurückhaltung des deutschen Kapitals, das damals mit den Verhältnissen in Kaiser-Wilhelmsland noch weniger vertraut war als heute.

Die weitere bergmännische Untersuchung des Landes wird sicher auch hier noch wertvolle Schätze zutage fördern.

Schließlich sollte die Möglichkeit und Rätlichkeit der Deportation nach einer der hierher gehörigen Inseln baldigst einer Prüfung unter­zogen werden, und zwar in Verbindung mit der großzügigeren Unter­suchung, wie weit unsere Südseebesitzungen etwa für deutsche Siedlung in größerem Umfange in Betracht gezogen werden könnten.

7. Deutsch-Samoa.

Auch Samoa hat schlechte telegraphische Verbindung mit dem Mutterlande. Bergmännische Untersuchungen sind auch hier vermutlich nicht aussichtslos. Der Wert der Inselgruppe für die mannig­faltigsten Plantagenkulturen ist aber erst neuerdings erkannt worden. Außer den bestehenden sollten sich weitere Gesellschaften zum Betriebe der Kakao-Kultur bilden. Auch Thee, Kaffee, Baumwolle und Kautschuk sind aussichtsvolle Kulturen. Erst in den letzten Tagen (April 1905) ist er­freulicherweise ein Syndikat mit dem sehr gesunden Projekt einer Samoa- Kautschuk-Kompagnie hervorgetreten, das die lebhafte Beteiligung des deutschen Kapitals in vollem Maße verdient.

Die finanzielle Tragweite der gemachten Vorschläge.

Es ergibt sich aus dem Text der Kapitel ^v dieses Abschnitts unserer Abhandlung oder aus der Natur der Sache, aus welche Schultern die finanziellen Lasten gelegt werden müssen, die durch die Ausführung dieses Programms entstehen würden. Der größte Teil würde von dem