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Unsere Kolonien, was sind sie wert, und wie können wir sie erschliessen? : Ein Kolonialprogramm / August Seidel
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statioueu für Ackerbau, Viehzucht und Plautagenbau seitens der Regierung einzurichten uud Spezialkommissare zu entsenden, die die einzelnen Gegenden aus ihre Eiguung für den eineu oder andern Betrieb (durch Europäer oder Eingeborene) zn untersuchen haben.

Die Viehseuchen und die Schädlinge des Acker- und Plan­tagenbaus sind zu studieren, nm Mittel zu ihrer Bekämpfung zu finden.

Die Kolonien sind bergmännisch von Reichswegen zu untersuche«, und die private Mutung ist durch finanzielle Unterstützung und Aus­setzung von Prämien zu fördern.

Der Handel besonders der Ausfuhrhandel der Schutzgebiete erwartet schließlich von der Regierung die weitgehendste Unterstützung bei der Organisation der Absatzverhältnisse, einer der wesentlichsten Vorbedingungen für den Aufschwung der kolonialen (durck Farbige oder Weiße betriebenen) Landwirtschaft. Der an sich vielerorts mögliche oder namhaft zu steigernde Anbau von Weizen, Reis, Kartoffeln, Sesam, Erd­nüssen u. dgl. muß zurzeit mangels guten und schnellen Absatzes unter­lassen werden. Der Einzelne ist aber schwer oder gar nicht in der Lage besonders nicht der Eingeborene überseeische Absatzverbindungen anzuknüpfen. Hier müssen Aufkaufsgenossenschaften unter staat­licher Kontrolle vermittelnd eingreifen.

v. Vorschläge, welche einzelne Kolonien betreffen.

1. Deutsch-Ostafrika.

In Deutsch-Ostafrika ist zunächst die Frage von besonderer Wichtig­keit, unter welchen Bedingungen eine ausgedehnte europäische Ansied- lung in Uhehe und im Kondelande möglich sein würde. Diese Frage sollte je eher je lieber gründlich geprüft werden.

Zur Siedlungspolitik gehört auch die Heranziehung und An- siedlung geeigneter Eingeborener aus dem Binueulande uach der Küste, um stabile Arbeitskräfte für die bisher sämtlich in den Küsten­landschaften gelegenen europäischen Wirtschaftsbetriebe zu gewiuuen.

Zur Hebung der Viehzucht ist die Bildung mehrerer großer Ge­sellschaften (für Usambara, Uhehe, das Kondeland usw.) anzustreben. Die einheimische Rinderrasse ist zn verbessern. Auch die Straußen­zucht sollte mehr ausgebeutet werden.

Der Plan tagen bet rieb auf Kaffee, Sisalagaven, Kokos­palmen verträgt noch eine sehr erhebliche Ausdehnung. Hier ist noch für Hunderte von Gesellschaften ein ausreichendes Betätigungsfeld. Man zögere nicht, sie ins Leben zu rufeu. Besonders aussichtsvoll er­scheint auch die Kautschuk-Kultur. Ferner sollten mit Kakao größere Versuche gemacht werden.

Auf dem Gebiete der Bahnbauten sind zunächst am dringlichsten Verbindungen mit Uhehe, dem Kondelande und den Goldfund- stätten.

2. Deutsch-Südwestafrika. Nach Beendigung des Krieges ist die wichtigste Aufgabe der Regie­rung die Durchführung der Entwaffnung und die Neuansiedlung der