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Unsere Kolonien, was sind sie wert, und wie können wir sie erschliessen? : Ein Kolonialprogramm / August Seidel
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Wir haben aber gesehen, daß die Kulturen, die jetzt zur Ausfuhr beisteuern, beinahe überall erheblicher Ausdehnung fähig sind, daß nur ein kleiner Teil des für Plantagenban geeigneten Landes bisher in Kultur genommen wordeu ist, und daß eine ganze Reihe aussichtsvoller Tropen­kulturen sich noch im Stadium der Versuche befindet oder überhaupt noch "der Aufmerksamkeit entgangen ist.

Wir können also mit voller Berechtigung sagen, daß der Plantagen­bau in den deutschen Schutzgebieten große Hoffnungen für die Znknnft erweckt.

Um der Unparteilichkeit willen sei indessen nochmals zusammenfassend ouch auf die schon früher behandelten Momente und einige neue hin­gewiesen, die der Entwicklung des Plantagenbaues Schwierigkeiten be­reiten: Die Zurückhaltung des Kapitals, schlechte Verkehrsverhältnisse, Schwierigkeit der Arbeitsbeschaffung, hohe Arbeitslöhne, Schädlinge. Außerdem wird von den Interessenten häufig über die zu hohe Belastung mit Steuern und Zöllen geklagt. Mit Recht! Eine junge Entwicklung soll man Pflegen und hätscheln, ihr Zeit lassen zu erstarken, aber nicht Zu den vielen vorhandenen Schwierigkeiten neue gesellen. Jeder Fiskalis- nius wäre gerade hier am unrechten Platze.

Ferner ist hinsichtlich des Kaffees zu beachten, daß das Usambara- produkt zwar von sehr guter Qualität, aber bei den hohen Unkosten auch Ziemlich teuer ist. Freilich nicht teurer als Kaffee gleicher Qualität aus fremdländischen Produktionsstätten, aber doch so teuer, daß er für den Konsum der großen Masse ungeeignet ist. Da die erzeugten Mengen jetzt noch gering sind, so werden sie schlank abgesetzt und haben auf den Weltmarktpreis des Kaffees keinen Einfluß. Sollte es aber dereinst zu einer Massenproduktion kommen, so besteht die Gefahr, daß die Kaffee- Kultnr in Usambara unrentabel wird, da der unvermeidliche Preisdruck den hohen Produktionskosten gegenüber keinen Nutzen mehr lassen wird. Es ist also jetzt schon eine Aufgabe, des Schweißes der Edlen wert, dar­über nachzudenken, wie diese Kosten verbilligt werden können, damit der Augenblick des Preissturzes nicht auf einmal den ganzen ostafrikanischen Kaffeebau ruiniert. Und was hier von Ostafrika gesagt ist, gilt von den übrigen Kaffee produzierenden Kolouieu rauwti8 inutauäis mit nicht ge­ringerer Berechtigung.

e.) Der Bergbau. Um die Aussichten vollständig würdigen zu können, die sich hinsicht­lich der Möglichkeit wertvoller Mineralfunde in unseren Kolonien eröffnen, würde es eigentlich erforderlich sein, die geologischen Verhältnisse derselben hier eingehender zu erörtern. Da das an dieser Stelle zu weit führen Ivürde, so verweise ich dieserhalb auf die knappen, aber ausführlichen Darlegungen iu meinem BucheDie deutschen Schutzgebiete und ihr wirt­schaftlicher Wert" (Berlin 1905, A. Duncker). Hier mag es genügen, hervorzuheben, daß unsere Schutzgebiete fast sämtlich in ihrer Hauptmasse aus Granit und Gneis aufgebaut sind, mit Ausnahme der südlichen Togo- Gebirge, die aus Sandstein und Tonschiefer jüngeren Alters bestehen, und der kleinen Atollgruppen der Südsee, die den Korallen ihr Dasein verdanken.

Für jeden Geologen liegt damit klar zutage, daß bei dieser For-