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Unsere Kolonien, was sind sie wert, und wie können wir sie erschliessen? : Ein Kolonialprogramm / August Seidel
Entstehung
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Reichte Ausbeute zu gewinne» wären, sind unbedeutend, die Produktion der Eingeborenen nicht sehr erheblich, die Produktion und der Handel der Weißen halten sich bisher in sehr mäßigem Umfange und haben zudem mit großen Schwierigkeiten zu kämpfeu. Der Siedelung eröffnen sich zurzeit noch keine besonders hervorragenden Aussichten. Aber daß alle diese Verhältnisse in erheblichem Maße entwicklungsfähig fiud, ist gleichfalls dargetan worden, und die Leitsätze am Schluß des V. Abschnitts haben im allgemeinen die Richtung aufgewiesen, die diese Entwicklung zu nehmen haben wird.

Messen wir ferner den Nutzen, den die Schutzgebiete uns heute bereits gewähren, an den Zwecken, nm deinetwillen wir sie erworben (f. Einleitung) haben, so ist das Ergebnis zurzeit ja noch wenig günstig; unsere Unter­suchung hat aber gezeigt, daß die Kolonien fähig sind, iu die von ihnen verlangte Rolle nnter gehöriger Pflege hineinzuwachsen uud sie zum größten Teile auszufüllen. Das kann uns vollauf genügen, um die begonnene deutsche Kolonialpolitik durchzuführen, das Erworbene mit zäher Kraft festzuhalten und mit frohem Mute bis zur Zeit der Erfüllung die finan­ziellen Opfer zu leisten, die zur wirtschaftlichen Erschließung der Kolonien notwendig siud.

Ob freilich auch bei günstigster sonstiger Entwicklung die deutsche Auswanderung jemals zum größeren Teile in die eigenen Schutz­gebiete wird abfließen können, bleibt mehr als zweifelhaft. Es wird die Aufgabe eiuer weiteren Untersuchung sein, nachzuweisen, wie für diese im wesentlichen unerfüllt bleibende Forderung unserer Kolonialpolitik auf an­derem Wege Befriedigung geschaffen werden kann.*)

Vorschläge allgemeinen Charakters, das Mutterland betreffend.

1. Das de utsche Volk und die Kolonien.

Wir sind ein Kolonialvolk den Fähigkeiten nach, aber wir haben noch nicht den Mut, es zu sein. Und der Mut fehlt dem deutschen Volke, weil es mit kolonialen Dingen noch zu wenig vertraut ist. Noch besitzt es weder Kenntnisse noch Erfahrungen auf diesem Gebiete. Die Generation, die die deutsche Kolonialpolitik hat entstehen sehen, wird auch nicht mehr so völlig durchtränkt werden von kolonialem Geiste, wie es für die erfolgreiche Durchführung derselben notwendig ist. Unsere Hoffnung ist das junge Geschlecht?

In den Schulen schon muß der Nachwuchs des deutschen Volkes möglichst eingehenden Unterricht empfangen über die Eigenart der deutschen Schutzgebiete. Die Erwachsenen müssen durch organisierte Aufklä­rung vermittels der Presse, öffentliche Vorträge u. dgl. auf der in den Schulen gelegten Grundlage weiter gebildet werden. Un­endlich viel ist hier noch zu tuu. Es ist das eigentliche Arbeitsfeld der deutschen Kolonialgesellschaft zu Berlin, die in dieser Beziehung Bedeutendes geleistet hat, aber doch uoch uicht einmal sagen kann, daß sie

6) Begleiche das später iu gleicher Sammlung erscheinende Hestchen desselben Verfassers iiber dieAuswanderung".