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Der Gesamtwert der Einfuhr beträgt danach etwa 35—39 Millionen Mark. Davon sind etwa 25 Millionen für die Eingeborenen (z. T. auch die ansässigen Weißen) bestimmt. Das macht auf den Kopf der Bevölkerung etwas über zwei Mark, eine ziemlich geringe Summe, die uuser Urteil über die Kauflust und Kaufkraft der Eingeborenen zu bestätigen .geeignet ist. Allerdings muß dabei gerechterweise hervorgehoben werden, baß nur erst mit einem Teile der Bevölkerung Handelsbeziehungen haben angeknüpft werden können.
Andererseits darf indessen bei weitem nicht die ganze Summe von 25 Millionen zugunsten des deutschen Handelskontos gebucht werden. An der ostafrikanischen Einfuhr partizipieren z. B. Indien, England, an der für die Marshall-Jnseln beispielsweise England, Australien, Nordamerika, Chiua (zus. 1/5 der Einfuhr), an der samoanischen Australien, England, Nordamerika usw. Wie hoch dieser fremdländische Anteil zu veranschlagen ist, entzieht sich der genauen Feststellung; jedenfalls wird er ein Viertel der Einfuhr nicht übersteigen.
Es fragt sich nun, ob uud in welchem Tempo die Einfuhr unserer Schutzgebiete gesteigert werden kann. Die erste Frage ist unbedingt zu bejahen, und zwar unter folgenden Voraussetzungen:
a) extensive Ausdehnung des Handels dnrch Verbesserung der Verkehrsmittel (Eisenbahnen!);
d) intensive Ausdehnung des Handels
1. durch Hebung der Kauflust der Eingeborenen, indem man sie zivilisiert,
2. durch Hebung der Kaufkraft der Eingeborenen, indem sie zu einer Steigerung ihrer Produktion veranlaßt werden;
e) ausgedehnte Ansiedelung von Weißen und, im Zusammenhange damit
6) vermehrter Betrieb des Ackerbaus;
s) Vermehrung uud Ausdehuuug des Viehzuchts-, Minen- und Plantagenbetriebs.
Aus diesen Voraussetzungen ergibt sich schon von selbst der Schluß auf das Tempo. Es sind fast die gleichen Momente, auf denen die Möglichkeit einer Steigerung der Ausfuhr beruht. Es sind die Leitsätze unserer kolonialen Wirtschaftspolitik überhaupt.
VI. Aas sollen wlr also tun? ein holonlalprogramm.
Einleitung.
Die folgenden Vorschläge, die in ihrer Gesamtheit ein Programm für die künftige Gestaltung unserer Kolonialpolitik in allen ihren Beziehungen darstellen, sind hier kurz, ohne ausführliche Begründung, aneinandergereiht, um die Übersichtlichkeit nicht zu gefährden. Was zu ihrem Verständnis notwendig ist, haben wir in den voraufgehenden fünf Abschnitten meist schon auseinandergesetzt.
Was unsere Kolonien heute wirtschaftlich wert sind, haben unsere obigen Untersuchungen znr Evidenz erwiesen. Es ist wahr, wir haben kein Indien erworben. Die paraten Werte, die ohne Mühe durch